WfS: Schwerte verlangt von seinen Bürgern teuren „Gold-Standard“ bei der Kanalsanierung

dzMillionengeschäft Dichtheitsprüfung

Viele Städte erlauben eine preisgünstige Methode für die Dichtheitsprüfung der Abwasserleitungen. Für die Stadtwerke ist die Kamerafahrt erste Wahl. Sie wehren sich gegen Abzocke-Vorwürfe.

Schwerte

, 08.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Die Kritik der Hausbesitzer-„Abzocke“ bei der Dichtheitsprüfung von Abflussleitungen lassen die Stadtwerke nicht auf ihrer Tochter Stadtentwässerung (SEG) sitzen. Bei „ehrlicher Begutachtung“ der Schäden müsste man für die Reparaturen 80 Prozent weniger ausgeben, hatte der unabhängige Dichtheitsprüfer Guido Meiering gesagt. „Die von Herrn Meiering erhobenen Vorwürfe gegen die Stadtentwässerung Schwerte sind gegenstandslos“, entgegnen die Stadtwerke in einer Presseerklärung. Diese geht gleichzeitig auf den Fragenkatalog der WfS-Fraktion ein, die nachgehakt hatte, um Bürger vor unnötigen finanziellen Belastungen zu bewahren. Dabei ging es im Kern darum, ob bei der Kanaluntersuchung in Schwerte nur die aufwendigen Verfahren anerkannt würden.

Stadtwerke verweisen auf Vorgaben einer Verordnung

„Es gibt hier keinerlei Einschränkungen“, erklären dazu die Stadtwerke. Es würden alle Methoden zugelassen, die in der „Selbstüberwachungsverordnung Abwasser“ beschrieben seien, um die Zustands- und Funktionsfähigkeit der Abwasseranlagen zu untersuchen. Als Regelverfahren werde in einem Leitfaden des NRW-Umweltschutz-Ministeriums aber die optische Inspektion vorgesehen, also die Befahrung des Abwasserrohrs mit einer Kamera. Wenn diese allerdings teilweise oder ganz nicht durchführbar oder nicht ausreichend sei, sehe die Norm eine vereinfachte Dichtheitsprüfung vor. Dabei wird die Leitung mit Wasser vollgefüllt, um zu testen, ob und wieviel Flüssigkeit in einem Untersuchungszeitraum versickert. Das weise zwar die Dichtheit nach, „gibt aber keinen Aufschluss über die Stand- und Betriebssicherheit des Leitungssystems“, so die Stadtwerke. Die alleinige Prüfung mit Wasserdruck sei „nicht verordnungskonform“.

Andreas Czichowski fordert NRW-weite Gerechtigkeit

Daraus folgern die Stadtwerke: „Ist eine optische Inspektion mit der TV-Kamera also durchführbar, hat diese auch nach der DIN 1986 Teil 30 zu erfolgen und ist als Anlage zur Bescheinigung über das Ergebnis der Zustands- und Funktionsprüfung ... beizufügen.“ Das mache die Prüfarbeiten nachvollziehbar.

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Andere Städte sehen das anders, wie WfS-Chef Andreas Czichowski weiß. Eine große Anzahl von Gemeinden lege nicht den „Gold-Standard“ wie Schwerte an, sondern habe die Prüfung mit der Füllstandsmethode zugelassen. „Zweierlei Maß in einer Sache ist nicht richtig“, sagt er und wünscht sich eine Regelung, die NRW-weit Gerechtigkeit bringe. Denn das derzeitige Gesetz sei sehr interpretationsfähig. Das lasse „viel Spielraum, um den Bürgern richtig Geld abzuverlangen.“ Es könne bei der Kanalsanierung um Beträge von mehreren Hundert, aber auch von mehreren Tausend Euro gehen.

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