Hier gab es die Auseinandersetzung mit einem Schwerverletzten. © Jörg Bauerfeld
Messerangriff

Wieder ein Schwerverletzter: Randale-Tourismus im Dortmunder Süden?

Nur einen Steinwurf entfernt von dem Platz, an dem Anfang November 2020 ein 41-Jähriger nach einer Messerattacke starb, kam es jetzt wieder zu einer Auseinandersetzung mit einer Stichwaffe. Zwei Beteiligte kamen aus Schwerte.

Ein Kurort war Hörde nie. Im Zentrum ging es immer etwas rustikaler zu, als an anderen Orten im Dortmunder Süden. Das lag schon an der Schwerindustrie und den Arbeitern dort. Bei denen lag das Herz auf der Zunge und manchmal auch die Überzeugung in der Faust.

Jetzt sollte man meinen, da es den Phoenix-See gibt, Stahlwerk und Brauerei verschwunden sind, geht es in der ehemaligen freien Stadt ruhiger zu. Aber weit gefehlt. Das Bemühen, sich von der besseren Seite zu zeigen, wird immer wieder durch blutige Auseinandersetzungen konterkariert.

Ein gutes halbes Jahr ist gerade her, dass ein 41-jähriger Hörder seinen schweren Verletzungen erlag. Voraus ging eine Auseinandersetzung, dann wurden Messer gezückt und am Ende trauerte ein Ortsteil um einen der ihren.

Es war kein Hörder an der Sache beteiligt

Am Montag (17.5) war wieder ein Messer im Spiel. Diesmal gab es einen Schwerverletzten. Passiert ist dies in der Hinteren Schildstraße. Gut, werden einige sagen, es ist ein schwieriges Pflaster, ein sozialer Brennpunkt.

Doch, so die Information vonseiten der Polizei, hatte dies hier wohl mit all dem nichts zu tun. Denn es war kein Hörder an der Sache beteiligt. Auf der einen Seite standen zwei Personen aus Schwerte, 25 und 15 Jahre alt.

Die beiden gingen dann auf einen 17-Jährigen los, der auch keinen Wohnsitz in Hörde hat. Der wusste sich nicht anders zu helfen, als ein Messer zu ziehen. Das hat der 15-Jährige wohl in seiner Aggression übersehen und hat sich beim Versuch zuzuschlagen an eben diesem Messer schwer verletzt.

„Unsern Ermittlungen haben bisher ergeben, dass der 17-Jährige mit dem Messer wohl keine Stichbewegung gemacht hat“, sagt Sven Schönberg, Pressesprecher der Polizei Dortmund.

Der 17-Jährige stellte sich der Polizei

Der 17-Jährige stellte sich der Polizei, die das Messer auch sicherstellte. Bleibt natürlich die Frage, was die Personen um 19.35 Uhr während des Corona-Lockdowns an der Hinteren Schildstraße machten?

Die Geschäfte sind zu, die Kneipen auch. Besuchen durften die beiden Schwerter auch niemanden, ansonsten hätten sie gegen die Corona-Schutzmaßnahmen verstoßen – wenn derjenige nicht schon durchgeimpft war.

Die Polizei hat das Phänomen im Blick

Es scheint sich dabei um ein Phänomen zu handeln, das auch in anderen südlichen Stadtbezirken zu beobachten ist. Dass vermehrt Unruhestifter aus anderen Bereichen und Nachbarstädten auftauchen, um anderswo andere Leute zu bestehlen oder zu verprügeln.

Die Polizei, so Sven Schönberg, beobachtet dieses Phänomen. In Aplerbeck hat es schon mehrere Festnahmen gegeben. „Und auch in diesem Fall haben wir einen ganz klaren Ermittlungsansatz und können mit Eltern und Schulen auf diejenigen einwirken.“

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Redaktion Dortmund
Jörg Bauerfeld, Redakteur, berichtet hauptsächlich in Wort, Bild und Ton aus dem Dortmunder Süden.
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