Wilma Schlünder (79) versuchte, einen Impftermin für ihren Mann über das Online-Portal zu buchen. © Schlünder
Covid-Impfung

Wilma Schlünder in der Endlosschleife: „Dieser Impftermin ist bereits vergeben“

Kein Durchkommen am Telefon. Eine komplizierte, aber falsche Online-Terminvergabe. Die Schwerterin Wilma Schlünder erlebte das reinste Chaos, als sie einen Impftermin für ihren Mann buchen wollte.

Eigentlich, so erschien es Wilma Schlünder (79), müsste das Buchen eines Impftermins doch ganz einfach sein. Die Rentnerin aus Schwerte wollte für ihren Mann einen Termin im Impfzentrum Unna buchen. Was sie dann erlebte, ließ sie sprachlos zurück.

Die ersten Tage versuchte sie, telefonisch durchzukommen. Ohne Chance. Deshalb entschied sich die Schwerterin, das Online-Angebot zu nutzen. Mit dem Smartphone und dem PC sei sie vertraut, deshalb war sie zuversichtlich, dass sie so den Impftermin buchen könne.

Sicherheitscode per SMS

Dass dies aber längst nicht so einfach ist, erfuhr nicht nur Wilma Schlünder. Wer einen Online-Impftermin haben will, muss zunächst einen Sicherheitscode per SMS beantragen. Das erklärt einem die Homepage aber nicht, sondern zeigt die Frage: „Wurde Ihr Anspruch auf eine Corona-Schutzimpfung bereits geprüft?“

Nun kann man durchaus annehmen, dass jemand, der einen Brief mit der Aufforderung zur Impfung bekommen hat, davon ausgeht, dass sein Anspruch geprüft ist. Weit gefehlt. Denn wer das anklickt, landet bei der Aufforderung, einen Code einzugeben. Nur wer einer Onlineprüfung seiner Berechtigung zustimmt, landet bei der Eingabe der Mobilfunknummer.

Doch auch über diese Hürde konnte sich Wilma Schlünder hinwegsetzen. Als sie endlich im System war, gab es noch eine ganze Reihe von Impfterminen, die man scheinbar buchen konnte. Aber eben nur scheinbar: Denn egal, welchen Termin sie auswählte, die Antwort lautete immer: „Dieser Termin ist bereits vergeben.“

„52 Termine standen im Impfzentrum Unna zur Auswahl“, sagt sie. Alle habe sie ausprobiert und keiner sei mehr buchbar gewesen. Das war am Donnerstag. Wilma Schlünder: „Wenn jeder erst alle Termine abfragen muss, um dann keinen Termin buchen zu können, wird das System immer überlastet bleiben.“

Nachbesserung machte nichts besser

Am Freitag hatten die Macher der Plattform zwar nachgebessert, aber ohne, dass etwas besser wurde. Nun stehen zwar nicht mehr 52 Termine, sondern nur noch drei drin, aber auch die sind nicht buchbar. Am Telefon lief es nicht besser, auch da gab es, wenn man durchkam, die Antwort, dass kein Termin mehr verfügbar sei.

Mittlerweile ist das auch auf der Homepage angekommen, dass es nicht mehr genügend Impfstoff für alle gibt: „Es wurden keine freien Termine in Ihrer Region gefunden. Bitte probieren Sie es später erneut. Sobald genügend Impfstoff und die entsprechenden Kapazitäten vorhanden sind, werden die Impfzentren weitere Termine einstellen“, ist dort seit Freitag (29.1.) zu lesen.

Besonders ärgerlich: Während auf der Online-Plattform nichts mehr zu machen war, erhielten Telefonkunden, die das Glück hatten, doch noch durchzukommen, weiterhin Impftermine.

Ministerium verspricht Besserung

Beim Gesundheitsministerium des Landes versuchte man sich derweil mit Schadensbegrenzung. Es habe am Anfang geknirscht, sagte eine Sprecherin. Man habe aber die Informatiker gebeten, nachzubessern. An allen Problemen bei der Impfterminvergabe werde gearbeitet.

Wilma Schlünder fragt sich derweil, warum man bei so etwas Wichtigem wie der Impfung nicht einfach Termine vorgegeben habe, wie zum Beispiel beim Brustkrebs-Screening?

Eines hat sie allerdings bei den vielen Versuchen, einen Impftermin zu buchen, gelernt. Wie man in das Buchungssystem kommt, weiß sie jetzt. „Das kann ich jetzt ruckzuck.“ Ihr Mann wird allerdings noch länger auf einen Impftermin warten müssen.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Ist mit Überzeugung Lokaljournalist. Denn wirklich wichtige Geschichten beginnen mit den Menschen vor Ort und enden auch dort. Seit 2007 leitet er die Redaktion in Schwerte.
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Heiko Mühlbauer

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