Mundschutz und Besucherliste - Selbstversuch im Café Herrlich

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Endlich haben Restaurants wieder geöffnet. Unser Autor Holger Bergmann probierte aus, wie Essen gehen, unter den neuen Hygienebestimmungen funktioniert.

Schwerte

, 12.05.2020, 16:49 Uhr / Lesedauer: 2 min

Leere Straßen, geschlossene Geschäfte, verwaiste Restaurants – die vergangenen Wochen mit ihren Corona-bedingten Beschränkungen waren bedrückend.

Doch jetzt werden wochenweise die Corona-Regeln Stück für Stück zurückgenommen. Seit Montag dürfen zum Beispiel wieder Restaurants öffnen. Endlich kann man wieder in der Mittagspause oder abends Essen gehen.

Doch wohin zuerst? Ah, die Sonne scheint, wie wäre es mit einem der Cafés auf dem Markt in Schwerte? Auf ins Café Herrlich. Spannung auf dem Hinweg: Wie wird eigentlich das Essen und Trinken mit Gesichtsmaske geregelt?

Namen und Telefonnummer angeben

Im Café Herrlich wartet eine glückliche Wirtin Sivita Karaku: „Endlich wieder offen , endlich wieder Gäste bedienen“. In den vergangenen Wochen hatte das Café zwar bereits erfolgreich seine Speisen zum Abholen angeboten, doch das war wohl nicht das Gleiche.

An die Corona-Pandemie wird man als Gast direkt am Eingang erinnert. Wer bewirtet werden will, muss Name und Telefon-Nummer auf eine Liste schreiben. Ich bin gegen Mittag erst der fünfte Gast des Tages, so ganz begeistert scheinen die Schwerter noch nicht zu sein von der Öffnung der Restaurants.

Endlich wieder ein kühles Pils

Doch, zumindest einer, mein Tischnachbar: „Endlich wieder ein kühles Pils in der Sonne“. So feiert er auch Pils Nummer zwei und Nummer drei. Dann kommt ein Kumpel von ihm vorbei. Darf er sich dazugesellen? „Ja klar“, so die Antwort. Personen aus zwei Haushalten dürfen zusammensitzen.

Geöffnet ist auch wieder der Außenbereich des Eiscafés Venezia in der Fußgängerzone. Hygienespray und ein Zettel mit Verhaltensregeln liegen schon am Zugang bereit.

Geöffnet ist auch wieder der Außenbereich des Eiscafés Venezia in der Fußgängerzone. Hygienespray und ein Zettel mit Verhaltensregeln liegen schon am Zugang bereit. © Reinhard Schmitz

Für mich ist die Frage des Mundschutzes wichtiger. Darf ich den Abnehmen. „Ja klar“, lautet wieder die Antwort. Den Mundschutz braucht man zum Reinkommen und zum Rausgehen, am Tisch kann man den Mundschutz abnehmen.

Und dann ist er da, der Moment: ein Stück Brot mit Aioli, der Marktplatz, die Sonne und ich. Endlich wieder. Es fühlt sich an wie eine Erlösung nach der Corona-Enthaltsamkeit der vergangenen Wochen.

Einen Restaurant-Besuch völlig neu erlernen

Und das sind sie, die beiden zentralen Erfahrungen des ersten Restaurant-Besuchs nach Wochen: Das abenteuerliche Gefühl, dass das Ausgehen unter Corona-Bedingungen eine völlig neue Erfahrung ist, und die Erlösung nach so vielen Wochen, wieder draußen genießen zu dürfen.

Die Erfahrung machen nur Wenige. Der Marktplatz ist praktisch leer, auch die Tische der Cafés auf dem Markt sind weitgehend unbesetzt.

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Die Verunsicherung, ob man wieder kommen darf, scheint riesig. Immer wieder kommen Passanten vorbei. Machen die Tür einen Spalt auf und fragen: „Ist geöffnet?“, „Dürfen wir reinkommen?“. Und immer wieder, wenn der Kaffee oder die erste Erfrischung auf dem Tisch steht, sieht man den erlösenden Aha-Moment auf dem Gesicht des Gastes: Ja, man darf jetzt wieder kommen.

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