Der Sportliche Leiter Martin Klingenberg verfolgt mit dem PSV Bork eine klare Philosophie. © Sebastian Reith
Fußball

PSV Bork bietet seinen jungen Spielern etwas Wichtigeres als Geld

Der PSV Bork hat einen neuen Weg eingeschlagen. Diesen will der B-Ligist konsequent gehen. Bislang klappt das aus mehreren Gründen gut. Welche Nachteile gibt es aber dabei?

Es ist gar nicht so lange her, da setzte der PSV Bork noch auf etablierte Kräfte. Mittlerweile heißt es aber „Jugend forscht“ beim Fußball-B-Ligisten. Beim PSV hat ein Wandel eingesetzt – nicht nur was das Alter der Mannschaft angeht, sondern auch ganz grundsätzlicher Natur.

Der PSV Bork setzt voll auf die Jugend. „Das ist unsere Philosophie“, sagt Martin Klingenberg, Sportlicher Leiter an der Waltroper Straße. „Wir haben uns auf die Fahnen geschrieben, die Jugend im Seniorenbereich zu integrieren.“

Das gelang zuletzt außerordentlich gut. „In der letzten Saison hatten wir einen Altersschnitt von 29 Jahren“, berichtet PSV-Trainer Sanmi Ojo. „Nach der Vorbereitung ist der auf 24 Jahre gesunken.“

PSV Bork ist durchgängig besetzt

Was steckt dahinter? Eine eindeutige Antwort darauf gibt es so nicht. Es ist vielmehr ein Geflecht aus mehreren Gründen, die dafür verantwortlich sind. Ein erster Grund ist, dass der PSV Bork durchgängig alle Jugendmannschaften besetzt hat. „Die Spieler nehmen so schon früh am Vereinsleben teil“, aus der sich eine Verbindung zum Klub ergebe, meint Klingenberg.

Diese Bindung ist so stark, dass selbst Jugendspieler nicht der Verlockung des Geldes erliegen würden, wenn diese in den Seniorenbereich wechseln. Der PSV Bork zahlt laut Klingenberg jedenfalls kein Geld – nicht mal Entschädigungen für Benzin.

Und trotzdem halten viele Spieler dem PSV die Treue. Der Klub hat etwas zu bieten, das wichtiger sein dürfte, als kurzfristig Geld einzustreichen. Denn in Bork können sich die Spieler in Ruhe entwickeln. Hier bekommen sie die Chance, sich im Seniorenbereich zu entwickeln, wofür der gesunkene Altersschnitt ein klares Indiz ist.

PSV-Trainer Sanmi Ojo arbeite gerne mit jungen Spielern zusammen.
PSV-Trainer Sanmi Ojo arbeite gerne mit jungen Spielern zusammen. © Jura Weitzel © Jura Weitzel

Die klare Linie des Vereins findet auch Zuspruch beim Trainer der Ersten. „Diese Philosophie finde ich gut“, meint Ojo. „Wir haben Fußballer, die sicher auch noch den ein oder anderen Euro bei anderen Vereinen verdienen könnten. Sie bleiben aber trotzdem bei uns, weil sie viel davon halten, was wir tun.“ Das gelte für junge wie erfahrene Spieler gleichermaßen.

Gleichzeitig betont der Spielertrainer, dass der Mix entscheidend sei, auch wenn er extrem gerne mit jungen Spielern arbeite: „Man brauch schon drei, vier, fünf Platzhirsche, aber auch eben auch viele junge Spieler.“

Maik Küchler will die jungen Spieler führen

Einer, der zu den Platzhirschen zählt, ist Maik Küchler. Er gehört zum Kreis der Führungsspieler, die bereits die Kapitänsbinde trugen. Der 30-Jährige sieht sich ebenfalls in der Verantwortung, seine Erfahrungen an seine jüngeren Teamkollegen weiterzugeben.

Aus seiner eigenen Vergangenheit weiß der Polizeibeamte, dass das nicht immer klappt: „Als junger Spieler habe ich auch öfter gedacht: ‚Was will der Alte mir denn erzählen?‘“, so Küchler, „aber rückblickend war da einiges, was ich mitgenommen habe und das mir geholfen hat. Ich hoffe daher, dass die jungen Spieler das auch machen. Wenn zwei von zehn Sachen hängen bleiben, wäre das für den Anfang nicht schlecht.“

Trainer Ojo erzählt er habe ähnliche Erfahrungen gemacht: „Als ich aus der Jugend hochgekommen bin, habe ich schon manchmal gedacht: ‚Was will der Trainer denn jetzt von mir?‘ Zum Glück hat es irgendwann ‚Klick‘ gemacht und heute denke ich, dass er mit vielen Sachen doch recht hatte.“

Was Ojo allerdings beobachtet, ist, dass sich der Umgang bei Neu-Seniorenspielern gegenüber gestandenen Mannschaftsmitglieder verändert habe. „Die Spieler lassen sich heute nicht mehr so viel sagen wie früher. Die Jungs sind manchmal etwas dünnhäutig. Wenn wir früher große Fresse hatten, haben wir im Training direkt eine Grätsche kassiert.“ Grundsätzlich freue er sich aber, da seine Mannschaft wissbegierig sei.

PSV Bork gewinnt sogar hinzu

Hat die Jugendarbeit in Bork aber nicht eine Kehrseite? Bildet der Verein nicht vielleicht Spieler für andere Klubs aus? Martin Klingenberg verneint das klar: „Wir hatten auch jetzt wieder Jugendspieler mit höherklassigen Angeboten, die sich trotzdem für uns entschieden haben.“ Das Gegenteil sei der Fall: „Wir geben keine Spieler ab, sondern bekommen sogar noch Jugendspieler hinzu, weil die Jungs mitbekommen, was in Bork passiert“, so der Sportliche Leiter.

Der PSV scheint seinen Weg gefunden zu haben. Klingenberg bestätigt das: „Die Jugendarbeit ist bei uns ein Riesen-Prunkstück.“

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Ist zum Studium ins Ruhrgebiet immigriert - und geblieben. Vielseitig interessiert mit einer Schwäche für Geschichten aus dem Sport, von vor Ort und mit historischem Bezug.
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Matthias Henkel

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