Beim LAFP werden Polizisten aus- und fortgebildet. Einer der Beamten soll Mitglied in einer Chatgruppe gewesen sein, die rechtsextreme Inhalte austauschte. Welcher Standort betroffen ist, blieb zunächst offen. © Marie Rademacher
Ausbildung

Alles fährt runter – LAFP in Bork macht in Corona-Zeiten wieder auf

Während der Lockdown bundesweit ausgeweitet wurde und Geschäfte wie Bildungs-Einrichtungen geschlossen sind, startet das LAFP in Selm am Montag mit der Aus- und Fortbildung. Das gefällt nicht allen.

Mitte Dezember musste die Polizei NRW aus Rechtsgründen die Aus- und Fortbildung landesweit einstellen. In dieser Woche gab es für die Nachwuchskräfte, die sich in einer dreijährigen Ausbildungszeit befinden, aber eine gute Nachricht: Ab dem kommenden Montag (11. Januar) wird am LAFP in Selm die Aus- und Fortbildung „sukzessive und lageangepasst“ wieder aufgenommen. „Der Gesundheitsschutz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des LAFP NRW und der Polizei NRW insgesamt genießen dabei unverändert höchste Priorität“, teilt die Pressestelle auf Anfrage mit.

Eltern der angehenden Polizisten in Sorge

Sorgen machen sich in diesen Zeiten nämlich vor allem viele Eltern, wie ein Brief an unsere Redaktion zeigt. Der Vater einer angehenden Beamtin möchte nicht namentlich genannt werden. „Meine Tochter freut sich riesig darüber, dass das Training wieder losgeht. Wenn sie mitbekommen sollte, dass ich mich darüber beschwere, wäre sie mehr als erbost“, erklärt der Vater. Doch besorgt ist er trotzdem: „Ich finde das unverantwortlich von den Vorgesetzten, den Ausbildungsbetrieb wiederzubeginnen, trotz der hohen Corona-Zahlen. […] Jeder Betrieb muss runterfahren, aber die Polizeiausbildung fährt hoch?!?“, wundert er sich verärgert.

Mitarbeiter illegal in Bürogebäude untergebracht – fast alle infiziert

Vor allem sorgt sich der Vater darum, dass die vorhandenen Hygienevorschriften im Training nicht immer eingehalten werden könnten – und um die Unterkunftsverhältnisse. So gäbe es unter der Woche Wohngemeinschaften der Studierenden, am Wochenende ginge es nach Hause. „Wie sollen wir das in Einklang bringen? 500 Personen im Polizeitraining in einer Kaserne. Ein Coronahotspot schlechthin“, meint der Vater.

Es geht um die Funktionsfähigkeit der Polizei

Doch die drei Landesoberbehörden der Polizei NRW, zu denen das LAFP NRW in Selm gehört, sehen zum einen keine andere Möglichkeit, zum anderen aber auch den weitestgehend sicheren Weg. „Mit der neuen Coronaschutzverordnung können wir nunmehr die Aus- und Fortbildung in angepasster Form wieder fortzusetzen. Das ist notwendig, um den landesweiten Erhalt der Funktionsfähigkeit der Polizei und die nachhaltige Sicherung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung zu gewährleisten“, teilte die Pressestelle mit.

Von Beginn an erstellte Konzepte greifen

Die bislang gemachten Erfahrungen zeigten, dass die längst entwickelten und umgesetzten Hygienekonzepte Wirkung zeigten: „Die bisher äußerst geringen Infektionszahlen im LAFP NRW bestätigen die Wirksamkeit unserer Konzepte und Maßnahmen“, so die Pressesprecherin. Diese werden nun weiter kontinuierlich und lageangepasst fortgesetzt.

Neben der Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln wird auf Schutzausrüstung gesetzt und auch ablauforganisatorische Maßnahmen wurden ergriffen. Wenn ab Montag voraussichtlich rund 650 Studierende das Training im LAFP in Selm wieder aufnehmen, wird das in einem Zweischichtbetrieb mit Früh- und Spätschicht passieren. Ähnlich ist es in den Liegenschaften in Brühl und Schloss Holte-Stukenbrock, wo jeweils rund 330 Studierende erwartet werden.

Training in festen Gruppen mit maximal acht Leuten

„Das Training wird in festen Halbkursen mit maximal acht Studierenden durchgeführt“, erklärt die Pressesprecherin. „Die Präsenzdienstzeiten für das Training vor Ort sind auf sechs Stunden gekürzt und werden durch Stundenanteile für individuelle Vor- und Nachbereitung im Selbststudium ergänzt.“

Darüber hinaus sind die Bachelorstudenten der Polizei dazu angehalten, „nicht nur im dienstlichen, sondern auch im privaten Bereich die Vorschriften der gültigen Coronaschutzverordnung sowie die Hygiene- und Infektionsschutzstandards vollumfänglich zu beachten.“

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