Wie geht es im Amateurfußball weiter? © Jens Lukas
Amateurfußball

Hoffnung für Amateurfußball? Politik und Landessportbund erklären, wovon Lockerungen abhängen

Die Bund-Länder-Runde trifft sich am Mittwoch, um über weitere Corona-Maßnahmen zu diskutieren. Profitiert davon dieses Mal der Sport? Das Land NRW und der Landessportbund geben eine Tendenz ab.

Geht es weiter? Wenn ja, wann? Und vor allem wie? Die Amateur- und Breitensportler warten seit Monaten auf Antworten seitens der Politik. Seit Ende Oktober sind sie zu verdammt, zuzuschauen. Der zweite Corona-Lockdown hat den Trainings- und Spielbetrieb in der gesamten Bundesrepublik stillgelegt. Am Mittwoch folgt die nächste Ministerpräsidentenkonferenz. Vorab hat bereits die niedersächsische Landesregierung gemeinsam mit dem Landessportbund Niedersachsen ein vorsichtiges Lockerungskonzept mit konkreten Daten erstellt. Funktioniert das auch in NRW? Wir haben nachgefragt.

Die niedersächsische Landesregierung hat gemeinsam mit dem Landessportbund Niedersachsen konkrete Gespräche über eine stufenweise Lockerung für den Amateursport geführt. Das berichtet der Kicker. So soll mit einer inzidenzbasierten Strategie der „Stufenplan 2.0“ durchgesetzt werden. Teil dessen solle auch der Sport sein.

Gleich drei konkrete Termine seien dabei in Niedersachsen zunächst einmal angedacht. Ab dem 27. März sollen draußen, sofern es die pandemischen Umstände denn zulassen, Sportarten ohne Kontakt wieder gestattet sein. Ab 22. Juli solle Sport ohne Kontakt auch in geschlossenen Räumen wieder erlaubt sein. Abschließend solle dann die Rückkehr zum Kontaktsport und zum gewohnten Spielbetrieb erfolgen. Das solle ab dem 23. Juli geschehen. So weit, so konkret.

Der niedersächsische Fußballverband (NFV), der auf eine frühere Öffnung für den Amateurfußball pocht, kann sich mit diesen Planungen nicht anfreunden. Wie der Kicker berichtet, übte vor allem NFV-Präsident Günter Distelrath in seiner Rede deutliche Kritik.

NFB lehnt LSB-Vorschlag ab

„Zu diesem Zeitplan des LSB, der für uns weder plausibel noch akzeptabel ist, sagen wir in aller Deutlichkeit nur ein Wort. Und dieses heißt: Nein. Wir sagen Nein, dass erst ab dem 23. Juli im Mannschaftssport die Rückkehr zum gewohnten Sportbetrieb möglich sein soll. Zudem erinnerte Distelrath daran, welche „ungemein wichtige Kraft“ der Fußball sei, um die Gesellschaft zusammenzuhalten. „Eine Kraft, die unser Land mehr denn je braucht“, wird Distelrath zitiert.

Der NFV fordere daher einen früheren Wiederbeginn von Training und Wettkampfsport ein, sofern es der Inzidenzwert denn zulasse. „Konkret bedeutet dies einen Wiederbeginn von Trainingsmöglichkeiten in festen Gruppen im Verein ab März und einen Beginn von Wettkampfsport in Gruppenstärke von bis zu 50 Personen ab April“, heißt es im Kicker.

Und was bedeuten diese Pläne nun für Nordrhein-Westfalen? Einen Tag vor der heiß erwarteten Bund-Länder-Runde mit Kanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten hat unsere Redaktion bei der Staatskanzlei NRW sowie beim LSB Nordrhein-Westfalen nachgefragt, was sie von den Überlegungen Niedersachsens halten.

Enger Austausch zwischen Land und LSB

Die Pressestelle der Staatskanzlei bestätigt, dass es zwischen dem LSB und dem Land bereits Gespräche bezüglich der aktuellen Situation gegeben habe. „Die Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen hat im Rahmen des jährlich stattfindenden Jahresgespräches Anfang Februar mit dem Landessportbund Nordrhein-Westfalen auch über die aktuelle Situation der Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen auf den Sport gesprochen“, schreibt die Pressestelle.

