1995 haben Susanne Hinzmann und Ina Baudrexl den Häuslichen Pflegedienst Hinzmann & Baudrexl GbR gegründet. In diesen Jahren hat sich manches geändert. Nicht nur wegen Corona.

Selm

, 03.11.2020, 14:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Seit 25 Jahren kümmert sich das Team des Pflegedienstes Hinzmann & Baudrexl um seine Patienten. Das Jubiläum wäre eigentlich ein Grund zum Feiern. Wenn da nicht ein kleines Virus wäre, das große Probleme bereitet.

Gleichwohl ist das Jubiläum eine gute Gelegenheit, mal Revue passieren zu lassen, wie sich Pflege und der Pflegeberuf entwickelt haben. Mitgründerin Ina Baudrexl hat Antworten auf unsere Fragen.

? Wie hat sich Pflege innerhalb der 25 Jahre des Bestehens des Pflegedienstes Hinzmann & Baudrexl entwickelt?

„In unserem Gründungsjahr wurde auch die Pflegeversicherung als fünfte Säule des Sozialstaats eingeführt“, berichtet Geschäftsführerin Ina Baudrexl. „Seitdem hat sich unser Leistungsspektrum stärk verändert. Der Anteil der Hilfen aus der Pflegeversicherung ist deutlich gestiegen und übersteigen die Leistungen der medizinischen Behandlungspflege (Leistungen der Krankenversicherung).“ Der ursprüngliche enge Begriff der Pflegebedürftigkeit sei im Rahmen der Reform der Pflegeversicherung korrigiert worden und berücksichtige auch Demenzkranke. „Die geschaffenen Sachleistungsansprüche in der Pflegeversicherung führen neben der klassischen Pflege zum Ausbau weiterer Leistungsangebote wie Betreuungsleistungen und Leistungen der hauswirtschaftlichen Versorgung.“

? Wie haben sich die Rahmenbedingungen (rechtliche Vorgaben etc.) entwickelt?

„Auch die ambulante Pflege leidet unter der Überbürokratisierung und einem Dokumentationswahnsinn, der sich nicht an den Bedürfnissen der Patienten orientiert“, sagt die Geschäftsführerin. Das gelte auch für die jährlichen Qualitätsprüfungen, den sogenannten „Pflege-TÜV“. „Die demographische Entwicklung, einhergehend mit dem fehlenden Fachpersonal, führt zurzeit zu der unerträglichen Situation, dass ambulante Dienste zeitweise keine Patienten aufnehmen können.“

? Sind Krankheitsbilder dazu gekommen, mit denen die Mitarbeiterinnen des Pflegedienstes bis dato noch nie zu tun hatten? Wenn ja, welche?

„Abgesehen von dem aktuellen Coronavirus sind aufgrund der Antibiotikaresistenzen die MRSA-Infektionen mit ihren unterschiedlichen Symptomen zu erwähnen“, berichtet Ina Baudrexl. „Hier stehen die Schutzmaßnahmen im Vordergrund.“ Durch die bereits in der Vergangenheit erarbeiteten Schutz- und Hygienekonzepte seien Grundlagen geschaffen worden, auf die auch in der aktuellen Pandemie zurückgegriffen werden könne.

? Hat sich das Verhalten (haben sich die Ansprüche) der zu Pflegenden und der Angehörigen verändert? Wenn ja, wie konkret hat es sich verändert?

„Unser Selbstverständnis und unser Leitbild war immer schon kundenorientiert“, erklärt Ina Baudrexl. Die individuellen Wünsche und Bedürfnisse der Patienten seien dem Team wichtig. „Pflege von der Stange gibt es bei uns nicht. Der Patient als Ganzes steht immer im Mittelpunkt, wird als Person ernst genommen, verstanden und umsorgt, um ihm ein selbstbestimmtes Leben in seiner häuslichen Umgebung zu ermöglichen. Diese Philosophie hat unser Mitarbeiterteam seit vielen Jahren erfolgreich umgesetzt. Diese Einstellung haben die Kunden wertgeschätzt und finden mit ihren berechtigten Wünschen bei uns immer ein offenes Ohr.“

? Hat sich durch die Coronapandemie etwas für den Pflegeberuf verändert?

„In der eigentlichen Pflege nicht, da unsere Schutz- und Hygienemaßnahmen greifen“, antwortet Geschäftsführerin Baudrexl. Aber die Sorgen und Ängste der Kunden seien deutlich spürbar und neben der eigentlichen Pflege brauchen einzelne Patienten eine besondere empathische Fürsorge. „Das soziale Miteinander im Betrieb ist durch die Schutzmaßnahmen leider sehr eingeschränkt.
Übliche Formate wie Betriebs- und Weihnachtsfeiern oder ein schönes Jubiläumsfest mit den Kunden sind im Moment nicht möglich.“

? Überall hat man zu Beginn der Pandemie Beifall für Pflegerinnen vernommen. Wie sieht es mittlerweile aus? Hat der Pflegeberuf ein höheres Ansehen bekommen, das sich auch im alltäglichen Umgang durch mehr Respekt zeigt?

„Unsere Kunden wertschätzen die Arbeit der Pflegerinnen und zollen ihnen Dankbarkeit und Respekt“, versichert Baudrexl. Die Diskussion um das Ansehen des Berufsbildes sei eher ein gesamtgesellschaftliches Thema beziehungsweise ein Mediales,. „Dazu gehört auch eine ordentliche Bezahlung der Mitarbeiter, die bei uns selbstverständlich ist.“ Mit einer angemessene Vergütung der Leistungserbringer durch die Kranken- und Pflegekassen und der Einführung allgemeinverbindlicher Tarifverträge lasse sich auch eine angemessene materielle Honorierung des sehr wertvollen und aufgrund des demographischen Wandels immer wichtiger werdenden Berufsbilds umsetzen. „Dies ist dringend notwendig um junge Menschen für diesen anspruchsvollen Beruf gewinnen zu können. Hier sind unter anderem auch die Schulen, die Berufs- und Ausbildungsberatungen gefordert. Wir bilden kontinuierlich aus, gerne auch Berufswechsler. Ein Einstieg ist zu jeder Zeit möglich.“

Lesen Sie jetzt