Fußballkreis-Chef Michael Allery sagt, der DFB brauche einen neuen, jungen Präsidenten. © cg

Nach Nazi-Vergleich – Unna/Hamms Fußball-Boss: „Mit Keller-Rücktritt wäre die Krise nicht gelöst“

Viele fordern den Rücktritt von DFB-Präsident Fritz Keller nach dessen verbaler Entgleisung. Damit wäre die Führungskrise beim DFB allerdings nicht behoben, glaubt Michael Allery.

Die Stimmen werden lauter, die Fritz Keller einen Rücktritt vom Amt des DFB-Präsidenten nahelegen. Den Spitzenvertretern des Amateurfußballs in Deutschland haben sich mitunter auch die heimischen Funktionäre der lokalen Klubs angeschlossen. Kellers Nazi-Vergleich in Richtung Vize Rainer Koch – so sind sich alle einig – war eine verbale Entgleisung, die in ihrer Konsequenz nur Kellers Rücktritt bedeuten kann.

Michael Allery ist der Vorsitzende des Fußballkreises Unna/Hamm. Im Gespräch mit der Sportredaktion sagt auch er, dass er sich vorstellen kann, dass Keller demnächst seinen Rücktritt anbieten werde. Die Lösung aller Probleme sähe er in einem solchen Schritt aber nicht.

Keller kann seinen Rücktritt auch verweigern

„Als Fritz Keller 2019 beim DFB anfing, war er ein Mann für die Amateure“, führt Allery aus, „aber seine jetzigen Aussagen in der Präsidial-Ausschusssitzung waren völlig daneben. Das kann man nur missbilligen.“ Keller soll den DFB-Vizepräsidenten Rainer Koch in dieser Sitzung vor Kurzem einen „Freisler“ genannt haben. Roland Freisler war als Präsident des Volksgerichtshofs in der NS-Zeit für Tausende Todesurteile verantwortlich.

Hat nach seiner verbalen Entgleisung um Bedenkzeit gebeten: DFB-Präsident Fritz Keller.
Hat nach seiner verbalen Entgleisung um Bedenkzeit gebeten: DFB-Präsident Fritz Keller. © dpa © dpa

Allery weiter: „Aufgrund dieses unverständlichen Vergleichs ist es nur folgerichtig, dass Keller nun das Vertrauen entzogen wurde. Was er letztlich draus macht, kann ich als kleiner Kreisvorsitzender natürlich nicht sagen. Er kann seinen Rücktritt ja auch verweigern.“

Früher brauchte es eine Lichtgestalt, heute junges Blut – Lahm für Allery ein Kandidat

Trotzdem glaubt Allery nicht daran, dass Keller weiter im Amt bleibt: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass er bleibt. Aber angenommen, er tritt zurück – damit wird die Führungskrise auf höchster Ebene beim DFB nicht automatisch gelöst sein.“ Wichtig wird es sein, im Falle eines Keller-Rücktritts einen passenden Nachfolger zu finden.

Doch wer könnte den DFB aus seiner tiefen Krise führen? Michael Allery hat ein paar Ideen im Kopf: „Früher hätte man gesagt, für den Posten braucht es eine Lichtgestalt – jemand wie Franz Beckenbauer.“ Der kommt für Allery nun nicht mehr in Frage. Er meint: „Für den Posten braucht es jüngeres Blut – jemanden mit anderen Ideen, der von der ganzen DFB-Interna der letzten Jahre nicht vorbelastet ist. Philipp Lahm wurde ja immer mal wieder ins Gespräch gebracht. Er ist ein Sympathieträger und wäre für den Posten nicht verkehrt.“

Über den Autor
Volontär
Jahrgang 1992. Geboren und aufgewachsen in Unna. Kennt den Kreis Unna wie seine Westentasche, hat in seinem Leben aber noch nie eine Weste getragen. Wollte schon als Kind Sportreporter werden und schreibt seit 2019 für Lensing Media über lokale Themen - auch über die Kreisgrenzen hinaus.
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Marcel Schürmann

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