Im Urlaub kann so einiges schief gehen - und im besten Fall werden das die Erinnerungen, die man am häufigsten erzählt. Wir erzählen Ihnen unsere Erinnerungen in unserer Urlaubs-Serie. © Montage Klose
Urlaubs-Serie

Wie mein Cousin mitten in der Nacht an einer französischen Autobahntankstelle vergessen wurde

Dass man mal im Urlaub was liegen lässt ist ärgerlich. Ein ganz anderes Kaliber ist es aber, wenn aus Versehen der eigene Cousin mitten in der Nacht an einer Autobahntankstelle vergessen wird.

Sachen an Frankreichs Tankstellen zu vergessen, davon hat an dieser Stelle schon mein Kollege Florian Habersack berichtet, der sein Portemonnaie mit 900 Euro auf seinem Autodach liegen gelassen hat und abgebraust ist. Meine Tante und mein Onkel haben an einer Tankstelle in Südfrankreich auch mal was vergessen. Nur war das mein Cousin.

Passiert ist das folgendermaßen: Meine Tante und mein Onkel fahren seit Jahrzehnten in denselben Ferienort. Eine Anlage direkt am Meer, auf der linken Seite wartet der Sandstrand mit malerischem Sonnenaufgang für Frühaufsteher und mit Blick auf die Pyrenäen in weiter Ferne vom Balkon aus auf der anderen Seite. Auch ich war schon oft dort. Als mein Cousin Niklas 13 oder 14 Jahre alt war, sind die drei wie üblich nachts aufgestanden, haben sich ins gepackte Auto gesetzt und sind losgefahren. 1306 Kilometer über deutschen, luxemburgischen und französischen Asphalt.

Kurz vor dem Ziel verlangte das Auto noch einem Tankstellen-Stop

Mein Cousin, sagt meine Tante heute, habe damals entweder hinten im Auto geschlafen oder Musik gehört. Entsprechend habe sie gewusst, dass von der Rückbank manchmal keine Antwort auf Fragen komme. Die drei fuhren durch die warme Nacht, hatten ihr Ziel schon fast erreicht, bis der Tank dann für die letzten 70 Kilometer doch nochmal nach Benzin verlangte. Also hielten sie an einer Autobahntankstelle bei Beziérs an. „Die Toiletten sind sauber, du kannst hier gehen“, sagte meine Tante zu Niklas, der schon vor einiger Zeit anhalten wollte. Doch anstatt aufs Klo zu gehen, schüttelte mein Cousin mit dem Kopf und blieb sitzen. Erstmal.

„Ich habe noch etwas im Auto gesucht und in der Zeit ist er offenbar weggegangen“, erzählt meine Tante. Dann sind sie und mein Onkel wieder ins Auto gestiegen. „Ich habe sogar noch etwas gesagt.“ Aber als keine Antwort kam, habe sie sich gedacht: „Der schläft wieder.“ Nur war das nicht der Fall. „Es war mega dunkel“, sagt Niklas heute, wenn er sich an die Geschichte erinnert. „Die beiden sind vorgegangen und dann bin ich doch aufs Klo gegangen. Aber die beiden haben das nicht gecheckt, weil es dunkel war.“ Als Niklas wieder zum Auto gehen wollte, war da keins mehr. Meine Tante und mein Onkel waren schon längst auf der Autobahn.

„Dann bin ich da über den Rastplatz gelaufen. Ich dachte, die hätten umgeparkt. Dann bin ich da eine halbe Stunde rumgelaufen, bis ich gemerkt habe: Jo, ich bin jetzt auf mich allein gestellt. Und da das in Frankreich war und ich kein Französisch konnte, habe ich dann ein paar Holländer angesprochen, weil ich wusste, die können auf jeden Fall ein bisschen Englisch und ich wusste die Nummer von meiner Mutter noch auswendig.“

An der Tanke, ohne Handy und mutterseelenallein

Als dann das Telefon im elterlichen Auto klingelte und die Stimme meines Cousins ertönte, war die Verwirrung perfekt: „Hä, Niklas?!“, fragte meine Tante ungläubig und drehte sich um, um auf die Rückbank zu gucken. Knapp 60 Kilometer Autofahrt hatten die beiden schon zurückgelegt, mit dem Sohn vermeintlich auf der Rückbank. Nur stand der mitten in der Nacht bei einer Handvoll Holländer an der Tankstelle. „Miloš, der ist gar nicht mehr da, der ist weg“, sagte meine Tante aufgelöst. Und zu Niklas: „Bleib da stehen, wir kommen und holen dich!“

Als klar war, dass Niklas noch immer an der Tankstelle ist, wäre die Sache eigentlich geritzt gewesen. Nur wussten meine Tante und mein Onkel nicht mehr auf Anhieb, wie die Tankstelle eigentlich hieß. Zum Glück lag der Tankbon noch im Auto, der die beiden wieder zurückführte. Danach seien erst einmal dicke Tränen geflossen, erinnert sich meine Tante. „Ich war dann auch noch Tage fertig.“ Phänomenal sei immer noch, dass Niklas ihre Handynummer auswendig gewusst habe. Blöd sei nur gewesen, dass er ausgerechnet dieses eine Mal sein Handy im Auto habe liegen lassen. Noch heute steigen die drei manchmal ins Auto ein und meine Tante fragt Niklas scherzhaft „Bist du da?“. „Mama, ist gut“, kommt dann oft zurück. Zum Glück konnten die drei – und wir alle in der Familie – danach relativ schnell über die Sache lachen. Und Niklas auch. „Ich liebe meine Eltern noch“, sagt er und lacht.

Der (früh-)morgendliche Blick auf den Strand von der französischen Ferienwohnung aus - wenn man denn ankommt.
Der (früh-)morgendliche Blick auf den Strand von der französischen Ferienwohnung aus – wenn man denn ankommt. © Spiller © Spiller
In der Ferienanlage im Süden Frankreichs lässt sich gut entspannen.
In der Ferienanlage im Süden Frankreichs lässt sich gut entspannen. © Spiller © Spiller
Über die Autorin
Redakteurin
Gebürtige Münsterländerin, seit April 2018 Redakteurin bei den Ruhr Nachrichten, von 2016 bis 2018 Volontärin bei Lensing Media. Studierte Sprachwissenschaften, Politik und Journalistik an der TU Dortmund und Entwicklungspolitik an der Philipps-Universität Marburg. Zuletzt arbeitete sie beim Online-Magazin Digital Development Debates.
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Eva-Maria Spiller

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