Michel Zentgraf (l.) nimmt mit seinem Bruder Tom einen Spieler in die Zange. © Jura Weitzel
Fußball

Warum ihre Mutter kein Spiel mehr von Tom und Michel Zentgraf gucken wollte

Aktuell spielen Tom und Michel Zentgraf zusammen in der ersten Mannschaft von GS Cappenberg. Doch das war nicht immer so. Das erste Spiel gegeneinander endete für einen von beiden unschön.

In den Gesprächen mit Michel und Tom Zentgraf wird schnell deutlich: Die beiden Brüder verstehen sich – sticheln aber auch gerne mal gegeneinander. Tom und Michel bilden mit ihrem anderen Bruder Mathis, Vater Christian und ihrem Cousin Tim Recknagel einen Familienblock bei GS Cappenberg. Aber das war nicht immer so – zum Leidwesen der Mutter der drei Brüder.

„Unsere Mutter hat danach gesagt, dass sie nie wieder ein Spiel von uns gegeneinander anguckt. Da musste ich wieder zurück“, sagt Michel Zentgraf und lacht. Der Hintergrund: Zwischenzeitlich verließ Michel Cappenberg, weil es dort seine Mannschaft nicht mehr gab, und spielte beim SV Südkirchen.

Gleich im ersten Seniorenspiel gegen Cappenberg mit seinem Bruder Tom in Grün-Schwarz sah Michel die Rote Karte. „Aus Schiedsrichter-Sicht sah es wohl so aus, dass ich mit Asche nach ihm geworfen hätte. Dabei hatte sich nur welche von meinem Schuh gelöst. Die zweite Gelbe habe ich dann für Meckern bekommen.“

Tom wundert Michels Erklärung nicht. „Das war wieder klar, dass der Schiedsrichter schuld war. Das ist wieder typisch. Er meckert ja gerne.“ Bei Letzterem stimmt ihm der älteste Zentgraf (29) zu. „Wir sind uns schon sehr ähnlich. Wir erzählen viel Müll auf dem Platz.“

Mathis Zentgraf spielt noch in der Dritten

Nach dem Südkirchen-Intermezzo wechselte Michel wieder zurück nach Cappenberg, als Vater Christian die zweite Mannschaft übernahm. Dort stieß auch Mathis ins Team. Der 23-Jährige wohnt allerdings aktuell in Münster und kann daher nicht mehr oft bei Spielen sein, gehört aber noch zur dritten Mannschaft.

Auch Christian Zentgraf hat momentan keine Aufgabe mehr im Verein, ist aber bei jedem Spiel seiner Söhne am Platz. Als die drei Zentgrafes und ihr Cousin Tim Recknagel in der Wintervorbereitung im vergangenen Jahr in einer Partie zusammen spielten, sei das für Michel etwas Besonderes gewesen.

Auf dem Platz hilft es den Brüdern, die zusammen in der ersten Mannschaft spielen, dass sie sich so gut kennen. „Wer kennt einen besser als der eigene Bruder? Wir sind nicht nur Brüder, sondern gute Freunde. Das setzt sich beim Fußball fort. Das verbindet einen mehr. Wir haben ein anderes Verhältnis auf dem Platz“, sagt Michel.

Tom ergänzt: „Vor und nach dem Spiel wird über nichts anderes geredet. Dann kommen, abhängig vom Ergebnis, die strengen Analysen.“ Dass die Brüder dabei härter mit sich ins Gericht gehen, bestätigt der 26-Jährige. „Wir sind uns dann aber immer relativ schnell einig. Nach einer Niederlage ist es auf der Rückfahrt aber auch erstmal ruhig.“

„Ob Champions League oder die dritte aserbaidschanische Liga“

Beim gemeinsamen Sonntags-Essen bei ihren Eltern hören die Diskussionen über Fußball nicht auf. „Da kommt dann die Spielanalyse von GSC oder dem BVB“, so Michel.

Er und Tom seien fußballverrückt. „Ob Champions League oder die dritte aserbaidschanische Liga: Wir gucken alles. Wir müssen dann von unseren Freundinnen überredet werden, auch mal abzuschalten. Fußball spielt eine große Rolle, aber es gibt auch anderes wichtiges.“

Michel befürchtete zwar erst, dass es bei so vielen Verwandten in der Mannschaft zu Grüppchenbildungen kommen könnte, das sei aber nicht so gekommen. „Wir haben eine extrem geile Mannschaft. Wir kommen mit jedem sehr gut klar. Cappenberg steht dafür, dass es familiär ist.“ Das bestätigt Tom. „Wir kennen uns alle schon seit Urzeiten.“

Zu Problemen führe allerdings, dass alle drei Zentgrafes den gleichen Spitznamen haben. „Wir heißen alle ‘Zenti‘. Und weil Mathis mit zwei Metern der Größte ist, ist er der ‘Baby-Zenti‘“, erklärt Michel und lacht.

Michel erinnert Tom Zentgraf an Neymar

Da Tom seinen Bruder so gut kenne, wisse er auch, dass Michel sich gerne mal anstelle. „Michel liegt halt auch mal gerne auf dem Boden. Das ist wie bei Neymar. Es ist oft nicht so schlimm, wie es aussieht“, sagt er und lacht. Wenn er wirklich verletzt sei, würde Tom das aber erkennen.

Vermutlich so wie Michel, der sehr mitgelitten habe, als Tom nach seiner Knie-Verletzung zu früh angefangen habe, wieder zu spielen. „Ich bin Physio. Ich habe davon ein bisschen Ahnung. Als er im ersten Spiel dann auch noch übel gefoult wurde, bin ich aus der Haut gefahren.“

Tom, der einen Knorpelschaden vierten Grades hatte, muss seinem Bruder da zustimmen. „Das war zu krasser Ehrgeiz. Ich habe schon nach neun statt zwölf Monaten wieder gespielt.“

Seine und Michels Positionen beschreibt Tom so: „Michel spielt Innenverteidiger, weil er da weniger laufen muss. Ich wurde mal Kevin Großkreutz genannt, weil ich überall da spiele, wo der Trainer mich aufstellt.“

Die Loyalität des Ur-Dortmunders kann man wohl auch gut auf die Zentgrafes übertragen. „Cappenberg ist unser Herzensverein. Unser Vater war hier und Michel und ich werden hier wohl lebenslang spielen.“

Über den Autor
Volontär
Hat im Mai 2020 in der für den Lokal-Journalismus aufregenden Corona-Zeit bei Lensing Media das Volontariat begonnen. Kommt aus Bochum und hatte nach drei Jahren Studium in Paderborn Heimweh nach dem Ruhrgebiet. Möchte seit dem 17. Lebensjahr Journalist werden.
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Tobias Larisch

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