Fußballer am Boden: Würde die Anzahl der Verletzungen wirklich explodieren, wenn die Saison nach verkürzter Vorbereitung wieder aufgenommen werden würde? © Timo Janisch
Fußball

Kürzere Vorbereitung? Athletiktrainer wird deutlich: Es drohen nicht nur Sportverletzungen

Vereinzelt kommen Stimmen auf, man könne die Saison im Amateurfußball mit einer verkürzten Vorbereitung noch retten. Ein Athletiktrainer aus einem Nachwuchsleistungszentrum erteilt dem eine Absage.

Vier Wochen sollten die Teams im Fall der Fälle Vorbereitungszeit erhalten, bevor die Saison im Amateurfußball fortgesetzt wird. So hatte es der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) immer kommuniziert. Wäre eine kürzere Vorbereitung vor dem Re-Start der Ligen aus sportmedizinischer Sicht überhaupt denkbar?

„Mit der gesamten Mannschaft und mit Kontakt“ sollten alle Mannschaft mindestens vier Wochen trainieren können, ehe die Wettbewerbe des FLVW wieder starten. Inzwischen scheint eine Fortsetzung der Saison 2020/2021 sehr unwahrscheinlich. Vereinzelt kamen daher Stimmen auf, man könne die Vorbereitung doch einfach verkürzen.

Björn Kadlubowski erteilt der Idee eine Absage

Doch wäre eine kürzere Vorbereitung sportmedizinisch verantwortbar? Björn Kadlubowski, Fußballer bei Bezirksligist BW Alstedde und Athletiktrainer im Nachwuchsleistungszentrum von Arminia Bielefeld, erteilt dem eine klare Absage.

Björn Kadlubowski (l.) ist Fußballer bei BW Alstedde und Athletiktrainer im Nachwuchsleistungszentrum von Arminia Bielefeld. © Timo Janisch © Timo Janisch

Aber der Reihe nach. Schon eine vierwöchige Trainingsphase vor dem Re-Start der Meisterschaft wäre laut Kadlubowski zu kurz. „Vier Wochen nach der langen Zeit – auf keinen Fall“, so Kadlubowski.

Problematisch seien vor allem die „sportartspezifischen Bewegungen“, sagt der Athletiktrainer. Eine gewisse Grundlagenausdauer sei zwar bei den meisten Amateurfußballern vorhanden, etwa durch regelmäßiges Joggen.

Doch bereitet ein solches, eigenständiges Training einen Sportler nicht auf die für den Fußball typischen, kurzen und immer wieder auftretenden Belastungen vor, so Kadlubowski. Damit meint er vor allem: passen, schießen und andere explosive Bewegungen.

Deswegen sei es ratsam, bei einem möglichen Wiedereinstieg ins Training – wann auch immer das sein wird – zunächst in einem geringeren Volumen als üblich zu trainieren. Zwar könne man direkt einigermaßen intensiv trainieren, allerdings müsse der Umfang Stück für Stück auf die für den Fußball üblichen 90 Minuten erhöht werden.

Die Folgen bei einer gewöhnlicheren Trainingssteuerung wären laut dem 29-Jährigen vor allem muskuläre Verletzungen: Zerrungen, Faserrisse, Adduktorenprobleme. „Am schlimmsten wäre es, wenn man direkt Trainingseinheiten von 60 Minuten plus ansetzt“, so Kadlubowski. Stattdessen eignen sich durchschnittlich intensive, aber in der Summe kurze Kleinfeldspiele zum Wiedereinstieg.

Bei einer verkürzten Vorbereitung von nur zwei Wochen seien die Folgen noch drastischer. Den Amateursportler könnte ein „kompletter Zusammenbruch“, wie Kadlubowski es bezeichnet, ereilen.

Konzentrationsstörungen denkbar für Björn Kadlubowski

Neben den erwähnten möglichen Verletzungen könnten dann im Wettbewerbsbetrieb auch Konzentrationsstörungen durch Herzkreislauferkrankungen auftreten oder akute Verletzungen wie Bänderrisse.

Weniger schlimm wären laut dem BWA-Akteur dagegen Englische Wochen. „Das wäre für den Körper zu adaptieren“, so Kadlubowski. Die zusätzlichen Spiele würden nach ausreichender Vorbereitung einfach die Rolle von Trainingseinheiten in Spielform übernehmen, die zum Erreichen einer Spielfitness eben notwendig seien. Doch genau auf solche Englische Wochen will der FLVW verzichten.

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Amateursportler bewegen vielleicht weniger Menschen als die Profis, dafür aber umso intensiver. Sie schreiben die besseren Geschichten - vor allem im Ruhrgebiet. Diese zu erkennen und aufzuschreiben, darum arbeite ich seit 2017 für Lensing Media. Darüber hinaus Handballtrainer im Jugendbereich. Gebürtig aus Lünen.
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