Marc Blume (l.) streckt sich über die Ziellinie: Der Selmer war einer der schnellsten deutschen Sprinter. © dpa
Leichtathletik

Aus Selm zu Olympia: Wie Marc Blume zu einem der schnellsten deutschen Sprinter wurde

Mit 10,13 Sekunden über 100 Meter ist Marc Blume immer noch einer der schnellsten Deutschen. Seine Karriere begann der Olympia-Teilnehmer in Olfen - aber Leichtathletik machte ihm erst keinen Spaß.

Von Selm aus in die große, weite Leichtathletik-Welt: Marc Blume gehörte zu Deutschlands besten Sprintern und wuchs in Selm auf. Seine Karriere begann er bei SuS Olfen, aber wechselte in eine andere Sportart. Über Umwege kam er zum Sprint und schließlich zu den Olympischen Spielen.

„Als ich auf die weiterführende Schule in Lünen kam, sagte mir der Lehrer Achim Franke, der auch Volleyball-Trainer bei SuS Olfen war: ‚Mensch, da ist doch Talent vorhanden.‘ Also ging ich mal zum Leichtathletik-Training“, sagt Blume.

„Das hat Spaß gemacht, war aber nicht so mein Ding. Ich habe zur falschen Zeit angefangen. Im Winter wurden eher längere Läufe und Crossläufe gemacht.“ Danach wechselte er in die Volleyball-Abteilung der Olfener – aber auch das war nicht so sein Ding. „Das war ein Balanceakt. Du konntest gut spielen, aber wenn nicht die ganze Mannschaft gut war, konntest du trotzdem verlieren.“

Dann las er in der Zeitung, dass in Nordkirchen ein Leichtathletik-Training stattfinden sollte. Also ging er mir seinem Bruder Holger, der später selbst auch als Sprinter mit ihm an Olympia teilnahm, und einem Freund dorthin. Das Problem: Sie waren die Einzigen.

Blume wechselte mit seinem Bruder nach Dortmund

„Die Leichtathletik-Abteilung existierte nur auf dem Papier. Es waren keine Sportler da. Wir waren die Ersten.“ Der Kontakt zu Josef Hagemann und Ewald Schlierkamp („Sie haben sich wirklich reingekniet“) entstand und die drei begannen als Sprinter beim FC Nordkirchen.

Als dann die ersten Erfolge bei den Münsterland- und Westfalen-Meisterschaften kamen, kamen auch andere Vereine auf Blume zu. Er und sein Bruder wechselten zu LG Olympia Dortmund. Mit einer Fahrgemeinschaft fuhren sie aus Selm zum Training.

1992/93 zog der gebürtige Lüdinghauser, der über seine Geburtsstadt einmal sagte: „Halb so groß wie der Friedhof von San Francisco, aber doppelt so tot“, aus Selm weg. Heute ist er noch öfter in seinem langjährigen Wohnort.

„Ich habe noch Kontakte zu Freunden dort. Wenn ich dadurch fahre, wundere ich mich manchmal über die geänderte Verkehrsführung.“ Auch so habe sich Selm verändert. „Mit meiner Jugendzeit verglichen, hat sich Selm ganz schön gemausert. Früher wurden um 18 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt. Die Disco Skylab war schon ein Highlight.“

Heute arbeitet Marc Blume nicht mehr im Sport. Er wohnt mit seiner Familie in Steinhagen.
Heute arbeitet Marc Blume nicht mehr im Sport. Er wohnt mit seiner Familie in Steinhagen. © Privat © Privat

Von Dortmund aus wechselte Blume zum TV Wattenscheid 01. Nach seinem Karriereende 2007 war der 46-Jährige dort auch noch als Nachwuchstrainer aktiv. Aktuell wohnt der Selmer mit seiner Frau und Kind in Steinhagen. Er arbeitet bei Intersport Vosswinkel in Bielefeld.

Heute wolle er nicht mehr im Sport arbeiten, da daneben kein Familienleben möglich sei. „Das Erste, was ich gemacht habe, als meine Frau, damals Freundin, bei mir eingezogen ist, ich war erstmal fünf Wochen in Australien.“

An das viele Reisen erinnere er sich gerne. „Ich habe die ganze Welt gesehen.“ Was war denn sein Highlight? „Das größte Erlebnis war, als ich 1993 in die Männerklasse aufgestiegen bin, und im gleichen Jahr bei der Heim-Weltmeisterschaft in Stuttgart starten konnte.“

Natürlich zähle auch Olympia dazu. 1996 nahm er mit seinem Bruder an den Spielen in Atlanta teil. „Olympia war so weit weg. Und auf einmal wirst du eingekleidet.“

Blume ist 16-facher Deutscher Meister

Rückblickend ist der Hallen-Europameister 1996 über 60 Meter, Bronzemedaillen-Gewinner mit der 4-mal-100-Meter-Staffel bei den Europameisterschaften in München 2002 und 16-fache Deutsche Meister (100, 200 und 4×100 Meter) mit seiner Karriere zufrieden. „Ich bin mit meinen Zeiten zufrieden. Ich bin sauber gelaufen.“

Seine persönliche Bestzeit lag bei 10,13 Sekunden über 100 Meter (1996 in Nürnberg). Für eine schnelle Zeit brauche man mehrere Faktoren: eine gute Bahn, warme Temperaturen und leichten Rückenwind. „Bei meinen schnellsten Zeiten hatte ich keinen Rückenwind und Nieselregen.“

Dass in Deutschland die magische 10-Sekunden-Grenze noch nicht geknackt wurde, sei für ihn ein gutes Zeichen. „Das zeigt mir, dass alles mit rechten Dingen zugeht und das Anti-Dopingsystem funktioniert. Aber ich bin mir sicher, dass sie geknackt werden kann.“

Usain Bolts Leistungen seien grandios, hätten aber auch einen faden Beigeschmack. „Warum hat er einen Diplomatenstatus in seinem Land und muss nicht kontrolliert und getestet werden? Das ist nicht fair.“

Blume traut dem „Turbo-Türken“ Großes zu

Der nächste Deutsche, dem er zutraue, eine Zeit wie der jamaikanische Weltrekordhalter (9,58 Sekunden) zu laufen, sei Deniz Almas. Der „Turbo-Türke“, wie er genannt wird, lief in diesem Jahr 10,08 Sekunden. „Das kleine Kerlchen hat durchaus Talent. Er könnte die 10 Sekunden knacken.“

Über den Autor
Volontär
Hat im Mai 2020 in der für den Lokal-Journalismus aufregenden Corona-Zeit bei Lensing Media das Volontariat begonnen. Kommt aus Bochum und hatte nach drei Jahren Studium in Paderborn Heimweh nach dem Ruhrgebiet. Möchte seit dem 17. Lebensjahr Journalist werden.
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Tobias Larisch

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