Wie müsste eine Stellenbeschreibung für einen Trainerposten gerade im Amateurfußball aussehen? Er würde sich wohl deutlich von bisherigen Ausschreibungen unterscheiden. © Jens Lukas

Satire: Trainer gesucht! Eine Stellenbeschreibung in der Corona-Pandemie

Euer Verein will Planungssicherheit in unsicheren Zeiten? Mit unserer Stellenbeschreibung findet ihr bestimmt den perfekten Trainer/Krisenmanager. Aber Vorsicht: Kann Spuren von Ironie enthalten.

Planungssicherheit – es war das große Zauberwort, mit dem die Sportverbände im Jahr 2020 reihenweise ihre Saisons abbrachen, als klar war, dass die Corona-Pandemie eine Saison nicht mehr wirklich zuließ. Damit ging eine angefangene Saison halbwegs geregelt zu Ende – natürlich mit einigen tobenden Verlierern, denen aber viele verständnisvolle Stimmen entgegenstanden.

Doch es gab auch Zukunftsaussichten: Klare Regeln für Jugendliche und Erwachsene und eine Perspektive für eine Rückkehr auf die Plätze und in die Hallen. Ein Jahr später sind wir davon weit entfernt. Vor allem fehlt die vielfach heraufbeschworene Planungssicherheit. Die aktuelle Lage verlangt Organisatoren, wenn sie den Sportbetrieb in ihren Vereinen aufrechthalten wollen, derzeit alles ab – wir haben daher die perfekte Stellenausschreibung für Vereine ausgearbeitet, um Hilfe durch neue Trainer zu bekommen:

Übungsleiter gesucht! Das bringst du mit:

Jurastudium: Es wäre schön, wenn wenigstens Du noch verstehst, welche Regeln aktuell gelten. Wir in der Vereinsführung haben den Überblick komplett verloren. Hier ist der Link zur Corona-Schutzverordnung. Bitte aktualisiere den Link alle fünf Minuten und develope mit uns im Team das Wording unseres Hygienekonzeptes. Trainerschein A38: Du hast den Trainerschein A38 erworben? Dann ist Bürokratie für dich ja kein Problem. Dynamische Dokumentationspflicht der Teilnehmergruppen, Monitoring-Tools für negative Corona-Tests, Training nach Voranmeldung – endlich werden dein Issue Management und deine Krisenkommunikation einmal gefordert!

Konzept: Unsere armen Politiker haben einen schweren Job. Verlange daher auch nach 13 Monaten Pandemie bitte kein Konzept von ihnen. Vielleicht bringst du ja eines mit, um der Challenge proaktiv zu begegnen! Es ist verständlich, dass in der Nachbarstadt ganz andere Regeln gelten können als bei uns – und noch andere im benachbarten Bundesland. Alter Leitsatz aus der Mannschaftsbesprechung: Wir gucken nur auf uns!Einen reichen Onkel, der im Sterben liegt: Vereinen wie uns rennen die Mitglieder während Corona weg – eine Finanzspritze würde unsere Kasse echt mal wieder gut tun. Zollstock: Einhaltung von Abstandsregeln ist als Top-Skill aktuell gefragt. Mit deutscher Genauigkeit sorgst du dafür, dass der Mindestabstand immer und überall eingehalten wird.

Wir bieten:Vergütung: Pro Einheit erhältst du eine Aufwandsentschädigung von 3,50 Euro. Davon musst du bezahlen: Corona-Schnelltest (nicht älter als 24 Stunden!), Anfahrt, Telefonkosten und Vereinskleidung – die erste Jacke wird gestellt. Es heißt schließlich Ehrenamt.Flexible Arbeitszeiten: Kurzfristige Öffnungen und Schließungen unserer Sportanlagen sind jederzeit möglich. Strategische Trainingsplanung: Du hast Spaß, deine Trainingspläne jede Woche umzuschmeißen? Denn wegen der ständig angepassten Corona-Schutzverordnung ist es notwendig, jede Einheit mehrmals innovativ neu zu konzipieren – und das lösungsorientiert für unterschiedliche Gruppengrößen. Das ständige Hin und Her hat auch Vorteile: Über einen Langzeittrainingsplan musst du dir keine Gedanken machen.Beliebtheitsgrad wie Astrazeneca: Erlebe die Unverwechselbarkeit von Kindergeschrei und nörgelnden Jugendliche, wann denn endlich wieder Fußball stattfindet, die zum Verein dazu gehören wie Karl Lauterbach zu Corona-Talkshows. Die gute Nachricht: Die interkulturell-pöbelnden Eltern, die an der Bande alles besser wissen als du, stehen gerade hinter dem Zaun – sie dürfen nämlich nicht auf die Sportanlage.

Über den Autor
Redakteur
Sportler durch und durch, der auch für alle Sportarten außerhalb des Fußballs viel übrig hat. Von Hause aus Leichtathlet, mit einer Faszination für Extremsportarten, die er nie ausprobieren würde. Gebürtig aus Schwerte, hat volontiert in Werne, Selm, Münster und Dortmund.
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Sebastian Reith