Mit einem offenen Bauch wurde Frühchen Zoe geboren - nun ist sie eine normale Vierjährige

dzKinderschicksal in Schwerte

Mit einer seltenen Fehlbildung kam die Schwerterin Zoe Plichta auf die Welt. Ihre Bauchdecke hatte sich nicht geschlossen, die Därme lagen außerhalb ihres Körpers. Doch die Kleine kämpfte.

Schwerte

, 08.08.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie himmelt Fußballstar Marco Reus an. Singt lautstark „Ole BVB“, während sie so lange die Pedale ihres Emily-Fahrrädchens tritt, bis wieder Muskelkater in den Beinen droht. Wer Zoe in ihrem blauen Sommerkleidchen beim Spielen zuschaut, ahnt nicht, wie schwer sie um ihr Leben kämpfen musste. Vor vier Jahren war sie als winziges Frühchen mit einer offenen Bauchspalte auf die Welt gekommen. Dünn- und Dickdarm lagen komplett außerhalb ihres Körpers.

„Was aus der geworden ist, da kannst du jeden Tag nur staunen“, sagt Oma Marion Roth glückstrahlend. Ihre Familie wird die schlimmen Bilder in der Kinderchirurgie des Klinikums Dortmund nie vergessen. Monatelang lag die nur 2480 Gramm zarte Zoe an einem Beatmungsschlauch im Brutkasten, über ihr hing das Darmpaket in einem sterilen Sack, bis es in den Bauch hineinrutschte. Vier künstliche Darmausgänge mussten während der Behandlung gelegt werden. Doch Zoe wollte leben, wollte kämpfen, wie ihre Mutter Madeline Plichta erzählt. Sie war schon fast ein Jahr alt, als die Ärzte den letzten künstlichen Darmausgang endlich verschließen konnten.

Seit einem Jahr im Besila-Kindergarten

Es war die letzte Operation, die Zoe über sich ergehen lassen müsste. „Das einzige, was einen daran erinnert, sind die Narben“, sagt Marion Roth: „Sie hat alles aufgeholt.“ Mittlerweile zeigt die Waage 15 Kilo. Das Mädchen steht seinen Spielkameraden im Besila-Kindergarten in nichts nach, den sie seit einem Jahr besucht. Dort wissen die Erzieherinnen nur, dass sie ein wenig auf Zoes Ernährung achten und den Stuhlgang kontrollieren müssen. Stopfendes wie Bananen oder Karotten sollte sie nicht zu sich nehmen. „Je älter sie wird, desto mehr kann sie aber selbst wissen, was sie essen kann“, sagt Madeline Plichta. Damit können auch die Sorgen weniger werden, die der Mama trotz der prächtigen Entwicklung immer geblieben sind. Mittlerweile kann sie wieder ihrer Teilzeit-Arbeit in der Star-Tankstelle an der Villigster Ruhrbrücke nachgehen. Der Chef ist rücksichtsvoll, passt den Dienstplan an ihre Bedürfnisse an.

Ärzte haben Zoe nicht wiedererkannt

Voller Dankbarkeit spricht Madeline Plichta auch vom Ärzteteam um Dr. Andreas Leutner in der Kinderklinik Dortmund, wo sie noch vor 14 Tagen nur mal so auf Besuch vorbeischaute. „Sie haben mich sofort wiedererkannt, aber Zoe nicht“, sagt sie. Aus dem Sorgenkind von einst ist ein Prachtkind geworden, das am Mittwoch seinen vierten Geburtstag feierte. Familie und Freunden zeigte sie stolz ihr Geschenk, das nagelneue Fahrrad. Der Kindergeburtstag folgt am Sonntag. Bloß auf das übliche Geburtstagskrönchen im Kindergarten muss Zoe verzichten - die Einrichtung hat gerade Urlaub.

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