Spielerberater gehören im Profibereich zum Alltag, doch auch im Amateurbereich findet das Modell bereits vermehrt Anwendung. © dpa
Meinung

Pro und Contra: Braucht der Amateurfußball das Modell Spielerberater?

Immer häufiger treten bei Vereinswechseln im Amateurbereich offizielle Spielerberater in Erscheinung. Doch ist dieses Vorgehen sinnvoll oder doch eher überzogen? Wir diskutieren

Im Profibereich Alltag, im Amateurbereich auf dem Vormarsch – Spielerberater rücken auch in unteren Ligen zunehmend in den Vordergrund. Das wirft allerdings die Frage auf, ob Vereine und insbesondere Spieler auch schon im Amateurbereich von diesem Konstrukt profitieren oder es eher ein Ergebnis zwanghafter Professionalisierung ist. Wir fragen daher: Braucht der Amateurfußball das Modell Spielerberater?

Pro: Spielerberater im Amateurbereich sind absolut legitim

Spielerberater im Amateurbereich sind eher die Ausnahme als die Regel. Trotzdem genießen sie auch unterhalb der Regionalliga keinen Ruf. Warum eigentlich? Schließlich ist es aus Sicht von Spielern legitim, sich bestmöglich vertreten zu lassen. Spielerberater können da nützlich sein. Häufig haben sie große Netzwerke und können so helfen, den richtigen Klub für ihre Klienten zu finden.

Zu sagen, Spielerberater seien generell nur am eigenen Profit interessiert, ist reine Polemik. Natürlich gibt es überall Negativbeispiele, aber sie sind genau das: Einzelfälle. Hier alle Berater in einen Topf zu werfen, ist schlicht falsch.

Umgekehrt können auch Spieler davor geschützt werden, dass Vereine – und auch diese sind die Ausnahme – ihnen Angebote machen, die nicht nur unvorteilhaft, sondern sogar unfair sind. Wie sollen vor allem junge Spieler wissen, ob das Angebot des Vereins wirklich ein annehmbares ist?

Auch Vereine können von Spielerberatern profitieren

In Spielerberatern nur Negatives oder Hinderliches zu sehen, ist aus Vereinssicht im Übrigen viel zu kurz gedacht und geht erneut in Richtung Polemik. Schließlich arbeiten viele Spielerberater mit mehreren Fußballern zusammen. Sucht ein Verein einen Spieler für eine Position, kann dieser sich an den Berater wenden. Die Klubs profitieren also ebenfalls vom Netzwerk der Berater.

Und ob Vereine auf Forderungen von Spielern eingehen, ist am Ende Sache der Klubs. Da ist es auch egal, ob sie mit den Spielern selbst oder dessen Beratern sprechen – zumal Vereine souverän genug sein sollten, um auch mit Beratern umgehen zu können.

Von Matthias Henkel

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Contra: Im Amateurbereich ist so ein Vorgehen gänzlich überflüssig

Spielerberater im Amateurfußball – das klingt von vorneherein wie eine verwegene Vorstellung. Aber was ist denn die Aufgabe eines Spielerberaters? Wie es der Begriff schon unmissverständlich ausdrückt, geht es darum, den Spieler in seiner Entscheidungsfindung zu beraten.

Im Profibereich sind solche Konstrukte vollkommen legitim, ja sogar notwendig. Dort geht es um hohe Summen, ganze Existenzen und berufliche Laufbahnen. Davon ist der Amateurfußball meilenweit entfernt.

So klischeebehaftet und von Polemik begleitet das Image des Spielerberaters auch sein mag – ein gewisses Maß an Wahrheit kann nicht geleugnet werden. Eine Beratung erhält auch ein Amateurfußballer keinesfalls kostenlos, schließlich muss auch der Berater wirtschaftlich arbeiten. Bei den Summen, die unterhalb der Oberliga allerdings gehandelt werden, kann die Beschäftigung eines eigenen Beraters keine gewinnbringende Maßnahme sein.

Konkurrenzmodelle sind nicht vergleichbar

Hinzu kommt, dass das Konkurrenzmodell im Amateurfußball keinesfalls mit dem der Profis zu vergleichen ist. Während die Vereinsdichte in höheren Ligen deutlich niedriger ist, potenzielle Arbeitgeber also rar gesät sind, bleibt dem Amateurfußballer im Zweifel eine große Auswahl möglicher Klubs auf einem vergleichbaren Niveau. Das Argument, dass Berater den Spielern somit neue Türen öffnen, kann in diesem Fall also nur äußerst bedingt angewendet werden.

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass längst nicht alle Bestrebungen des Profifußballs in den Amateurbereich übertragen werden können – und vor allem sollten. Auch wenn das bedeutet, dass sich die beiden Bereiche voneinander entfernen.

Von Marius Paul

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Ist zum Studium ins Ruhrgebiet immigriert - und geblieben. Vielseitig interessiert mit einer Schwäche für Geschichten aus dem Sport, von vor Ort und mit historischem Bezug.
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Matthias Henkel
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Vor einiger Zeit aus dem Osnabrücker Land nach Dortmund gezogen und seit 2019 bei Lensing Media. Für die Ruhr Nachrichten anfangs in Dortmund unterwegs und jetzt in der Sportredaktion Lünen tätig – mit dem Fußball als große Leidenschaft.
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