Dürfen die Amateursportler für Traningszwecke bald wieder auf die Plätze? © Jens Lukas
Amateursport

Ist Training bald wieder erlaubt? Sportausschuss im Bundestag macht zarte Hoffnung

Wann dürfen Amateursportler wieder trainieren? Schon im Februar oder März - oder doch erst deutlich später? Die Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag macht leichte Hoffnung.

Seit Ende Oktober sind Amateursportler dazu verdonnert, eine Pause einzulegen. Die aktuell geltenden Corona-Maßnahmen verbieten derzeit sowohl den Trainings- als auch den Spielbetrieb der Amateure. Sofern die Corona-Zahlen nicht weiter sinken, hält dieser Zustand weiter an. Die stufenweise Öffnung des Sports soll bei der nächsten Ministerpräsidentenkonferenz (10. Februar) zur Corona-Pandemie zum Thema werden. Die Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag macht leichte Hoffnung auf eine Öffnung des Sports.

Dagmar Freitag hat auf der weltgrößten Online-Sportmesse ISPO zarte Hoffnungen auf eine stufenweise Öffnung des Breitensport- und Fitness-Sektors geweckt. „Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil will mit einem entsprechenden Vorschlag in die nächste Runde der Ministerpräsidentenkonferenz gehen“, erklärte die Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag in der Panel-Diskussion über die sozialpolitische Relevanz von Bewegung. Bund und Länder wollen am 10. Februar über die Verlängerung des derzeit bestehenden Corona-Lockdowns diskutieren.

Sport-Öffnung erst, wenn die Corona-Zahlen sinken

Ob ab Mitte Februar tatsächlich wieder öffentliche Sportangebote möglich sein werden, erscheint jedoch eher fraglich. Freitag verwies darauf, dass für die Politik der Gesundheitsschutz der Menschen weiter im Mittelpunkt stehen werde. Zusätzliche Unsicherheit würde durch die Corona-Mutationen aus Südafrika und Großbritannien entstehen: „Man weiß nicht sicher, ob die Impfstoffe dagegen wirken. Wichtig ist, dass jetzt alle vorsichtig bleiben und die Spielregeln einhalten. Je niedriger die Zahlen sind, desto eher wird Sporttreiben wieder möglich sein.“

Freitag setzt sich für Sport-Kampagne ein

Die SPD-Politikern verwies auf „sehr gute Konzepte“ in Fitnessstudios und Vereinen in Sachen Hygiene, die schnell umgesetzt werden könnten. Und kündigte an, dass sie sich für eine große Kampagne des Gesundheitsministeriums einsetzen werde, wenn das Ende der Pandemie absehbar sei: „Für Vereine und Fitnessstudios. Damit den Menschen wieder bewusst wird, wie wichtig der Zugang zum Sport ist.“

Genau dieses Thema spielt nämlich derzeit in der politischen Diskussion fast keine Rolle, weil alles vom Corona-Thema überlagert wird. „Sport ist keine Virenschleuder. Wir müssen beides schaffen: Gesundheitsschutz auf der einen Seite, aber auch die Menschen mit Sport durch die Pandemie bringen“, forderte Ralph Scholz als Präsident des Deutschen Industrieverbandes für Fitness und Gesundheit (DIFG).

Die Auswirkungen des Lockdowns auf den Sport-Sektor sind nämlich verheerend. Etwa 30 Prozent der Fitnessstudios kämpfen um die Existenz, die Vereine beklagen Mitgliederverluste von Zehntausenden Sporttreibenden. Betroffen davon sind alle Altersgruppen – von den Kindern bis zu den Senioren.

„Laut der WHO sterben jährlich 1,2 Millionen Menschen an Bewegungsmangel. Diabetes ist nur mit Bewegung zu bekämpfen. Pflegebedürftigkeit kann verhindert werden, wenn die muskulären Fähigkeiten und die Mobilität erhalten bleiben. Auch die Entwicklungsfortschritte von Kindern hängen davon ab“, beschrieb Prof. Ingo Froböse.

Sport auch sozial und mental wichtig

Der renommierte Sport- und Präventionsexperte an der Deutschen Sporthochschule Köln hatte in einem Exklusivinterview mit ISPO.com zuvor beklagt, dass man in der momentanen Situation „die Kranken der Zukunft“ produziere. Sport, so fügte Dr. Michaela Werkmann als Vizepräsidentin des Deutscher Turnerbundes hinzu, sei neben der körperlichen Gesundheit auch „sozial und mental enorm wichtig.“ Dass man damit auch sein Immunsystem stärkt und fitter in eine mögliche Corona-Erkrankung geht, spielt in der derzeitigen Diskussion kaum eine Rolle.

Ralph Scholz unterstrich, dass virtuelle Home-Fitnessangebote in der derzeitigen Situation zwar wichtig seien, aber das Sporttreiben im Studio nicht ersetzen könnten: „Damit erreicht man die breite Masse nur bedingt.“ 85 Prozent der deutschen Bevölkerung betreiben Sport selten oder nie. Um diese wichtige Zielgruppe zu erreichen, benötigt man laut Froböse individuell zugeschnittene Angebote in der Realität.

Sport: So könnte die Öffnung aussehen

Der Sport-Professor skizzierte in der Panel-Diskussion auch, wie eine schrittweise Öffnung des Sport- und Fitness-Bereichs ausschauen könnte: „Im ersten Schritt könnte man individuell unter Anleitung trainieren. Im zweiten dann wieder unter Anleitung in der Gruppe. Bis wir schließlich wieder zum herkömmlichen Sporttreiben kommen.“ Speziell im Outdoor-Bereich sei Schritt 1 schon jetzt umsetzbar.

Die Hoffnung, dass es zu einer in Deutschland einheitlichen Lösung in Sachen Sport-Öffnung komme, sieht Dagmar Freitag allerdings als klein an: „Das wird von Bundesland zu Bundesland entschieden und dann sprechen auch noch die örtlichen Gesundheitsämter mit.“ Wie groß die Sehnsucht nach „normalem Sport“ ist, zeigen die Online-Meetings der Politikerin mit Vereinen und Fitnessstudios: Daran nehmen im Schnitt zwischen 50 und 100 Menschen teil. Nur, um über Sport zu reden…

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