Die Anzahl der Grippefälle in NRW ist in dieser Saison im Vergleich zur vorangegangenen bisher um 99,7 Prozent zurückgegangen. © David Mao/Unsplash
Grippe in Werne

99,7 Prozent weniger Grippefälle in NRW: Nur 1 Fall bekannt aus Kreis Unna

Die Grippe ist in dieser Saison bisher so gut wie gar nicht aufgetreten. Das geht aus den Saisonberichten vom Landeszentrum für Gesundheit in Bochum und dem Robert-Koch-Institut hervor.

Eigentlich wäre gerade Grippehochsaison in NRW: In der Saison 2018/2019 hatten die Grippeinfektionen in NRW Mitte Februar ihren Höhepunkt erreicht, in der darauffolgenden Saison 2019/2020 gegen Ende März. Doch in diesem Jahr ist alles anders: Der Praxisindex, also die Anzahl der Patienten, die wegen einer respiratorischen Erkrankung eine Hausarztpraxis aufsuchen, ist fast so gering wie sonst nur zu Sommerzeiten – wenn die akute Grippesaison längst vorbei ist.

Gerade einmal 81 Influenzameldungen hat das Landeszentrum für Gesundheit in Bochum seit Beginn der laufenden Grippesaison NRW-weit verzeichnet. Zum Vergleich: In der Saison 2019/2020 waren es NRW-weit 26.683, in der schwersten Saison 2017/2018 seit 30 Jahren 35.770 Fälle. Das entspricht 2021 einem Rückgang im Vergleich zum Vorjahr 2020 um 99,7 Prozent NRW-weit.

99,6 Prozent weniger Grippefälle im Kreis als noch 2019/2020

Aus dem Kreis Unna hat es in der laufenden Saison bis zur Kalenderwoche 9 lediglich eine Influenzameldung des Typ B gegeben. In der vorangegangenen Saison waren es bis zu diesem Zeitpunkt bereits 236 Fälle – fast ausschließlich des Typ A (-99,6 Prozent). Vom Robert-Koch-Institut (RKI) heißt es im wöchentlichen Influenzabericht zwar, dass die Häufigkeit der akuten Atemwegserkrankungen (ARE) zur Vorwoche bundesweit angestiegen seien. Aber: „Die ARE-Rate liegt weiterhin unter den Werten der Vorsaisons auf einem extrem niedrigen Niveau.“

Die Zahl der Arztbesuche wegen Atemwegserkrankungen ist in dieser Saison auf einen noch nie dagewesenen, niedrigen Niveau.
Die Zahl der Arztbesuche wegen Atemwegserkrankungen ist in dieser Saison auf einem noch nie dagewesenen, niedrigen Niveau. © Robert-Koch-Institut © Robert-Koch-Institut

In der Kalenderwoche 2, in der die Grippefälle in den Vorjahren steil anstiegen, fiel die bundesweite Grippekurve dieses Mal rapide ab. Den Grund dafür liefert das RKI gleich mit: „Die ARE-Aktivität liegt seit dem harten Lockdown Ende 2020 auf einem vorher nie erreichten, niedrigen Niveau in den Wintermonaten.“ Ein ähnliches Bild zeichne sich grippebedingt weltweit ab.

Das bestätigt auch der Werner Ärztesprecher Dr. med. Christian Ruhnau: „Es ist so gut wie keine Grippe da. Die Masken und der Lockdown schützen vor der Grippe. Die ganzen grippalen Infekte sind sehr wenige.“ Diese Entwicklung sei „gigantisch“.

Dr. Ruhnau: „Der Schutz, den wir alle betreiben, bringt extrem viel“

„Der Schutz, den wir alle betreiben, bringt extrem viel. Wir haben mit Covid genug zu tun, da sind wir ganz dankbar“, so Ruhnau weiter. Auch Rhinoviren, die insbesondere für Schnupfen verantwortlich sind, seien in diesem Jahr in wesentlich geringerem Maße vorherrschend. Ein weiterer Faktor, der zu dem guten Schutz vor der Grippe beigetragen haben könnte: Die hohe Nachfrage nach der Grippeschutzimpfung zu Beginn der Grippesaison im Herbst 2020.

„Das war ein sehr, sehr großer Run am Anfang. Es sind viele dieses Jahr geimpft worden, das ist auch gut so“, so der Allgemeinmediziner. Wegen der anfänglich hohen Nachfrage habe es ein „kleines Versorgungsproblem“ gegeben, so Ruhnau. Die Nachlieferung sei nicht schnell genug erfolgt. Doch der Lockdown biete zusätzlichen Schutz.

Über die Autorin
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Gebürtige Münsterländerin, seit April 2018 Redakteurin bei den Ruhr Nachrichten, von 2016 bis 2018 Volontärin bei Lensing Media. Studierte Sprachwissenschaften, Politik und Journalistik an der TU Dortmund und Entwicklungspolitik an der Philipps-Universität Marburg. Zuletzt arbeitete sie beim Online-Magazin Digital Development Debates.
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Eva-Maria Spiller

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