Torsten Wack leitet den rund 1,2 Tausend Hektar Wald umfassenden Forstbezirk Dortmund-Süd. © Susanne Riese
Revierförster

Wildschweine im Wannebachtal: Wie groß ist die Gefahr für Menschen?

Was jahrzehntelang wie ein Märchen geklungen hätte, ist heute in Wäldern längst Realität: Wildschweine streifen in Rotten umher. Viele fragen sich, ob die Tiere gefährlich sind.

Wie viele Tiere rund um das Wannebachtal und im Niederhofer Holz unterwegs sind, kann der Revierförster nur grob schätzen.

Für Förster Torsten Wack sind Wildschweine aber Waldbewohner, die man im Auge behalten muss. Sie fühlen sich einfach ein bisschen zu wohl in unseren heimischen Wäldern und vermehren sich deshalb sehr gut. Doch mit der Population steigt auch die Gefahr von Tierseuchen, und damit kommen die Revierförster und Jäger ins Spiel. Sie müssen dafür sorgen, dass der Wildschwein-Bestand nicht zu stark wächst.

Daran haben auch Landwirte ein Interesse und manch andere – im Dortmunder Süden unter anderem die Golfspieler, deren Platz mitunter von den Wildschweinen umgepflügt wird.

Ein Wildschwein war am Sonntag in Lünen unterwegs. Ein Jäger erlöste das schwer verletzte Tier am Nachmittag von seinen Qualen. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Torsten Wack leitet den Forstbezirk Süd beim Dortmunder Umweltamt seit November letzten Jahres. Ihm ist seitdem noch kein Wildschwein begegnet, zu tun hat er mit den Tieren trotzdem des Öfteren. Beispielsweise dann, wenn Landwirte Schäden melden.

Wildschweine können in Feldern und Wiesen Schäden anrichten

Bei der Suche nach saftigen Egerlingen und Würmern im Boden können Wildschweine mit ihrer harten Schnauze nämlich einiges aufwühlen – „brechen“ nennt das der Förster. Für die Ausfälle bei Mahd und Ernte haben die Landwirte Anspruch auf Entschädigung. „Die Schäden waren aber bislang überschaubar“, sagt Torsten Wack.

Aber wie viele Tiere sind denn wohl rund um das Wannebachtal und im Niederhofer Holz unterwegs? „Wildschweine sind nicht ortstreu und vor allem nachts aktiv. Man weiß nie, wo sie sind. Deshalb sind sie schwer zu zählen.“ Ganz grob geht er von drei bis vier Rotten mit jeweils fünf bis 15 Schweinen aus.

Aber wo kommen die Wildschweine plötzlich her? Sie seien über die Ruhr gekommen, sagt Torsten Wack. „Wildschweine sind gute Schwimmer.“ In unseren Wäldern fanden die Allesfresser ideale Bedingungen, ihre einzigen Feinde sind Jäger und Autos. Wack beschreibt die Tiere als intelligent und anpassungsfähig.

Paarungszeit, das sogenannte Rauschen, ist von November bis Januar, normalerweise werden dann im April und Mai die Frischlinge geboren. Aufgrund der idealen Bedingungen vermehren sich die Wildschweine aber inzwischen auch außerhalb dieser Zeit.

Jäger zielen auf die schwachen Tiere

Ein Grund, warum sie ganzjährig bejagt werden dürfen. Dabei gilt nur eine Einschränkung: Das anführende Tier, die sogenannte Leitbache – nicht etwa ein männlicher Keiler – wird nicht geschossen. Das brächte den Rest der Gruppe aus dem Konzept: „Man würde die Tiere zu unkontrollierter Vermehrung verleiten.“

Geschossen werde immer auf die schwächsten. „Das Jagen dient wildbiologischen Sachzwängen“, betont der Forstbezirksleiter. „Wenn man schon Tiere töten muss, dann sollte es kurz und schmerzlos erfolgen und das Fleisch sollte möglichst verzehrt werden“, meint er. Jäger, die mit Genehmigung der Stadt Tiere erlegen, können das Fleisch nach der vorgeschriebenen Trichinenkontrolle kaufen.

An diesem Hochsitz im Wannebachtal wurde das letzte Wildschwein erlegt.
An diesem Hochsitz im Wannebachtal wurde das letzte Wildschwein erlegt. © Susanne Riese © Susanne Riese

Im städtischen Eigenjagdbetrieb im Dortmunder Süden wurden in diesem Jagdjahr zwei Wildschweine geschossen. Der Autoverkehr brachte doppelt so viele Tiere zur Strecke.

„Das Bejagen muss sein, wenn keine natürlichen Gegenspieler vorhanden sind“, sagt Torsten Wack, der selbst nicht wild darauf ist. „Bei ausufernder Vermehrung kommt es sonst zur Ausbreitung von Tierseuchen wie der Afrikanischen Schweinepest.“

Die niedrige Abschussrate zeigt bereits, wie schwierig die Jagd auf Wildschweine ist. Vom Hochsitz aus sind die Tiere nur schwer zu erwischen, die effektivere Treibjagd aber ist wegen der vielen Spaziergänger und Mountainbiker in den Wäldern zu gefährlich.

Wildschweine können Boden und Grasnarbe gehörig aufwühlen.
Wildschweine können Boden und Grasnarbe gehörig aufwühlen. © dpa © dpa

Übertriebene Angst vor den neuen Waldbewohnern müsse aber niemand haben, ist der Förster überzeugt. „Die Tiere sind grundsätzlich scheu und laufen eher davon, wenn sie aufgespürt werden.“

Einzig wenn sie gestresst sind oder sich angegriffen fühlen, könnten sie mit ihren scharfen Eckzähnen losschlagen. Das könnte passieren, wenn jemand versehentlich in einen sogenannten Wurfkessel mit Frischlingen hineingerät. „Den werden die Wildschweine aggressiv verteidigen.“

Diese Möglichkeit sei aber statistisch sehr unwahrscheinlich, beruhigt Wack. Er selbst habe in 20 Dienstjahren nur äußerst selten Wildschweine getroffen, und alle seien geflüchtet.

Tipps für die Begegnung mit einem Wildschwein

Begebe sich wider Erwarten ein Tier in Angriffsposition, so sei die Flucht der beste Rat „idealerweise nach oben“, also auf einen Baum oder Hochsitz. Denn im Unterholz kann der Mensch das Rennen kaum gewinnen, klettern aber können Wildschweine nicht.

Wartet das Wildschwein noch unentschlossen ab, dann sei ein vorsichtiger, langsamer Rückzug am sinnvollsten. Geraten Hund und Wildtier aneinander, wie es jüngst im Niederhofener Wald passiert ist, sollte sich der Mensch raushalten, rät Torsten Wack. „So schwer es fällt. Sonst könnte man selbst schwer verletzt werden.“

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Seit 2001 in der Redaktion Dortmund, mit Interesse für Menschen und ihre Geschichten und einem Faible für Kultur und Wissenschaft. Hat einen Magister in Kunstgeschichte und Germanistik und lebt in Dortmund.
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Susanne Riese

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