Der LWL-Kulturausschuss gab grünes Licht, am 20. März soll der Landschaftsausschuss folgen: Auf Schloss Cappenberg und in Münster soll 2022 eine Barbarossa-Sonderausstellung gezeigt werden.

Cappenberg

, 17.02.2020, 08:09 Uhr / Lesedauer: 3 min

Kaiser Friedrich I. (1122-1190) gehört zu den herausragenden europäischen Herrschergestalten des Mittelalters. Der Staufer war von 1155 bis 1190 Kaiser des römisch-deutschen Reiches. Der Beiname „Barbarossa“ („Rotbart“) wurde im 13. Jahrhundert fester Bestandteil seines Namens. Es gibt viele Mythen um „Kaiser Friedrich Barbarossa“, die im 19. und frühen 20. Jahrhundert ihren Höhepunkt in der deutschen Nationalbewegung fanden. Mit der Sage vom Kaiser, der im Kyffhäuser genannten Mittelgebirge südöstlich des Harzes schläft und auf bessere Zeiten wartet, wurde die Hoffnung auf die nationale Einheit verbunden.

Ausstellung zum 900. Geburtstag

Eben diesem Mann will der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) von September 2022 bis Februar 2023 eine große Sonderausstellung an zwei Orten widmen - aus Anlass seines 900. Geburtstages. Gezeigt werden soll die Ausstellung in Münster und auf Schloss Cappenberg, wo die vermeintliche Bildnisbüste des Kaisers, der sogenannte Barbarossa-Kopf, in der Stiftskirche aufbewahrt wird. Sie zählt zu den wichtigsten Zeugnissen der romanischen Goldschmiedekunst in Deutschland. Noch zu Lebzeiten Barbarossas kam die Reliquienbüste in den Besitz des Stiftes Cappenberg. Denn Graf Otto von Cappenberg war 1122 Taufpate Barbarossas. In seinem Testament wird die Schenkung der Büste an das Stift erwähnt.

Offiziell setzt nur die Finanzierung ein Fragezeichen hinter die Ausstellung

Seit der großen Staufer-Schau von 1977 in Stuttgart und dem Projekt „Die Staufer und Italien“ in den Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim im Jahr 2010 hat es keine umfassende Ausstellung mehr zu Friedrich Barbarossa gegeben. Ende 2022 soll es aber mit ein paar Wochen Vorsprung auf Münster in Cappenberg soweit sein. Offiziell gibt es laut Beschlussvorlage des LWL nur einen Vorbehalt für die Durchführung der Sonderausstellung unter dem Arbeitstitel „Barbarossa (1122-1190). Ein europäischer Herrscher und die Kunst seiner Zeit“: Drittmittelgeber werden benötigt, um die 1,2 Millionen Euro teure Ausstellung realisieren zu können.

Ende der laufenden Sanierungsarbeiten am Schloss noch unbekannt

Mit Blick auf die seit Jahren laufenden Baumaßnahmen am Schloss Cappenberg bekommen Selmer bei dieser Nachricht aus Münster jedoch große Augen. Denn eigentlich sollten die Sanierungsmaßnahmen des Schlosses längst beendet und bereits Ausstellungen des LWL und des Kreises im Westflügel des Schlosses zu sehen sein, doch noch immer führen dort die Handwerker das Zepter. Wann die abrücken können und sollen, ist nicht bekannt. Und nun wird eine weitere außergewöhnliche Sonderausstellung geplant - während von den laufenden Bauarbeiten keine Rede ist.

Das Schloss Cappenberg ist derzeit wegen Umbauarbeiten für Kulturausstellungen gesperrt.

Das Schloss Cappenberg ist derzeit wegen Umbauarbeiten für Kulturausstellungen gesperrt. © Arndt Brede (A)

Beim LWL geht man allerdings davon aus, dass zwischen der eigenen Kulturabteilung und dem Grafen Karnitz als Bauherrn der Sanierung entsprechende Abstimmungsgespräche geführt worden seien. „Die LWL-Denkmalschutzbehörde ist ja nur Kooperationspartner des Grafen. Die Planung, Ausfertigung und Terminierung der Baumaßnahmen liegt in seinen Händen“, sagte ein LWL-Sprecher. Wann die Arbeiten auf Schloss Cappenberg abgeschlossen seien, könne daher nur die Schlossverwaltung beantworten. Doch dort war am Freitag niemand zu erreichen.

Barbarossa-Kopf und Taufschale im Mittelpunkt der Ausstellung

Doch sollte alles passen, wird die Barbarossa-Ausstellung im LWL-Museum für Kunst und Kultur ab 28. Oktober 2022 gezeigt und auf Schloss Cappenberg ab 15. September 2022. Die Ausstellung auf Schloss Cappenberg widmet sich dem historischen Ort und zeigt zunächst den Barbarossa-Kopf und die Taufschale des Barbarossa. Die Initiative zu dem Projekt ging ursprünglich vom Rotary Club Kaiser Barbarossa in Selm aus. In dessen Regie lag auch das internationale wissenschaftliche Symposium „Cappenberg: Der Kopf, das Kloster und seine Stifter“ im September 2019 auf Schloss Cappenberg. Schon da wurden aktuelle, revolutionierende Forschungsergebnisse zum Barbarossa-Kopf bekannt gegeben. Nach den jüngsten Erkenntnissen handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um ein Reliquiar für den Stiftspatron Johannes den Evangelisten. Die Ergebnisse der aktuellen Forschung werden in die Ausstellung mit einfließen.

Die soll sich in Cappenberg um den historischen Ort drehen, das heißt um die kunsthistorisch wertvolle romanische Stiftskirche und ihre Ausstattung, sowie um den historischen Kontext der familiären Verbindungen der Cappenberger zu anderen führenden Herrschergeschlechtern der Zeit. Denn nur wegen dieses Hintergrunds kam es zur Anwesenheit Kaiser Friedrich Barbarossas im heutigen NRW. Zudem soll am Ort des Geschehens die Gründung des Stiftes unter Mitwirkung des später heiliggesprochenen Norbert von Xanten thematisiert werden.

Finanzierung bereitet noch Kopfzerbrechen

Die Ausstellung ist aufgrund ihrer internationalen Ausrichtung und ihrer zugleich regionalhistorischen Verankerung für Westfalen unbestritten von herausragender Bedeutung, allerdings bereitet neben der Fertigstellung der Sanierungsarbeiten auch noch die Finanzierung Kopfzerbrechen. Die Kosten werden auf rund 1,2 Millionen Euro kalkuliert. Und mit 570 000 Euro ist knapp die Hälfte davon noch nicht gedeckt. Gespräche darüber würden derzeit aber mit dem Land NRW, weiteren Stiftungen und potentiellen Drittmittelgebern geführt, heißt es in der Beschlussvorlage des LWL.

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