Die SG Selm ist einst aus einem DJK-Team hervorgegangen. © Reith
Sportvereine

Warum gibt es immer weniger DJK-Vereine in der Region?

Früher gab es deutlich mehr Vereine, die in ihrem Vereinsnamen „DJK“ trugen. Das hat sich geändert. Woran liegt das?

Deutsche Jugendkraft – was nach einem veralteten Ausdruck klingt, taucht noch heute in den Namen vieler Sportvereine auf. Die Deutsche Jugendkraft, kurz DJK, ist ein katholischer Sportverband, der 1920 in Würzburg gegründet wurde und heute bundesweit christliche Werte im Sport vermittelt.

Neben dem Bundesverband gibt es insgesamt 16 Landesverbände. Darunter sind die Vereine in Diözesanverbänden organisiert, welche sich auf die einzelnen Bistümer beziehen.

In der Region gibt es aktuell DJK-Vereine in Datteln, Haltern mit Blau-Weiß Lavesum, Lünen mit dem DJK SuS Brambauer, Hamm, Heessen, Langern, Amelsbüren, Drensteinfurt, Dülmen und drei DJK-Vereine in Waltrop.

Der DJK-Verein des Diözesanverbands Münster hat vor Kurzem das 70-jährige Bestehen gefeiert. Derzeit zählt er ungefähr 55.000 Mitglieder, doch im Laufe der letzten Jahre sind immer mehr Vereine aus dem Verband ausgetreten. Während es zu Anfang der 2000er Jahre noch über 400 DJK-Vereine in NRW gab, ist diese Zahl in den letzten 20 Jahren auf weniger als 340 Vereine gesunken. Besonders ab 2010 nahmen die Austritte stark zu.

Doppelte Mitgliedschaft bedeutet doppelte Belastung

Franz Josef Bonert, ehemaliger Generalsekretär der DJK erklärt: „Vereine der DJK haben immer eine doppelte Mitgliedschaft, also einerseits die Mitgliedschaft bei der DJK und jeweils die Mitgliedschaft in den entsprechenden Fachverbänden.“ Damit sind zum Beispiel der DFB oder der Deutsche Leichtathletikverband gemeint. „Doppelte Mitgliedschaft bedeutet natürlich auch doppelte Beitragszahlung und da kann es schon mal sein, dass es Vereine gibt, die das finanziell nicht schaffen.“

Aber das ist nicht der einzige Grund für die Vereinsaustritte. Manchmal hat die Entscheidung der Vereine auch mit dem Leitbild der DJK zu tun. „Die Ausrichtung der DJK-Vereine richtet sich nach der Botschaft Jesu Christi. Heute ist es natürlich so, dass Mitglieder aller Konfessionen willkommen sind. Aber es gibt auch Vereine, die unsere Zielsetzung als nicht so wichtig ansehen. Die Kirche hat in den letzten Jahren enorme Einbußen erlitten und genauso die DJK.“

In den 1950er Jahren hoffte der SV Südkirchen eine Verbesserung der finanziellen Lage durch einen Beitritt bei der DJK. Als diese jedoch nicht eintrat, wurde der DJK-Verein wieder aufgelöst. Grün-Weiß Selm trat im Jahr 2010 aus, um durch die Fusion mit dem Ballspielverein Selm eine gemeinsame Anlaufstelle im Sport zu schaffen. „Grün-Weiß ist damals nach dem Krieg schon aus zwei Vereinen entstanden, unter anderem eben DJK, deshalb ist das einfach DJK geblieben. DJK ist ja auch so ein bisschen eine kirchliche Geschichte und bei der Fusion passte das einfach nicht mehr“, sagt Georg Hillmeister, Vorsitzender der SG Selm.

