Winterberg morgens am 28. Dezember. Um die Zeit war die Welt im Sauerland noch in Ordnung. © Jörg Bauerfeld
Winterberg

„Winterberg war irgendwie auf Tagestourismus eingestellt – was dann kam, war überraschend“

Winterberg, ein beliebter Urlaubsort, versinkt im Chaos. Es ist voll, zu voll. Einheimische schimpfen auf Touris. Touris benehmen sich daneben. Eindrücke eines „Teilzeitwinterbergers“.

Ich war in Winterberg. Ein paar Tage ab dem ersten Weihnachtstag. Wir haben dort eine Wohnung, in der Nähe der Kappe. Es ist für meine Frau und mich (und Hund) nicht nur eine Ferienwohnung, es ist unser Zweitwohnsitz.

Wenn wir nicht in Dortmund sind, sondern in unserer Wohnung in Winterberg, sehen wir uns auch als Winterberger. Mit allen Rechten und Pflichten. Wir sind oft dort, fühlen uns wohl. Auch zwischen den Jahren, wie man die Tage zwischen Weihnachten und Silvester so nennt. Also haben wir es auch miterlebt. Das Chaos und das ganze Theater, das sich daraus entwickelte. Wir sind dann zwei Tage vor Silvester wieder gefahren.

Auch so sah es nach Weihnachten in Winterberg aus. Es verteilte sich auf den Hängen. Aber eben nicht überall.
Auch so sah es nach Weihnachten in Winterberg aus. Es verteilte sich auf den Hängen. Aber eben nicht überall. © Jörg Bauerfeld © Jörg Bauerfeld

Uns war es mittlerweile auch zu voll, auch wenn wir uns aus dem Trubel rausgehalten haben. An den ersten Tagen gab es auch, zumindest im Bereich der Kappe, nicht viel zu meckern. Klar, für die wenigen Parkplätze waren es zu viele Autos. Die Menschen, zumindest dort vor Ort, haben sich aber gut verteilt.

Zunächst keine Maskenpflicht auf den Hängen

Es gab noch keine Maskenpflicht auf den Hängen und dort, wo man rodeln konnte, war Platz. Das war so. Vielleicht gab es schon am ersten und zweiten Feiertag Stellen, an denen es zu voll war. An der Ruhrquelle vermutlich. Mitbekommen haben wir es nicht.

Durch die Medien geisterten dann die ersten Aufrufe, nicht nach Winterberg zu kommen. Es hätte nichts geöffnet, es gäbe keine Toiletten. Zumindest in den Punkten muss ich widersprechen. Im Bereich der Kappe (Bobbahn) waren zumindest an drei gastronomischen Betrieben die Toiletten geöffnet. Es gab einen Foodtruck und an anderer Stelle einen Grillstand inklusive Getränkestand. Jetzt ist beides wohl wieder geschlossen.

Es war auch ein Spiel mit dem Feuer

Winterberg war irgendwie auf Tagestourismus eingestellt. So mein Eindruck. Was dann kam, war wohl überraschend. Es war aber auch ein bisschen das Spiel mit dem Feuer. Und es wurde unterschätzt, wie viel Macht die öffentlichen Netzwerke haben. Bilder von Schlitten im Schnee, dazu geöffnete Buden. Es liegt mir fern, jemandem den schwarzen Peter in die Schuhe zu schieben – zumindest nicht den Tagestouristen, die sich benommen haben. Das waren aus meiner Sicht doch einige.

Aber es gibt eben die Idioten, denen alles egal ist. Die, die sich auch in normalen Zeiten nicht an Regeln halten. Die, die sich auf der Hochheide am Kahlen Asten mit dem Auto festfahren, weil es sonst keine Parkplätze mehr gibt. Die, die auf die großen Parkplätze an der Kappe fahren, obwohl Sperrschilder den Zugang versperren. Eines habe ich selbst wieder an Ort und Stelle gestellt.

Ich verstehe auf jeden Fall die Anwohner, deren Gärten umgepflügt und „beschmutzt“ wurden. Die haben allen Grund sauer zu sein. Was mir aber nicht in die Birne will, sind die Kommentare im Netz. Die Leute, die pauschal auf alles hauen, was sich bewegt. Und zwar mit einer Wortwahl, dass ich zu Hause in Dortmund gefragt wurde, ob ich heile aus Winterberg herausgekommen bin.

Winterberg schritt ein – aber erst sehr spät

Es haben sich viele nicht gerade mit Ruhm bekleckert in den Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr. Nicht die Tagestouristen, die irgendwann wie die Heuschrecken kamen. Aber auch nicht die Stadt Winterberg, die erst ziemlich überrascht wirkte und dem Treiben dann – aus meiner Sicht zu spät – ein Ende setzte.

Irgendwie erinnert mich die Geschichte an den Sommer. Am Hillestausee in Niedersfeld (gehört zu Winterberg). Die Badebucht war aus Corona-Gründen gesperrt, aber voll. Zwei Personen vom Ordnungsamt kamen, schauten und gingen dann wieder. Ich habe kurz gefragt, ob sie nichts unternehmen wollten. Die Antwort war ein wenig unbefriedigend. Sie könnten eh nichts tun.

Nun, wir haben den Schnee in Winterberg trotzdem genossen. Wir sind gewandert und gerodelt, haben Kontakt mit anderen vermieden – und wir kommen immer gerne in unsere zweite Heimat. Und die bösen Blicke einiger, wenn ich irgendwann wieder mit meinem DO-Kennzeichen auftauche, kann ich gut ertragen.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Jörg Bauerfeld, Redakteur, berichtet hauptsächlich in Wort, Bild und Ton aus dem Dortmunder Süden.
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