Viele Anrufe beim Ordnungsamt: „Vermummte Person“ auf dem Jüdischen Friedhof gesichtet

dzJüdischer Friedhof

Zahlreiche Bürger waren am Donnerstag irritiert, als sie am Jüdischen Friedhof vorbeifuhren. Denn ein in schwarz gekleideter Mann mit bemaltem Gesicht hielt sich auf dem Gelände auf.

Selm

, 05.09.2019, 14:53 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es haben schon so viele Leute beim Ordnungsamt angerufen“, erzählt Selms Stadtsprecher Norbert Zolda. Der Grund der vielen Anrufe war eine merkwürdig anmutende Person auf dem Jüdischen Friedhof. Auch unserer Redaktion wurde eine „vermummte Person“ auf dem Friedhof gemeldet.

Rudolf Barbian ist überrascht gewesen, als er den Mann dort sah. „Ich war auf dem Weg nach Bork.“ Doch letztendlich gab es keinen Grund zur Besorgnis. Denn die „vermummte Person“ war der ganz in schwarz gekleidete Oliver Meth (35). Er absolviert in Bochum ein Studium der Videoproduktion und wollte einen Film drehen. „Das hier ist ein Uni-Projekt“, erzählte er. Für den Dreh hatte er sich extra das ganze Gesicht weiß angemalt.

„Wir hatten schon mit der Polizei gerechnet“

Schon seit morgens sei er mit drei Freunden auf dem alten Friedhof. Den Kontakt mit der Stadt Selm habe er sogar schon vor zwei Wochen aufgenommen. „Mit der Stadt war das auch echt kein Problem“, sagte er. Dabei habe er sogar mit ein wenig Widerstand gerechnet, gestand er. Ein paar Tage vor dem Dreh habe er dann noch nach einer offiziellen Drehgenehmigung gefragt. „Ich dachte mir, das wäre ganz nützlich.“

Jetzt lesen

Denn Meth hatte schon damit gerechnet, dass sein Filmdreh für Aufsehen sorgen könnte. „Wir hatten schon mit der Polizei gerechnet“, sagte er. Doch die war zumindest bis zum Mittag noch nicht auf dem Friedhof. Allerdings seien schon mehrere Male Polizeiwagen am Friedhof vorbeigefahren, merkte ein Mitglied der Filmcrew an.

Und nachdem am Morgen Norbert Zolda die Genehmigung vorbeibrachte, sei auch ein Mann am Friedhof aufgetaucht, der sich um die Gräber kümmere. „Der wusste von nichts“, erzählte der 35-Jährige. Selbst das Ordnungsamt sei schon vorbeigekommen. „Die sind vorbeigefahren und haben dann wohl ein paar Gestalten gesehen“, scherzt Meth.

Die Idee zur Handlung beruht zum Teil auf eigenen Erfahrungen

Um nicht noch mehr Leute zu verschrecken, begannen der Student und seine Freunde am Mittag, ein Schild am Eingang aufzustellen, um vorbeifahrende Menschen zu beruhigen.

Der fertiggestellte Film des Studenten soll zwischen fünf und zehn Minuten lang werden und das Thema Burnout behandeln. „Es steckt ein wahrer Kern hinter der Geschichte“, erzählte der Produzent. „Ich war selbst einmal stark Burnout-gefährdet.“

Die Hauptperson Boris spielt Oliver Meth selbst. „Er ist ein ausgebrannter Totengräber“, der von seiner eintönigen Arbeit gelangweilt sei - „und von allem genervt ist“.

Lesen Sie jetzt