Das DJK-Konzept passte irgendwann nicht mehr nur SG Selm, sagt Georg Hillmeister, Vorsitzender der SG.
Das DJK-Konzept passte irgendwann nicht mehr nur SG Selm, sagt Georg Hillmeister, Vorsitzender der SG. © Timo Janisch © Timo Janisch

Um zu verstehen, wie die doppelte Vereinsstruktur entstanden ist, muss man sich die Geschichte der Vereinsgründung im Sport ansehen. Diese lässt sich auf der Homepage der DJK nachlesen.

Vereine werden unter den Nazis gleichgeschaltet

Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es drei große Säulen im deutschen Sport: die Arbeitersportbewegung, den Deutschen Turnerbund und die DJK. Sportler durften nur innerhalb ihrer eigenen Vereine zu Wettkämpfen antreten. Mit der Machtübernahme der Nazis wurde im Jahr 1933 der Sport gleichgeschaltet.

Als dann nach Kriegsende 1950 der Deutsche Sportbund gegründet wurde, etablierten sich unter diesem Dachverband die Vereine. Von nun an gab es drei große Verbandsgruppen: die Fachverbände, die Sportbünde der Bundesländer und die Verbände mit einer besonderen Aufgabenstellung. Zu der letzten Gruppe zählt auch die DJK.

Als solcher Verein legt die DJK drei Ziele fest, wie Bonert erzählt: „Sachgerechter Sport, der den Regeln der jeweiligen Sportart entspricht, Erleben von Gemeinschaft durch gemeinsame Feste und Veranstaltungen und die Ausrichtung nach der Botschaft Jesu Christi.“

Bei ihrer Gründung 1920 in Würzburg war die DJK noch ein streng katholischer Verein. Heute sind alle Konfessionen willkommen, und auch Männer- und Frauensport sind seit 1970 vereint. Das Ausleben der christlichen Werte ist über die Jahre der zentrale Aspekt des Vereins geblieben.

Ohne diesen Aspekt habe die DJK gar keine Daseinsberechtigung, sagt Franz Josef Bonert, denn alles andere leisteten die Fachverbände auch. „Es muss eine Institution für den Breitensport geben, denn nicht jeder ist Spitzensportler. Es darf nicht nur den Leistungssport um jeden Preis geben.“

Er hält die DJK deswegen heute für wichtiger denn je. „Auch wenn die Zahlen vor einigen Jahren noch besser aussahen, sagt das nicht aus, was die DJK ausmacht.“

Die DJK versuche, der Aufgabe eines Korrektivs im deutschen Sport so gut wie möglich nachzukommen. „Themen wie Doping, Kommerzialisierung im Sport und extremer Kindersport werden sonst gar nicht angesprochen. Es muss einen Verein geben, der auch mal den Finger in die Wunde legt“.

DJK ist weiter relevant und wichtig

Und so ist die Deutsche Jugendkraft nach 70 Jahren immer noch relevant und wichtig für Sportlerinnen und Sportler, oder wie Willi Daume, langjähriger Präsident des Deutschen Sportbundes, es ausdrückte: „Die DJK ist das Gewissen im Deutschen Sport.“

Heute bietet die DJK Lehrgänge zu Gesundheits- und Sportthemen, Feriencamps, Sportwochenenden, Aus- und Weiterbildungen und Meisterschaften an. Dazu kommen allerlei Sport- und Freizeitaktivitäten, darunter auch gemeinsame Fahrradtouren und Wallfahrten.

Nachzulesen ist das Jahresprogramm im DJK-Kalender auf der neuen Homepage, die frisch online ging. Eine Aufnahme des normalen Lehrgangbetriebs ist aufgrund der Pandemie im Augenblick noch nicht abzusehen. Der Verband plant aber, die Jubiläums-Radtouren im Sommer nachzuholen. Die erste Tour ist für Juni terminiert, die anderen beiden für August.

Die Beiträge der Vereine richten sich nach der Anzahl ihrer Vereinsmitglieder, unterteilt nach Altersgruppen. Eine Mitgliedschaft im DJK Diözesanverband Münster kostet jährlich für Kinder ab sieben Jahren 1,10 Euro, für Jugendliche 1,60 Euro und für Erwachsene 2,10 Euro.

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