Leere Sporthallen: Seit Monaten muss der Vereinssport schon ruhen. Wie gehen die Vereine in der Zeit mit den Beiträgen um? © dpa (Symbolbild)
Mitgliederbeiträge

Heimische Vereine sehen ohne Beiträge ihre Existenz bedroht – und riskieren ihre Gemeinnützigkeit

Was machen wir mit den Mitgliederbeiträgen während Corona? Diese Fragen haben sich auch die heimischen Vereine gestellt - mit unterschiedlichen Antworten und Begründungen.

Durch die Corona-Pandemie haben sich in vielen Bereichen neue Fragen ergeben, über die man sich vorher keine Gedanken gemacht hat. So haben sich viele Sportvereine in den vergangenen Monaten gefragt, wie sie mit ihren Mitgliederbeiträgen während des Lockdowns umgehen sollen. Auch bei den heimischen Klubs war das ein Thema. Doch daraus ergaben sich für sie wieder neue Fragen: Dürfen wir so einfach auf Mitgliedsbeiträge verzichten? Was müssen wir dabei beachten?

„Wir haben das letztes Jahr intensiv diskutiert und wollten die Beiträge vergünstigen“, sagt Ludger Hörstrup, Präsident des SV Südkirchen. „Dann wurden wir aber darauf hingewiesen, dass, wenn das nicht in der Satzung steht, wir unsere Gemeinnützigkeit verlieren könnten. Daraufhin haben wir die Beiträge normal eingezogen.“

Wenn in der Satzung nicht festgelegt ist, dass der Vorstand alleine darüber entscheiden kann, dass die Beiträge erhöht, gesenkt oder ausgesetzt werden, muss in einer Mitgliederversammlung über eine Satzungsänderung abgestimmt werden. Das Senken oder Aussetzen der Beiträge kann aber auch im Nachhinein von den Mitgliedern genehmigt werden.

Laut dem SVS-Geschäftsführer Thomas Wiggers, der auch für die Mitgliederverwaltung zuständig ist, soll Ende Februar in einer Verwaltungsratssitzung über den Umgang mit den Beiträgen diskutiert werden. Bis dato werden diese eben noch normal eingezogen – aus Angst vor den möglichen Folgen.

SV-Südkirchen-Präsident Ludger Hörstrup (l.) mit Geschäftsführer Thomas Wiggers (M.) und dem ehemaligen Präsidenten Marc Paulsen (r.).
SV-Südkirchen-Präsident Ludger Hörstrup (l.) mit Geschäftsführer Thomas Wiggers (M.) und dem ehemaligen Präsidenten Marc Paulsen (r.). © Sebastian Reith © Sebastian Reith

„Wenn wir unsere Gemeinnützigkeit verlieren würden, wäre jeder Euro umsatzsteuerpflichtig. So würde jeder Verein pleite gehen“, erklärt Wiggers. Aber wie oft verliert ein Verein überhaupt seine Gemeinnützigkeit? „Mir sind keine akuten Fälle bekannt. Das ist ein langes Verfahren. Die Gemeinnützigkeit wird alle drei Jahre überprüft“, sagt Jens Wortmann vom Kreissportbund Coesfeld.

Wie weit die Vereine über die möglichen Folgen beim falschen Umgang mit den Beiträgen Bescheid wüssten, könne Wortmann nicht genau sagen. „Von 200 Vereinen bei uns im Kreis gab es 10 bis 15, die dazu Rückfragen hatten. Ich weiß nicht, ob die anderen so gut oder so schlecht informiert sind.“

SuS Olfen hat nicht an Verzicht oder Kürzung der Beiträge gedacht

Zu den gut informierten Vereinen gehört mit Sicherheit der SuS Olfen. In einer Pressemitteilung erklärt der Verein, dass man nicht daran gedacht habe, auf die Beiträge zu verzichten oder diese zu kürzen, da das Vereinsrecht keine Beitragserstattungen zulassen würde und das nach Meinung einiger Sachverständiger zum Verlust der Gemeinnützigkeit führen könnte.

Zudem verwende der SuS die Beiträge für die Erfüllung seiner satzungsrechtlichen Aufgaben und müsse davon unter anderem laufende Kosten für Mitarbeiter, Abgaben an Sportfachverbände und Unterhaltskosten bezahlen. „Die Mitgliedsbeiträge sind die entscheidende finanzielle Säule eines Vereins, ohne sie funktioniert ein Verein nicht“, heißt es in der Pressemitteilung.

Trotzdem kommt der Verein seinen Mitgliedern etwas entgegen und verzichtet in den Abteilungen Fußball, Handball, Gesundheitssport und bei den Fachschaften Leichtathletik und Volleyball von Januar bis März 2021 auf die Sonderbeiträge, die zusätzlich zu den normalen Mitgliederbeiträgen anfallen.

„Wir haben in allen Sportarten beim SuS in den letzten Monaten durch Corona auch weniger Ausgaben gehabt, so dass wir auf diese Zahlungen zugunsten der Mitglieder auch gerne mal verzichten“, wird der erste Vorsitzende Bernhard Bußmann zitiert.

Der erste Vorsitzende Bernhard Bußmann und der SuS Olfen verzichten auf die Sonderbeiträge.
Der SuS Olfen verzichtet auf die Sonderbeiträge, wie der Vorsitzende Bernhard Bußmann mitteilte. © Sebastian Reith © Sebastian Reith

Im vergangenen Jahr hätten sich nur 50 Olfener Mitglieder abgemeldet, was der Verein positiv hervorhebt. Auch beim Mehrspartenverein PSV Bork mussten in den vergangenen Monaten nur wenige Abmeldungen verzeichnet werden. „Wir haben erst eine Kündigung bekommen“, sagt der zweite Vorsitzende Manfred Sowinski.

Im Jahr 2020 hat der PSV den Beitrag einmal nicht eingezogen und einmal vermindert. Für das erste Quartal 2021 wurde ganz normal abgebucht. „Ohne den Grundbeitrag können wir den Ofen aus machen“, sagt Sowinski.

Benting: „Wir haben keine übermäßig hohen Austritte durch Corona“

Wie mit dem zweiten Quartal in diesem Jahr umgegangen werde, hänge davon ab, ob dann wieder Sport gemacht werden könne oder nicht. Gleiches gelte auch für den separaten Abteilungsbeitrag.

Beim FC Nordkirchen wurden die Beiträge in diesem wie im vergangenen Jahr in voller Höhe abgebucht. „Wir haben auch keine übermäßig hohen Austritte durch Corona, aber das kann sich ja noch ändern“, sagt Stefanie Benting, Vorsitzende des Vereins.

Auch bei der Turngemeinde Einigkeit Selm gibt es nicht überproportional viele Vereinsaustritte. Daher und als Dank an die Mitglieder senkt die TGE für 2021 die Beiträge.

Über den Autor
Volontär
Hat im Mai 2020 in der für den Lokal-Journalismus aufregenden Corona-Zeit bei Lensing Media das Volontariat begonnen. Kommt aus Bochum und hatte nach drei Jahren Studium in Paderborn Heimweh nach dem Ruhrgebiet. Möchte seit dem 17. Lebensjahr Journalist werden.
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Tobias Larisch

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