Auch der LSB bestätigt den Austausch mit dem Land. „Ja, wir stehen mit der Landesregierung auch zu diesem Thema in gewohnt engem Austausch und haben vor kurzem in der Staatskanzlei ein einfaches, landesweit umsetzbares Stufenmodell zur Öffnung des Sportbetriebs vorgestellt. Konkret zeigen wir darin auf, wie – jeweils in Abhängigkeit von den Inzidenzwerten – für unsere 18.100 NRW-Sportvereine in insgesamt fünf Schritten der Weg vom Sport- und Trainingsbetrieb draußen mit Einhaltung der Abstandsregeln in Stufe 1 bis zur Rückkehr zum erhofften „Normalbetrieb“ drinnen und draußen in Stufe 5 gelingen könnte“, teilt der LSB mit.

Zu den konkreten Terminplänen Niedersachsens zur stufenweisen Öffnung verweist die Pressestelle des Landes auf das Infektionsschutzgesetz: „Aufgrund der nicht vorhersehbaren dynamischen Entwicklung der Pandemie sind Überlegungen zu Lockerungen für den Sportbetrieb an den übergeordneten Maßgaben des Infektionsschutzes und des erforderlichen Gesundheitsschutzes zu orientieren“, so die Pressestelle der Staatskanzlei, die jedoch betone, dass der Inzidenzwert für Öffnungen mitentscheidend sei.

Konkrete Prognosen machen wenig Sinn – sagt der LSB

Der LSB weist auch daraufhin, dass aufgrund der vergangenen Monate konkrete Prognosen wenig Sinn machen. „Wir setzen auf eine Orientierung an Inzidenzwerten und gegebenenfalls weiteren messbaren Kriterien, die von der Politik vorzugeben sind. Für NRW liegt ja zum Beispiel ein konkreter Vorschlag des stellvertretenden Ministerpräsidenten und Familienministers Joachim Stamp vor. An eine solche politische Vorgabe können wir mit unserem Stufenmodell anknüpfen. Von besonderer Bedeutung ist für uns, dass wir ein einheitliches Vorgehen für den Kinder- und Jugendsport in Kitas, Schulen und Sportvereinen schaffen und dass die Regeln für den Sport in der Corona-Schutzverordnung einfach und unmissverständlich formuliert werden“, heißt es vonseiten des LSB.

Sehr deutlich äußerte sich die Staatskanzlei hingegen zur Priorität des Breitensports. „Der Breitensport spielt eine wichtige Rolle in den aktuellen Diskussionen zur Corona-Pandemie. Die Sportministerkonferenz der Länder hat gerade einen Beschluss gefasst und diesen der Ministerpräsidentenkonferenz für die weiteren anstehenden Beratungen zugeleitet. Dort wird kontrolliertes, stufenweises Vorgehen zur vollumfänglichen Wiederaufnahme des Sportbetriebs im Einklang mit den Zielen des Gesundheitsschutzes unter Berücksichtigung der übergeordneten Maßgaben des Infektionsschutzes befürwortet“, teilt die Pressestelle mit.

„Sportminister“ Armin Laschet

Der LSB ist darüber erfreut, dass der Sport seit der vergangenen Landtagswahl direkt in der NRW-Staatskanzlei angesiedelt ist. „Deshalb sprechen wir bei Ministerpräsident Armin Laschet auch gerne von unserem „Sportminister“, der für die Belange der über fünf Millionen Mitglieder in den NRW-Sportvereinen ein offenes Ohr hat. Mit der Sport-Staatssekretärin Andrea Milz haben wir außerdem eine direkte Ansprechpartnerin, die mit Leib und Seele für den Sport kämpft. Gleiches gilt für die Regierungsfraktionen“, betont der LSB abschließend, ohne dabei jedoch noch einmal konkrete Perspektiven für die Vereine zu geben.

Über den Autor
Sportredaktion Dortmund
Ist bereits seit Kindesbeinen an von Ballsportarten – insbesondere Fußball – fasziniert. Stets neugierig auf der Suche nach Geschichten, auch abseits des Ballsports. Die Liebe zum Journalismus entdeckte er über sein großes Hobby: Fotografie. Gebürtig aus Selm, mittlerweile in Lünen wohnhaft.
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Patrick Schröer

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