Theo Schneider hat in Ungarn große Pläne. © Laryea (A)
Fußball

Selmer BVB-Legende Theo Schneider möchte in Ungarn eine neue Fußball-Ära gründen

Die U23 von Borussia führte Theo Schneider vor etwas mehr als zehn Jahren zum Drittliga-Aufstieg. Längst hat ihn aber seine fußballerische Reise nach Ungarn gezogen - mit großen Zielen.

Ferenc Puskas, Zoltan Czibor, Max Morlock und der doppelte Helmut Rahn. Nicht nur die älteren Fußballfans wissen, welches Spiel gemeint ist, wenn es um diese vier verschiedenen Torschützen geht. Natürlich das WM-Finale in Bern 1954. Es war die sogenannte „Goldene Elf“ der Osteuropäer, die in der Nachkriegszeit den Weltfußball beherrschte. Doch trotz dreier Olympia-Titel blieb die erhoffte WM-Krönung, auch wegen des Wunders von Bern, aus. Falls sich das in Zukunft ändert, könnte der Selmer Theo Schneider daran entscheidenden Anteil haben.

„Als ich vor sechs Jahren nach Ungarn gegangen bin, habe ich hier überall nur Bilder in schwarz-weiß gesehen. Alle sprachen von Puskas und die Gegenwart wurde so ein wenig verschlafen“, erinnert sich der Ex-BVBler. Doch das hat sich geändert. 2016 qualifizierten sich die Ungarn das erste Mal seit 44 Jahren für eine EM-Endrunde und erreichten mit Rang 18 die beste Platzierung in der Fifa-Weltrangliste aller Zeiten. Bei der Europameisterschaft ging das Märchen der einstigen Fußballnation weiter – Gruppensieger ohne Niederlage vor dem späten Champion aus Portugal. Und auch wenn direkt im Achtelfinale Schluss war und sich die Mannschaft nicht für die WM 2018 qualifizieren konnte, war der Geist der „goldenen Nation“ wieder zu spüren.

Mitten drin in diesem Aufschwung ist der Selmer und ehemalige Bundesligastürmer Theo Schneider. 2015 war er eigentlich schon auf dem Weg nach China und wollte dort einen Zwei-Jahres-Vertrag bei Guangzhou Evergrande unterschreiben, doch ein kleiner Umweg über Ungarn, genauer gesagt über Budapest, und einige Gespräche mit dem dortigen Trainer Thomas Doll änderten seine Meinung. Er wurde Leiter der Nachwuchsabteilung bei Ferencváros Budapest.

Theo Schneider (l.) entwickelte mit Borussia Dortmund eine Kooperation.
Theo Schneider (l.) entwickelte mit Borussia Dortmund eine Kooperation. © privat © privat

Und selbst wenn die Erfolge beim ungarischen Rekordmeister da waren, verließ er den Verein drei Jahre später wieder und entwickelte ein nie zuvor da gewesenes Projekt. „Ungarn hat das Problem, dass es viele gute Kicker gibt, diese aber meistens nicht gut gefördert werden und schon gar nicht die europäische Mentalität und Intensität kennen lernen“, kritisiert Schneider. Also gründete er nach der Idee des Ex-Nationalcoaches Bernd Storck ein ganz neues Juniorenteam mit dem Namen UDSE, was übersetzt so viel heißt, wie ungarisch-deutscher Sportclub.

Theo Schneider gründete den Verein UDSE

In diesem Jahr ging der Verein in seine zweite Saison und der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. „Wir haben zu Beginn ein Probetraining gemacht und es kamen über 300 Kinder aus Budapest und Umgebung. In diesem Jahr haben wir das mit dem selben Andrang wiederholt. Es zeigt einfach, wie viel Lust die Ungarn auf Fußball haben“, sagt der Selmer. Aktuell gibt es im Ligabetrieb eine U12, U13 und U14 – in wenigen Jahren sollen alle Altersklassen bis zur U19 bedient sein.

Doch nicht nur national machte das Projekt auf sich aufmerksam. Und international wurden schnell die Augen auf UDSE gerichtet. Durch die Kontakte Schneiders entwickelte sich schnell eine Zusammenarbeit mit Borussia Dortmund, die in Zukunft auch eigene Trainer nach Ungarn versenden wollen oder auch besondere Talente früh in die BVB-Jugendteams aufnehmen wollen.

Einen solchen Werdegang hatte zuletzt der ungarische Nationalspieler Dominik Szoboszlai beschritten. „Szoboszlai ist natürlich ein Vorbild für viele ungarische Jugendliche. Er wurde hier bei einem Verein ausgebildet, ging dann nach Österreich und ist nun eins der größte Talente Europas. Es wäre natürlich toll, wenn in naher Zukunft auch Spieler von uns im europäischen Profifußball ankommen würden“, wünscht sich Schneider. Denn eben dieser Neu-Leipziger war es auch, der Ungarn mit einem Last-Minute-Treffer gegen Island zur zweiten EM-Teilnahme in Folge geschossen hat und für einen weiteren Höhepunkt für die frühere Fußballmacht aus Osteuropa gesorgt hat.

Aber nicht nur der ungarische Fußball interessiert den Selmer Ex-Profi. Genauso wichtig sind für ihn die Entwicklungen, die seine deutschen Ex-Vereine Borussia Dortmund und Arminia Bielefeld momentan durchmachen: „Es ist natürlich für mich immer sehr spannend, wie Arminia und Dortmund spielen. Aber auch die Zweite und Dritte Liga schaue ich in Deutschland sehr, sehr gerne. Es wird ein toller Fußball gespielt, der mit Sicherheit ein Vorbild für uns in Budapest sein kann.“

Denn auch in Ungarn ist der deutsche Spitzenfußball schon seit langer Zeit ein Pflichtprogramm auf den Fernsehgeräten. „Ich habe das Gefühl, dass es zwischen Deutschland und Ungarn eine gewisse Freundschaft gibt. Man schätzt sich gegenseitig sehr“, sagt Schneider, der durchaus ein großes Ziel für die Zukunft hat. „Es wäre sehr wichtig für das Land, wenn hier die EM im Sommer vor Zuschauern gespielt werden würde. Das würde nochmal einen echten Boom geben. Sonst wäre es natürlich auch mal schön, wenn eine ungarische Mannschaft wie Ferencváros in der Champions League gegen eine deutsche spielen würde.“

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Gebürtig aus dem wunderschönen Ostwestfalen zog es mich studienbedingt ins Ruhrgebiet. Seit ich in den Kinderschuhen stand, drehte sich mein ganzes Leben um Sport, Sport und Sport. Mittlerweile bin ich hierzulande ansässig geworden und freue mich auf die neuen Herausforderungen in der neuen Umgebung.
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Nico Ebmeier

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