Sind Geisterspiele ein Thema für den Amateurfußball? © picture alliance/dpa
Amateurfußball

Geisterspiele? „Ohne den Asi-Jürgen, Asi-Ali und Asi-Wladimir geht der Amateurfußball kaputt“

Sind in Zukunft Geisterspiele eine Option, um den Re-Start im Amateurfußball zu beschleunigen? Im Livetalk haben wir mit vier Experten über diese Idee gesprochen. Die Experten wurden deutlich.

Eins ist klar: Aktuell findet sowieso kein Spielbetrieb im Amateurfußball statt. Weder mit noch ohne Zuschauer. Die Corona-Pandemie legt die Saison derzeit lahm. Ob, wann und wie es weitergeht, steht noch in den Sternen. Der Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen (FLVW) sucht jedoch händeringend nach Möglichkeiten, um der Politik Angebote für einen möglichen Re-Start zu machen. Eine Möglichkeit sind Geisterspiele, aber sind die überhaupt erwünscht?

Am Dienstagabend im virtuellen Livetalk unseres Hauses zum Thema „Wann dürfen wir endlich wieder kicken“ diskutierte Lokalsportchef Thomas Schulzke mit Laura Marienfeld, Damen-Zweitliga-Trainerin des SV Berghofen, Manfred Schnieders, Vizepräsident Amateurfußball beim FLVW, Tim Eibold, Leiter Seniorenfußball beim TuS Haltern sowie Muhammed Acil, Torwart bei Türkspor Dortmund, über das Thema Geisterspiele, das zuletzt in der Konferenz der Oberliga-Klub für hitzige Diskussionen sorgte.

Tim Eibold war auch Teil der Konferenz. Der TuS Haltern kickt nämlich in der Oberliga. Der Vorschlag potenzieller Geisterspiele kam vom FLVW, zu dem auch Manfred Schnieders gehört. „Wir müssen in der jetzigen Lage alle Dinge diskutieren. Wir sprechen das Thema Geisterspiele auch an, um der Politik etwas anbieten zu dürfen“, sagt Schnieders im Talk, der vermutet, dass es für keinen Verein überlebenswichtig sei, den Rest der Saison zu Ende zu spielen.

Eibold hält von Geisterspielen indes überhaupt nichts. Der Leiter Seniorenfußball des TuS Haltern betont, dass das Halterner Finanzkonzept darauf ausgelegt sei, dass der Verein auch mit Zuschauereinnahmen rechne. Haltern plane immer mit einer Mischkalkulation aus Mitgliedsbeiträgen, Sponsoren- sowie Eintrittsgeldern. „Geisterspiele halte ich daher persönlich für undenkbar“, sagt Eibold.

Generell sorge er sich auch ein Stückweit um den Amateur- speziell um den Oberliga-Fußball. „Wenn es so weitergeht, dann könnten einige Vereine bald von der Bildfläche verschwinden. Oberliga-Fußball ist ohne Einnahmen nicht möglich“, sagt er.

In die gleiche Kerbe schlägt auch Muhammed Acil, der Eibold noch aus gemeinsamen Zeiten bei Türkspor Dortmund kennt. Auch er kann sich nur schwer vorstellen, ohne Zuschauer Fußball zu spielen. „Ohne den Asi-Jürgen, ohne den Asi-Ali und ohne den Asi-Wladimir an der Seite geht der Amateurfußball kaputt“, sagt er und ergänzt: „Wenn es bei Türkspor keinen Sucuk- und Köfte-Verkauf gibt, dann brennt der Baum, weil wichtige Einnahmen fehlen.“ Marienfeld teilt die Sorgen: „Es geht auch um die Existenz“, sagt die Trainerin.

Einmal musste Schnieders dann aber nochmal einlenken und Stellung beziehen. Der Vizepräsident betont: „Wir wollen auch keine Geisterspiele. Ich halte es auch nicht für machbar, das über Monate durchzuziehen. Wir haben andere Voraussetzungen als die Ligen über uns, wo Einnahmeverluste ausgeglichen werden“, sagt Schnieders und spielt beispielsweise auf die Regionalligen an, die finanzielle Unterstützung vom Land NRW bekommen.

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Sportredaktion Dortmund
Ist bereits seit Kindesbeinen an von Ballsportarten – insbesondere Fußball – fasziniert. Stets neugierig auf der Suche nach Geschichten, auch abseits des Ballsports. Die Liebe zum Journalismus entdeckte er über sein großes Hobby: Fotografie. Gebürtig aus Selm, mittlerweile in Lünen wohnhaft.
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Patrick Schröer

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