Ein Polizist fordert auf einer Piste im Skigebiet in Winterberg die Besucher zum Gehen auf. Nach dem großen Andrang in den letzten Tagen sind die Pisten und Parkplätze nun gesperrt. © picture alliance/dpa
Fußball

Winterberg-Chaos: Amateurfußballer berichtet von vollen Pisten und verletzter Maskenpflicht

Die Stadt Winterberg geriet zuletzt in die Schlagzeilen. Grund: Die Skipisten waren trotz Corona voll. Nun macht die Stadt dicht. Ein Amateurfußballer aus Westfalen war vor Ort und packt aus.

Kilometerlange Staus, volle Parkplätze und eine Menge möglicher Kontakte: Die Stadt Winterberg geriet in den vergangenen Tagen mehrfach in die Schlagzeilen. Die Kleinstadt aus dem Hochsauerlandkreis ist seit vielen Jahren ein beliebter Treffpunkt für Menschen, die gerne rodeln oder Ski fahren. Auch Ende letzten und Anfang dieses Jahres haben sich viele auf den Weg in den Ort im Rothaargebirge gemacht – trotz der Corona-Pandemie. Damit ist seit Sonntag Schluss. Die Stadt macht dicht, sperrt Straßen, Parkplätze und Pisten. Ein Amateurfußballer aus Westfalen war vor Ort und berichtet von seinen Erfahrungen.

Seinen Namen und seinen Klub möchte er nicht preisgeben. Der Amateurfußballer aus Westfalen möchte anonym bleiben, um auch mit seinem Arbeitgeber keine Probleme zu bekommen. Wir nennen ihn in diesem Text daher ab sofort Jakob C.

C. war in den vergangenen Tagen in Winterberg vor Ort. Am 30. Dezember machte er sich gemeinsam mit seiner Freundin auf den Weg in den beliebten Wintersportort im Hochsauerland. Schon zu diesem Zeitpunkt berichteten die ersten Medien über die Zustände vor Ort. Besucher trugen keine Masken, Parkplätze waren überfüllt, die Pisten voll. Die Stadt klärte via Facebook bereits am Montag, 28. Dezember, über die örtlichen Zustände auf, riet von einer Reise ab.

Jakob C. machte sich zwei Tage später aber trotzdem auf den Weg nach Winterberg und begründet seine Entscheidung wie folgt: „Dort liegt viel Schnee, hier gar nichts. Ich wollte mit meiner Freundin einfach eine schöne Zeit verbringen. Wir haben uns daher auch gar keine Gedanken gemacht, ob es voll sein könnte“, sagt C. Als das Pärchen in Winterberg ankam, entschied es sich direkt für die „erstbeste Möglichkeit“, auch um den Stau zu umgehen. C. und seine Freundin entschieden sich für einen mittelhohen Berg zum Rodeln.

C. schildert seine Eindrücke: „Es war eine riesengroße Fläche und da waren maximal 30 Leute drauf. Ich hatte das Gefühl, dass es für die Menschen eine Art Familienurlaub oder Erlebnistag war. Es waren einige Familien mit Kindern unterwegs. Davon hat jeder sein eigenes Ding gemacht. Wir sind da einfach nur mit dem Schlitten gefahren und hatten keinen Kontakt zu den Leuten.“ Mit Maske? Nein. „Niemand hatte eine Maske auf“, sagt C., der mit seiner Freundin nach dem Schlittenfahren noch spazieren ging.

Größere Menschenmassen

Währenddessen entdeckte das Paar auf den anderen Hügeln aber schon größere Menschenmassen. „Man hat gesehen, dass viele Autos dort auch mit auswärtigen Kennzeichen standen – wie zum Beispiel aus Herne, Recklinghausen oder Dortmund“, sagt C. und ergänzt: „Ein Berg war richtig voll. Auf dem Parkplatz davor standen mehr als 200 Autos.“

Probleme mit dem Parkplatz hatten C. und seine Freundin jedoch nicht. „Wir waren schon um halb elf vor Ort. Um 14 Uhr sind wir dann wieder zurückgefahren. In der Zeit hatten wir zu niemandem Kontakt. Es ist ja auch nicht wirklich so, dass sich 10.000 Menschen auf einem Fleck befinden“, sagt C. abschließend, der sowohl Fürsprecher des jetzigen Pistenverbots als auch jene verstehen könne, die sich in den vergangenen Tagen auf den Weg nach Winterberg gemacht hatten.

Ein weiterer Amateurfußballer aus Westfalen wollte sich eigentlich am Sonntag, 3. Januar, auf den Weg nach Winterberg machen – gemeinsam mit seiner Freundin und einem befreundeten Pärchen. Aufgrund der aktuellen Lage in Winterberg entschied der Fußballer jedoch dagegen. Auch dieser möchte namentlich nicht genannt werden, sodass wir ihn im weiteren Verlauf dieses Textes Benjamin F. nennen.

„Eigentlich wollten wir am Sonntag nach Winterberg, aber dann haben wir in den Nachrichten gelesen, was da los war und haben uns gesagt, dass wir lieber in einen ruhigeren Ort fahren möchten. Die Umstände haben uns abgeschreckt“, berichtet F. Daher entschied sich das Quartett am Sonntag, statt nach Winterberg lieber in einen Ort – nahe Meinerzhagen – zu fahren. F. berichtet von weniger gravierenden Zuständen als C.

„Für die Parkplatzsuche haben wir ungefähr fünf Minuten gebraucht. Hier ist es noch gar nicht voll. Ich habe hier schon seit zehn Minuten keinen Menschen mehr gesehen“, berichtet Benjamin F. in einem Telefonat mit dieser Redaktion am Sonntag gegen 14 Uhr. Vereinzelt seien ein paar Leute unterwegs gewesen, waren spazieren oder auch mal auf einer Piste. An die Maskenpflicht hielten sich aber auch hier nur die Allerwenigsten.

Über den Autor
Sportredaktion Dortmund
Ist bereits seit Kindesbeinen an von Ballsportarten – insbesondere Fußball – fasziniert. Stets neugierig auf der Suche nach Geschichten, auch abseits des Ballsports. Die Liebe zum Journalismus entdeckte er über sein großes Hobby: Fotografie. Gebürtig aus Selm, mittlerweile in Lünen wohnhaft.
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Patrick Schröer

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