Westhofens Sup Peiter will in einer Kategorie zum Kölner Karnval aufschließen

dzUnesco-Kulturerbe

In Westhofen träumt man von der Champions-League der Kultur. Sup Peiter soll von der Unesco als Kulturerbe anerkannt werden. Warum die Chancen dafür nicht schlecht stehen.

Westhofen

, 26.09.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Geigenbau im italienischen Cremona, Yoga aus Indien, Rumba aus Kuba und der Kölner Karneval haben eines gemeinsam: Sie gehören zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit. Das wird von der Unesco, der Kulturorganisation der Uno, gefördert und geschützt.

Neben Traditionen kultureller Art gehören auch traditionelle Lanschaftsbearbeitung, wie die Almwirtschaft oder eben auch Feste zum geschützten Erbe. Bei den Festen tauchen neben dem weltbekannten Kölner Karneval auch das Bikebrennen auf Sylt, der „Meistertrunk“ zu Rothenburg op der Tauber oder die Passionsspiele in Oberammergau auf. Genau hier wollen sich die drei Westhofener Nachbarschaften mit dem Sup Peiter einreihen. Und die Chancen dafür stehen gar nicht schlecht.

Unterlagen in dieser Woche eingereicht

Am Montag reichte der Vorsitzende des Westhofener Heimatvereins, Martin Gerst, die Unterlagen ein. Auf 17 Seiten legten die Nachbarschaften die Tradition, die Gegenwart und die Zukunft Sup Peiters da. Außerdem sind zwei wissenschaftliche Begleitschreiben gefordert, um in den auserlesenen Kreis der weltweit geschützten Traditionen aufgenommen zu werden.

Westhofens Sup Peiter will in einer Kategorie zum Kölner Karnval aufschließen

Martin Gerst ist Vorsitzender des Westhofener Heimatvereins und natürlich auch bei Sup Peiter aktiv. © Foto: Manuela Schwerte

Ein erster Gutachter war mit Professor Wilfried Reininghaus schnell gefunden. Als gebürtiger Schwerter konnte der langjährige Präsident des Landesarchivs Nordrhein-Westfalen etwas zu der Westhofener Tradition beitragen. „Er hat uns aber auch schnell auf Fehler in unserer Darstellung hingewiesen“, erzählt Gerst.

Denn mit dem Germanentum, wie die Legende behauptet, hat Sup Peiter wohl nichts zu tun. Auch wenn der Wikipedia-Eintrag zu dem Fest noch die Wurzeln im germanischen Thing betont. Das hat man im Dritten Reich vermutlich hinzu erfunden, weil damals alles auf die Germanen zurück geführt wurde, vermutete Reininghaus.

Erste Urkunde über eine Feier aus dem Jahr 1882

Einmal von dem Mythos befreit weiß man nun, dass es die Westhofener Nachbarschaften mindestens schon im 16. Jahrhundert gab. Und die erste belegbare Feier des Nachbarschaftsgerichts Sup Peiter fand 1882 statt.

Schwieriger war es, ein zweites Gutachten für den doch nur sehr lokal bekannten Brauch zu finden. Doch mit dem Dortmunder Historiker Ingo Fiedler, der auch für den Westfälischen Heimatbund tätig ist, fand man einen zweiten Experten.

Die Bewerbung liegt jetzt bei der Universität in Paderborn, die für die Region die Anträge bearbeitet. „Die haben uns auch Tipps gegeben, wie wir unsere Bewerbung verfassen sollen“, erklärt Gerst.

Uni-Paderbron ist für Weltkulturerbe zuständig

Dr. Eva-Maria Seng von der Uni in Paderborn war es auch, die die Westhofener überhaupt auf die Idee brachte, sich bei der Unesco zu bewerben. Deshalb rechnet man sich auch ganz gute Chancen aus, anerkannt zu werden. „Und wenn nicht, wäre es aber auch kein Beinbruch“, so Gerst.

Die Kommission, die über die neuen Einträge in die Liste des immateriellen Kulturerbes auf Landesebene befindet, tritt übrigens im April zusammen. Von da aus könnte es auf die Bundesebene, oder gar auf die weltweite Liste gehen.

Ein bisschen haben letztlich auch die Ruhr Nachrichten zur Bewerbung beigetragen. Denn um zu zeigen, wie lebendig und aktuell die Tradition Sup Peiter gelebt wird, griffen die Westhofener bei ihrer Bewerbung auf Fotos der RN-Fotografen zurück.

Westhofens Sup Peiter will in einer Kategorie zum Kölner Karnval aufschließen

Vor dem Ofen soll der Delinquent seine Taten gestehen. Hier Sup Peiter bei der Westlichen Nachbarschaft. © Foto: Bernd Paulitschke

Für alle Nicht-Westhofener: Sup Peiter ist ein Nachbarschaftsgericht, das jährlich am Samstag nach dem katholischen Festtag Petri Stuhlfeier stattfindet. Es handelt sich um ein Nachbarschaftsgericht, das in den drei örtlichen Nachbarschaften gleichzeitig stattfindet. Ursprünglich wohl mal als ernste Vermittlung bei Streitigkeiten gedacht, hat es heute mehr Spaßcharakter. Die Delinquenten werden mit einem Stuhl immer näher an den Ofen geschoben, bis sie für ihre „Missetaten“ ein Wingeld zahlen.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt