Unter Obstbäumen kann man sich auf diesem neuen Gräberfeld des Evangelischen Friedhofs begraben lassen. In jeder Baumscheibe ist Platz für sechs Urnen. © Reinhard Schmitz
Evangelischer Friedhof

Wie der Herr von Ribbeck: Letzte Ruhestätte unter einem Obstbaum

Auf dem Evangelischen Friedhof Schwerte ist ein besonderes Gräberfeld angelegt worden: In einem Zierobstgarten. Einziger großer Baum ist ein Apfel – mit einer speziellen Lebensgeschichte.

Beim legendären Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland spross ein Birnbaum aus der letzten Ruhestätte. Auf dem Evangelischen Friedhof kann man sich unter einem Apfelbaum beerdigen lassen. Noch ist sein Stamm gerade mal mannshoch. Doch in wenigen Jahren wird seine Krone als Solitär schützend über den Zierobstgarten hinausragen, den Friedhofsverwalter Frank Schröer als ganz besonderes Gräberfeld am oberen Rand seines neun Hektar großen Geländes angelegt hat.

Es bietet die Möglichkeit, fast wie in einem Friedwald begraben zu werden – nur, dass die Angehörigen alles auf ebenen Wegen selbst mit Rollator leicht erreichen können.

Die Idee stammt aus dem Rheinland – und wurde verbessert

Aus dem Rheinland hatte Frank Schröer die Idee mitgebracht. „Ich schaue mir überall, wo ich bin, Friedhöfe an“, berichtet er. Was ihm dort nicht so gut gefiel:

Es gab keine Baumscheiben um die Stämme, so dass die Besucher Kerzen und Blumengestecke ringsherum überall auf der Wiese verteilten – sehr lästig für die Friedhofs-Mitarbeiter beim Rasenmähen. Und man hatte „richtige“ große Obstbäume gepflanzt, die bei seinem Besuch im Spätsommer ihr Fallobst über die ganze Fläche verteilten.

Einen Apfelbaum pflanzte das Team von GaLa Hötter auf dem Evangelischen Friedhof. Im Hintergrund schauen Friedhofsverwalter Frank Schröer (l.) und Lars Kessebrock von der Volksbank Schwerte zu, die den Baum gespendet hat.
Einen Apfelbaum pflanzte das Team von GaLa Hötter auf dem Evangelischen Friedhof. Im Hintergrund schauen Friedhofsverwalter Frank Schröer (l.) und Lars Kessebrock von der Volksbank Schwerte zu, die den Baum gespendet hat. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

Deshalb wurden an der Hörder Straße in Schwerte nur Ziergehölze wie Felsenbirne oder Zierkirsche gepflanzt, deren Früchte klein bleiben. „Die holen sich die Vögel“, sagt Frank Schröer und erspart sich so das Zusammenrechen. Einzig bei dem Apfelbaum hat er eine Ausnahme gemacht. Und das hat seinen Grund: Er wurde von der Volksbank Schwerte gespendet und hat schon eine besondere Geschichte hinter sich.

Der Apfelbaum stand vorher in der Schalterhalle der Volksbank

„Wir hatten eine Aktion in unserer Schalterhalle“, erklärt Lars Kessebrock, der Schwerter Niederlassungsleiter der Volksbank. Mit Wurzelballen steckte der Apfelbaum dort in einem Topf, damit Kunden Wunschzettel an seine Zweige hängen konnten. Darauf hatten sie Vereine oder Kindergärten vorgeschlagen, die eine Unterstützung durch das Geldinstitut gut gebrauchen konnten.

Nach dem Ende des Projekts sollte auch der Baum gespendet werden. Dabei half die Garten- und Landschaftsgestaltung von Michael Hötter, der die Grünanlagen rund um die Volksbank an der Kuhstraße pflegt. Er schlug nicht nur den Evangelischen Friedhof vor. Sein Team setzte den Stamm am Mittwoch (7.4.) dort im Schneetreiben auch fachkundig in die Erde.

Der neue Apfelbaum steht als Solitär zwischen den Zierobstbäumen, in deren Baumscheiben wie in einem Friedwald Urnen beigesetzt werden.
Der neue Apfelbaum steht als Solitär zwischen den Zierobstbäumen, in deren Baumscheiben wie in einem Friedwald Urnen beigesetzt werden. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

Wenn er wächst und eines Tages die Äpfel reifen, hat der Friedhof eine weitere Attraktion. Auf der um 1880 gegründeten Anlage ruhen rund 9000 Schwerter. Einige von ihnen auf einem Beet, das in Form eines Fisches angelegt ist. Der war ursprünglich als christliches Symbol gedacht. Doch mittlerweile ist die Stätte besonders beliebt für die Beisetzung von Anglern.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Reinhard Schmitz, in Schwerte geboren, schrieb und fotografierte schon während des Studiums für die Ruhr Nachrichten. Seit 1991 ist er als Redakteur in seiner Heimatstadt im Einsatz und begeistert, dass es dort immer noch Neues zu entdecken gibt.
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