Wirte zum Lockdown: Tausende Gäste, kein Coronafall – trotzdem Zwangsschließung

dzZweiter Corona-Lockdown

Die Wirte können nichtmal mehr richtig schimpfen. Die von der Politik beschlossene zweite Zwangsschließung wegen der Coronakrise trifft sie ins Mark. Es bleibt nur wieder Außer-Haus-Verkauf.

Schwerte

, 28.10.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jens Fördes bleibt nur der Galgenhumor. „Dann stell´ ich meinen Imbisswagen auf den Kreisel“, sagt neue Wirt vom Haseneck in Wandhofen. Gerade erst hat er das Traditionsrestaurant wiedereröffnet, da muss er es wegen der neuen Corona-Verordnung fast den ganzen November schon wieder schließen.

Schon vorher sagten Vereine und Kegelclubs reihenweise Termine ab

Die weiter geschürte Corona-Angst war schon vorher zu spüren. Eigentlich, so berichtet Jens Fördes, hätte er jetzt jeden Abend eine Vereins-Versammlung in seinen Gasträumen gehabt: „Aber die haben schon die ganze Woche storniert.“ Auch Buchungen für die Kegelbahn seien abgesagt worden. Was er tun kann? Gerichte zum Mitnehmen anbieten. „Ich werde das Mittagsgeschäft weitermachen“, sagt er. Eventuell wolle er auch am Abend zwei Stunden lang für To-go-Kunden aufmachen.

Einen Abholservice hatte Zeljko Sarcivic in seinem Restaurant 
„Das Lokal" an der Hellpothstraße schon beim ersten Lockdown im Frühjahr eingerichtet. Jetzt muss er erneut zu diesem Ausweg greifen.

Einen Abholservice hatte Zeljko Sarcivic in seinem Restaurant „Das Lokal" an der Hellpothstraße schon beim ersten Lockdown im Frühjahr eingerichtet. Jetzt muss er erneut zu diesem Ausweg greifen. © Reinhard Schmitz (A)

Auf Gerichte zum Abholen setzt auch Zeljko Sarcevic vom Restaurant Das Lokal an der Hellpothstraße: „Wir hoffen, dass die Leute bereit sind, das nochmal mitzumachen.“ So ähnlich, wie es nach der ersten angeordneten Coronapause im Frühling war.

„Das ist so, als ob Sie vier Monate lang kein Gehalt bekommen“

„Man hat überhaupt keine Planungssicherheit“, klagt Zeljko Sarcivic. Erst habe er in Plexiglas und andere Dinge investieren sollen, und jetzt komme trotzdem die Zwangsschließung. Obwohl man sich an alle Regeln halte: „Meine Gäste benehmen sich so gut.“ Tausende Namens-Zettel habe er ausfüllen lassen müssen, aber nicht ein einziges Mal habe das Gesundheitsamt angerufen und gesagt, dass jemand Corona habe.

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„Wir müssen es ausbaden“, sagt der „Das Lokal“-Chef. An Geldverdienen sei in diesem Jahr überhaupt nicht zu denken. Er arbeite nur, um das Geschäft aufrechtzuerhalten. „Das ist so, als ob Sie drei oder vier Monate kein Gehalt bekommen“, vergleicht er.

Wellenbad-Chef überlegt jetzt „Gänse auf Rädern“

Schon die Ausfälle von der ersten Lockdown-Phase seien nicht wieder aufzuholen, erklärt Lars C. Weinhold vom Hotel-Restaurant Gutshof Wellenbad in Geisecke. Auch nicht durch den inzwischen wieder zurückgekehrten Normalbetrieb, der in einem Monat sogar ein Plus gegenüber dem vergangenen Jahr gebracht habe. Die von der Regierung groß angekündigten Hilfen blieben im Endeffekt karg: „Als Geschäftsführer wurden mir dreimal 1000 Euro Unterstützung gewährt.“

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„Das Jahr ist eine einzige Katastrophe“, sagt der Wellenbad-Inhaber. Aber als Selbstständiger müsse man ein bisschen darauf vorbereitet sein. Jetzt könne es nur noch um Schadensminimierung gehen. „Gänse auf Rädern“ - so überlegt Lars C. Weinhold - könnten gut gefragt sein.

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