Unsere Autoren diskutieren, wie sinnvoll ein „VAR light“ am Amateursportplatz tatsächlich ist. © picture alliance/dpa
Fußball

Pro und Kontra: Kreisliga-Videobeweis macht den Sport fairer? Nein, ihr macht unseren Sport kaputt!

Unsere Autoren David Döring und Nico Ebmeier haben diskutiert: Kann ein Videobeweis auch in der Kreisliga Erfolg haben? Dabei scheint besonders eine gut durchdachte Umsetzung entscheidend zu sein.

Es war eine Idee, die überraschender kaum hätte sein können. Die FIFA berät aktuell über einen Einsatz des Videobeweises an den Amateursportplätzen. Der „VAR light“ soll sogar in der Kreisliga C eingesetzt werden, heißt es in der Pressemitteilung des Verbands. Auch in unserer Redaktion sind die Meinungen gespalten. Ein Pro und Kontra zur aktuellen Debatte

RN-Mitarbeiter Nico Ebmeier – Es macht den Fußball einfach fairer!

Zunächst einmal verstehe ich jeden Fußballer, der an dieser Stelle sagt, dass ihm ein Videobeweis die letzte Emotion am Sport raubt. Auch ich bin mittlerweile soweit, dass ich mich bei einem Treffer in der Bundesliga gar nicht mehr so richtig freue, da die Chance auf eine nicht gesehene Abseitsstellung oder ein mögliches Handspiel groß ist. Aber genau das ist der Punkt, den der Videobeweis doch verbessern soll. Er möchte den Fußball fairer machen.

Ich erinnere nur an die „Hand Gottes“ des kürzlich verstorbenen Maradonas oder an das „Phantomtor“ von Stefan Kießling. Wie würde es uns gefallen, wenn dies bei einem entscheidenden Spiel in der Kreisliga A passieren würde? Gar nicht. Oder sogar noch mehr: Es würde uns wohl zur Weißglut bringen. In solchen Momenten wäre der „VAR light“ eine perfekte Möglichkeit, Klarheit in eine undurchsichtige Situation zu bringen.

Klar, der finanzielle Aspekt ist durchaus wichtig und darf nicht unterschätzt werden. In Bayern aber beispielsweise bekommen die Vereine die Kameras vom Verband gestellt und müssen nur einen niedrigen zweitstelligen monatlichen Mietpreis bezahlen – dann kostet es tatsächlich nur wenig für einen Vereinen und kann in allen Mannschaften bis in die Kreisliga C benutzt werden.

Genauso wichtig ist aber auch, dass der Einsatz des Videobeweises gut bedacht wird. Es darf auf gar keinen Fall jede strittige Szene betrachtet werden, weil dann ein Fußballspiel tatsächlich die Mitternachtsgrenze knacken könnte. Viel mehr denke ich dabei an eine oder zwei mögliche Überprüfungen, die ein Trainer nach dem Vorbild American Football pro Spiel beantragen kann. Jeder Trainer darf maximal zwei Situationen pro Spiel überprüfen und dann auch nur, wenn es sich dabei um ein Tor, eine Tätlichkeit oder einen Elfmeter handelt – mehr nicht.

RN-Redakteur David Nicolas Döring – Ihr macht unseren Sport kaputt!

Vor der Corona-Pandemie gehörte der Gang ins Stadion für mich dazu. Ich bin Dauerkartenbesitzer, liebe die ausgelassene Stimmung, das Vibrieren der Trommeln, das Springen, während unter einem die Tribüne bebt. Steh ich im Block, werden so gut wie alle Lieder mitgesungen. Eine Ausnahme gibt es aber, wenn „Ihr macht unseren Sport kaputt!“ angestimmt wird.

Meist wird der Gesang dann losgelassen, wenn der Videobeweis im Einsatz ist. Ich singe nicht mit, weil ich den Videobeweis im Profi-Fußball befürworte. Natürlich nicht bedingungslos, weil viele Entscheidungen kritisch betrachtet werden müssen, wenn es um Foul- oder Handspielsituationen geht, aber grundsätzlich macht das Tool den Fußball fairer. Er raubt dem Spiel natürlich Emotionen, aber der oben beschriebene Gesang um das Tool und auch die Verbände zu kritisieren, passt meist nicht damit zusammen, wenn wenige Sekunden später über die Entscheidung gejubelt wird, die es nur durch den Videobeweis gegeben hat.

Ganz anders sähe es im Amateurbereich aus. Dort würde ich mich sofort mit den wenigen Fanszenen verbünden, die sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auch gegen das Tool im Amateurbereich aussprechen würden. Der Amateursport lebt davon, dass nicht alles perfekt läuft, das es zu kuriosen Situationen kommt, Entscheidungen getroffen werden, wo wir uns die Hände fassungslos gegen die Schläfen pressen.

Und was definitiv gegen ein „VAR light“ spricht: Im Profi-Bereich gibt es so viele streitbare Entscheidungen trotz des Videobeweises – wie soll das dann bei den Amateuren aussehen? Die jetzigen Kamera-Systeme weisen teils starke Probleme auf bei der Ballverfolgung und sind von feinster Ballqualität noch weit entfernt. Ich bin mir sicher: Ein Amateur-Videobeweis würde mehr Probleme als Lösungen mit sich bringen. Und ich würde dann wohl auch an der Seitenlinie stehen und mitsingen: „Ihr macht unseren Sport kaputt!“ Bei meinen Gesangskünsten wohl ein weiteres Problem.

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Gebürtig aus dem wunderschönen Ostwestfalen zog es mich studienbedingt ins Ruhrgebiet. Seit ich in den Kinderschuhen stand, drehte sich mein ganzes Leben um Sport, Sport und Sport. Mittlerweile bin ich hierzulande ansässig geworden und freue mich auf die neuen Herausforderungen in der neuen Umgebung.
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Journalismus ist meine Passion. Seit 2017 im Einsatz für Lensing Media. Immer auf der Suche nach Hintergründen, spannenden Themen und Geschichten von Menschen.
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