Holzen hat eine Quartiersmanagerin. Und eine Tanzschule. Wenig Gastronomie, aber eine Menge Lebensqualität. Warum es sich in Holzen gut leben lässt, haben uns „Zuwanderer“ erzählt.

Holzen

, 04.04.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Genau genommen war es Zufall, dass es das junge Paar vor 24 Jahren ausgerechnet nach Holzen verschlug. Der Freiburger Bernd Seibert wohnte schon seit fünf Jahren in Lünen und pendelte von dort aus zur Arbeit ins Sauerland. Als seine Braut Katja ihm aus Südbaden in Richtung Ruhrgebiet folgte, suchten die beiden einen Wohnort, von dem aus sie ihre Arbeitsplätze gut erreichen konnten.

Schwerte hatte gute Karten in dieser Diskussion. Haus oder Wohnung? Neubau oder Altbau? Das waren die Folge-Fragen, die letztlich ein Kauf-Angebot am Holzener Weg entschied: Eine 120 Quadratmeter Altbau-Wohnung am Rand von Holzen hatte es dem Paar angetan. „Hier sind wir seit 24 Jahren zu Hause“, erzählt Katja Seibert, „und sind mit unserer Entscheidung von 1995 immer noch zufrieden.“

Genug Platz für Eltern und die Zwillinge

Vor 15 Jahren vergrößerte sich die Familie durch die Geburt der Zwillinge Adrian und Leonard, und irgendwann konnten die Seiberts eine zweite Wohnung im Haus kaufen. Seitdem reicht der Platz für alle, inklusive Home-Office für Vater Bernd. Ob als berufstätiges Ehepaar oder Familie mit Kindern, „Holzen hatte für uns immer alles, was wir brauchen“, sagt Katja Seibert.

„Es gab mehrere Kindergärten, die wir fußläufig erreichen konnten. Die Lenningskampschule lag förmlich vor unserer Haustür.“ Die Jungs gehen inzwischen zum Friedrich-Bährens- und zum Ruhrtal-Gymnasium, sie haben es dorthin auch nicht weit. Zum Schulzentrum Nord-West hätten sie förmlich spucken können, wie man so sagt. Dort verbringen sie manchmal ihre Freizeit, zum Beispiel beim Basketball.

Bestnoten für die Nahversorgung

Bei unserer Ortsteil-Umfrage, an der sich 101 Holzener beteiligt haben, hat insbesondere die Nahversorgung Top-Werte erzielt: neun von zehn möglichen Punkten. Das kleine Nahversorgungszentrum mit Edeka und Lidl am Rosenweg ist auch für die Seiberts eine „erste Adresse“.

Discounter und Vollsortimenter machen den Rückzug diverser Metzgerei- und Bäckereifilialen aus Holzen mehr als wett, ist Katja Seibert sicher. „Ich bin außerdem hier in Holzen meinem Zahnarzt, Frauenarzt und Friseur treu“, erzählt Katja Seibert.

In Holzen lässt es sich gut leben und gut einkaufen, aber die Kneipenszene ist dürftig

Der Rosenweg hat sein eigenes Einkaufszentrum mit Lidl und Edeka. © Schmitz

Schlechte Noten haben die Holzener ihrem Ortsteil in Sachen Gastronomie erteilt: vier Punkte. Bernd Seibert: „Es gibt in Holzen ja kaum noch Kneipen im klassischen Sinn. Und auch Restaurants sind rar gesät.“ Für sie sei das kein Problem, die Seiberts wohnen schließlich kurz hinterm Bahnhof, sind schnell in der Stadt.

Annika Möller ist seit zwei Jahren als Quartiersmanagerin in Holzen unterwegs und damit Ansprechpartnerin für die Bürger vor Ort. Sie lobt die vielen guten Angebote, die das Leben im Stadtteil lebenswert machen, glaubt aber, dass längst nicht alle überall bekannt sind.

Die Arbeiterwohlfahrt zum Beispiel mache offene Angebote im Friedrich-Krahn-Seniorenzentrum, das AWO-Familienzentrum sei quasi eine kleine Bildungseinrichtung, und in St. Christophorus gebe es ebenfalls vom HOT-Jugendtreff bis zum Spieletreff für Senioren ein gutes Angebot, „aber toll wäre ein trägerneutrales Angebot.“ Ein zentraler Begegnungsort wäre Annika Möllers Traum - ein Bürgerhaus oder ein Nachbarschaftstreff.

