Viele Sportvereine verzichten in der aktuellen Zeit auf Mitgliedsbeiträge. © dpa (Symbolbild)
Mitgliederbeiträge

Verlust der Gemeinnützigkeit? Vereine müssen beim Umgang mit Beiträgen einiges beachten

Viele Sportvereine erlassen oder kürzen die Mitgliedsbeiträge während der Corona-Pandemie. Dabei ist man aber an einige Regeln gebunden. Sogar der Verlust der Gemeinnützigkeit droht.

Seit Monaten steht der Vereinssport wegen der Corona-Pandemie still. Ob aus Dankbarkeit gegenüber ihren Mitgliedern, dass sie dem Verein die Treue halten, oder weil sie befürchten, dass sich Mitglieder abmelden könnten: Viele Sportvereine erlassen, kürzen oder erstatten den Mitgliedern derzeit die Beiträge.

Doch damit weder die Vorstandsmitglieder Probleme bekommen, noch der Sportverein wohlmöglich seine Gemeinnützigkeit verliert, gilt es viel zu beachten. Letzteres steht dabei besonders im Fokus. Durch den Status der Gemeinnützigkeit erhalten Vereine in der Regel steuerliche Vorteile, müssen dafür allerdings auch vorweisen, dass sie eine Tätigkeit erbringen, die der Gemeinschaft zugute kommt.

Wir haben uns daher beim Landessportbund erkundigt, wie normalerweise mit den Mitgliedsbeiträgen umgegangen werden muss und worauf die Verantwortlichen bei der Entscheidungsfindung achten sollten:

Wer darf überhaupt darüber entscheiden, ob die Mitgliedsbeiträge gekürzt oder ausgesetzt werden?

Ist in der Satzung festgelegt, dass der Vorstand für die Festsetzung des Mitgliedsbeitrages verantwortlich ist, kann dieser auch eine neue Beitragshöhe festlegen. Dabei dürfen die für diesen Zeitraum geplanten Einnahmen und Ausgaben dem aber nicht widersprechen. Eine Rückzahlung von bereits gezahlten Beiträgen ist allerdings nicht möglich.

Was ist, wenn die Festsetzung der Mitgliedsbeiträge nicht vom Vorstand vorgenommen werden kann?

Wenn die Mitgliederversammlung für die Beiträge verantwortlich ist, kann der Vorstand darüber nicht ohne Zustimmung seiner Mitglieder entscheiden. Die Höhe oder Aussetzung der Beiträge muss dann also im Rahmen einer Mitgliederversammlung beschlossen werden.Das kann aufgrund einer aktuellen gesetzlichen Regelung jedoch auch durch eine virtuelle Versammlung oder per Briefwahl geschehen. Handelt der Vorstand aber ohne die Zustimmung der Mitglieder, führe das laut Landessportbund dazu, dass die Vorstandsmitglieder anschließend persönlich haftbar gemacht werden könnten.

Muss eine solche Mitgliederversammlung zwangsläufig vor der Reduzierung/dem Verzicht auf die Beiträge stattfinden?

Die Mitgliederversammlung kann auch nach dem Anpassen der Beiträge geschehen. Dann muss der Vorstand die Mitglieder aber darüber informieren, dass es sich dabei um eine vorläufige Maßnahme handelt. Im Anschluss muss dann bei einer Mitgliederversammlung über das Vorhaben abgestimmt werden.Wird die Entscheidung von den Mitglieder nicht genehmigt, dann könnte der Beitragseinzug nachgeholt werden. In dem Fall setzt sich der Vorstand nicht dem Haftungsrisiko aus.

Ein Mitglied kann die Beiträge nicht zahlen: Darf der Verein dann im Einzelfall die Beiträge reduzieren, erlassen oder rückerstatten?

Dieser Fall muss in der Satzung ausdrücklich vorgesehen sein. Wenn ja, kann der Vorstand einem Mitglied, das aufgrund individueller Umstände nicht zahlen kann, Beiträge stunden, zum Teil erlassen oder für einen Zeitraum zurückzahlen.Die durch die Corona-Pandemie bedingte wirtschaftliche Notlage des Mitglieds muss dem Verein nicht nachgewiesen werden. Es ist ausreichend, wenn das Mitglied plausibel erklärt, warum es sich in Not befindet, oder sich die Situation aus anderen Umständen ergibt.

Gefährdet die Rückzahlung oder Befreiung von Beiträgen an Mitglieder die Gemeinnützigkeit des Sportvereins?

Bis zum 31.12.2021 hat die Rückzahlung oder Befreiung von Mitgliedsbeiträgen vorübergehend keine Auswirkungen auf den Status der Gemeinnützigkeit.Die Rückzahlung oder der Verzicht auf die Beiträge mit der Begründung, dass wegen der Corona-Pandemie das Sportangebot nicht wie sonst angeboten werden kann, ist davon allerdings nicht betroffen. Mitgliedsbeiträge sind nicht explizit an ein Sportangebot gebunden, sondern an die reine Mitgliedschaft im Verein. Deswegen sind Sportvereine nicht dazu verpflichtet, ihren Mitgliedern wegen fehlender Leistungen, Beiträge zurückzuzahlen.

Über den Autor
Volontär
Hat im Mai 2020 in der für den Lokal-Journalismus aufregenden Corona-Zeit bei Lensing Media das Volontariat begonnen. Kommt aus Bochum und hatte nach drei Jahren Studium in Paderborn Heimweh nach dem Ruhrgebiet. Möchte seit dem 17. Lebensjahr Journalist werden.
Zur Autorenseite
Tobias Larisch

Der neue Lokalsport-Newsletter für Dorsten

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Dorstener Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.