Die fetten Jahre sind vorbei: Droht auch in Schwerte Kurzarbeit?

dzArbeitsplätze in Schwerte

Viele Betriebe im Hagener Bezirk der IG Metall bereiten sich schon auf Kurzarbeit vor. Wie sieht die Lage in Schwerte aus, und wovon hängt die Konjunktur in der Ruhrstadt ab?

Schwerte

, 11.09.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gehen die fetten Jahre ihrem Ende entgegen? Zwar ist die Arbeitslosenquote im Kreis Unna von Juli auf August nur geringfügig auf 6,9 Prozent angestiegen; in Schwerte blieb sie sogar bei 5,3 Prozent. Aber im Hintergrund zeichnet die Kurzarbeit dunkle Wolken. Für kreisweit 629 Mitarbeiter zeigten acht Betriebe im Juli bevorstehende Kurzarbeit an, wie eine Statistik der Arbeitsagentur ausweist. Für die Gewerkschaften ist sie längst zum Dauerthema geworden.

Jens Mütze, Geschäftsführer der Hagener Geschäftsstelle der Industriegewerkschaft Metall, kennt viele betroffene Betriebe in seinem Bereich, der wesentlich größer ist als der Kreis Unna und bis ins Sauerland und nach Wetter reicht. „Einige sind in der Rezession“, spricht er offen ein Wort aus, das viele gar nicht gerne in den Mund nehmen. Wenn andere Möglichkeiten wie das Abfeiern von Resturlauben, flexible Schichtmodelle oder Arbeitszeitkonten ausgereizt seien, kämen sie dann an ihre Grenzen: „Dann müssen sie das nächste Register ziehen, und das ist Kurzarbeit.“

Zulieferer leiden unter Produktionsrückgang bei Autos

Allerdings scheint die - zumindest im Moment - im wesentlichen noch einen Bogen um die Ruhrstadt zu machen. „Bis jetzt ist in Schwerte noch nichts“, erklärt Mütze und zählt Großbetriebe auf. Hoesch Schwerter Profile sei noch nicht betroffen, von Zapp und Hundhausen sei ihm auch noch nichts bekannt. Die Arbeitsagentur hat Zahlen über kurzarbeitende Betriebe in der Stadt erst bis Februar veröffentlicht. Und da stehen für Schwerte gerade 14 Firmen mit 56 betroffenen Beschäftigten zu Buche.

Ob die Lage so glimpflich bleibt, wenn die Statistik für die weiteren Monate bekanntgegeben wird, ist zumindest fraglich. „Grundsätzlich gibt es überall Beschäftigungsrückgang“, sagt Mütze. Zu kämpfen hätten vor allem die Unternehmen, die Bauteile für die Automobilindustrie produzieren. Die Diskussion um die Dieselfahrzeuge und Elektromobilität habe zu einem Rückgang der Autoverkäufe geführt. Und wenn die Automobilindustrie ihre Produktion zurückfahre, habe das „extreme Auswirkungen auf die Zulieferer“.

Kurzarbeit hilft, Kündigungen zu vermeiden

Die Gewerkschaften sind immer mit an Bord, wenn Kurzarbeit geplant wird, um Kündigungen zu vermeiden. Betriebsrat und Geschäftsführung - so Mütze - treffen dann eine Betriebsvereinbarung, wie die höchstens ein Jahr dauernde Maßnahme umgesetzt werde und nehmen frühzeitig Kontakt mit der Arbeitsagentur auf. Die zahlt den betroffenen Mitarbeitern einen Ausgleich für die ausgefallenen Arbeitstage. Alleinstehende erhalten 60 Prozent, Verheiratete 67 Prozent des verlorenen Lohns, berichtet Mütze: „Manche Unternehmen stocken das dann auf freiwilliger Basis auf.“

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