In Holzen lässt es sich gut leben und gut einkaufen, aber die Kneipenszene ist dürftig

Das Friedrich-Krahn-Seniorenzentrum und das benachbarten Familienzentrum der AWO sind wichtige Anlaufpunkte im Ortsteil. © Paulitschke

In der Sozialraumkonferenz blicken die Akteure gemeinsam in die Zukunft Holzens

Aber sie ist Realistin und setzt deshalb weiter auf die kleinen Schritte, die zum Beispiel in der regen Sozialraumkonferenz gesammelt und geplant werden. Da geht es vor allem um die Gestaltung der Nachbarschaft, um selbstbestimmtes Leben und Wohnen, um Mobilität und Begegnungsorte. Viele Akteure sind in Holzen schon aktiv: Stadt, Kitas, Schulen, das Seniorenzentrum, die Jugendarbeit, die Kirche und weitere Stellen bilden gemeinsam die Sozialraumkonferenz.

Bernd und Katja Seibert freuen sich über die Aktivitäten im Stadtteil. Die einst Zugezogenen gehören dazu, sind schon seit vielen Jahren in der Christophorus-Gemeinde aktiv, die schon längst ohne eigenen Pfarrer auskommen muss und dennoch ein lebendiges Gemeindezentrum darstellt.

Dass die Seelsorge bei unserer Umfrage nur sechs Punkte bekommen hat, könne zum einen daran liegen, dass beide Kirchen keine Seelsorger mehr ausschließlich im Stadtteil einsetzen können, vielleicht aber auch am Abriss des Paulushauses, den viele Protestanten ihrer Kirchenleitung immer noch nachtragen, mutmaßt Bernd Seibert.

Das Angebot für die Jugend ist nicht gerade berauschend

Die Lage der Jugend im Stadtteil beurteilen die Eltern von zwei Teenagern nicht so schlecht, wie der Umfragewert von vier Punkten vermuten lässt. Katja Seibert: „Es gibt zumindest den Jugendtreff im Christophorushaus, und es gibt viele Sportangebote. Und die Tanzschule Thiele.“ Einen Fußballverein für die Jungs habe es in Holzen nicht gegeben, erinnert sich Berd Seibert: „Aber es gibt ja auch noch Dortmund-Holzen in annehmbarer Entfernung.“ Heute seien die Jungs überwiegend selbstständig mit Bus oder Fahrrad unterwegs.

Während am Rand von Holzen die Nähe zum Bahnhof noch hilft, ist der Öffentliche Personennahverkehr zum Beispiel am Westhellweg nicht mehr zufriedenstellend. Das weiß Annika Möller: „Abends und am Wochenende kommen die Menschen hier schlecht weg und hin. Das beklagen vor allem ältere Leute häufig.“ Ein Holzener kommentierte in der Umfrage: „Die Busverbindungen sind katastrophal. Nach 20 Uhr ist es beinahe unmöglich, spontan von A nach B zu kommen.“

Das wurde (noch) positiv bewertet:

Lebensqualität: 8 von 10 Punkten gibt es von den Holzenern für die Lebensqualität. Die loben auch die Seiberts, für die ein Wegzug von Holzen nie ein Thema war.

Sauberkeit: Mit sieben Punkten liegt Holzen voll im stadtweiten Schnitt.

Das wurde negativ bewertet:

Gastronomie: Magere vier Punkte für Pizzerien, Imbisse und Stehcafés, viel mehr hat Holzen offenbar nicht zu bieten. Das kann das Kreuzeck an der Ecke Holzener Weg/Kreuzstraße alleine nicht rausreißen.

Jugendliche: Das Angebot für die junge Generation hat ebenfalls nur vier Punkte bekommen. Ein Teilzeit-Jugendzentrum (St. Christophorus) und ein Schulhof mit Basketballkorb können längst nicht alle Wünsche von Jugendlichen erfüllen. Ein Umfrageteilnehmer kommentierte: „Mehr Angebote für Jugendliche bitte, einen Ort zum Verweilen, gegen Langeweile der Kids nach der Schule oder in den Ferien zum Beispiel.“

Ortsteil-Chronik

Seit 1975 teilen sich Dortmund und Schwerte den Ortsteil

In Holzen lässt es sich gut leben und gut einkaufen, aber die Kneipenszene ist dürftig

So sah es am Rosenweg früher aus. Die Postkarte stammt aus der Sammlung von Rudolf Kassel. © Repro Schmitz

Holzen wurde zum ersten Mal 1486 urkundlich erwähnt. Wie Lichtendorf, so wurde auch die ehemals selbstständige Gemeinde Holzen, die zum Amt Westhofen gehörte, im Zuge der Kommunalreform von 1975 geteilt und große Teile von Holzen dem Oberzentrum Dortmund zugeordnet. Die Grenze zwischen Schwerte-Holzen und Dortmund-Holzen ist die Autobahn A1. Heute erstreckt sich der Ortsteil Schwerte-Holzen von der Stadtgrenze zu Dortmund im Westen bis zum Holzener Weg einschließlich des Kreuzviertels im Osten. Aktuell leben hier rund 5000 Menschen. In den 80er- und 90er-Jahren entstanden zwei große Neubaugebiete rund um die Friedrich-Hegel-Straße und Am Zimmermannswäldchen.
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