Artur Kubik ist am Montagabend vor dem Fernseher im Wohnzimmer eingeschlafen. Das hat ihm vermutlich das Leben gerettet. Das, und ein unbekannter Mann, bei dem er sich bedanken möchte.

Schwerte

, 23.05.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Artur Kubik ist blass. Den Schrecken des frühen Dienstagmorgens hat er noch nicht verdaut. Aber er ist wohlauf. Die Rauchvergiftung, die er sich bei dem Wohnungsbrand an der Graf-Adolf-Straße zugezogen hat, war wohl nicht so schlimm, wie die Rettungskräfte zunächst befürchtet hatten. Nach und nach wird dem 39-Jährigen klar, welches Glück er hatte, aber auch, welche Folgen das Unglück noch haben kann.

Fangen wir an mit dem größten Glück: Artur Kubik lebt noch. Das hat er wohl einem Mann zu verdanken, den er gar nicht kennt, aber unbedingt finden will.

Kubik erinnert sich so an den Unbekannten: „Ich habe am Montagabend sehr lange ferngesehen und bin irgendwann im Wohnzimmer auf dem Sofa eingeschlafen. Morgens klingelte es plötzlich Sturm an meiner Wohnungstür, ich rappelte mich hoch, öffnete schlaftrunken, und vor mir stand dieser Mann und fragte: Kann das sein, dass es bei Ihnen brennt?“

Rettungskräfte brachten ihn sofort in die Spezialklinik

In der Tat: Artur Kubik schaute im Schlafzimmer nach, sah dichten Qualm und Flammen. Der Retter habe ihn förmlich aus der Wohnung getrieben, habe die Gefahr offenbar schneller erkannt als er.

Kubik: „Kaum stand ich vor dem Haus, kam auch schon der Rettungswagen. Obwohl ich das Gefühl hatte, dass mir nichts passiert war, ließen die Rettungskräfte gar nicht mit sich verhandeln. Ehe ich mich versah, waren wir unterwegs zum Bergmannsheil in Gelsenkirchen, wo es eine Druckkammer für Brandverletzte gibt.“

Wie es dazu kommen konnte, dass die Retter zunächst von einem nicht dort gemeldeten Opfer sprachen, kann sich Artur Kubik nicht erklären: „Ich wohne schon fast ein Jahr an der Graf-Adolf-Straße und bin dort auch gemeldet.“ Gut möglich, dass sein Retter in der Nachbarschaft wohnt. „Hätte der nicht geklingelt, wäre ich jetzt ein Grillhähnchen“, sagt Kubik voller Galgenhumor.

Familie blieb bis mittags im Ungewissen

Das mag sich seine Schwester gar nicht ausmalen. Als sie am Dienstagmittag ihre Eltern besuchen wollte, hatten die bereits von einem Brand an der Graf-Adolf-Straße gehört.

Sonja Siefke beruhigte die Mutter - und sich selbst: „Artur ist doch dort gemeldet. Der kann es nicht gewesen sein.“ Der Vater hatte sich derweil auf den Weg zum Sohn gemacht und kam mit der schockierenden Einsicht vom Brandort zurück, dass Artur der Schwerverletzte sei.

Wer ist der Mann, der Artur Kubik aus seiner brennenden Wohnung rettete?

Die Wohnung an der Graf-Adolf-Straße ist völlig ausgebrannt. © Reinhard Schmitz

Anrufe in drei Krankenhäusern halfen zunächst nicht weiter, die Polizei konnte der Familie schließlich sagen, dass Artur ins Bergmannsheil nach Gelsenkirchen gebracht worden war und es ihm verhältnismäßig gut ging. „Richtig erleichtert waren wir aber erst, als wir ihn dort sehen konnten.“

Nach der Sauerstoffbehandlung waren die Werte schnell wieder gut

In der Druckkammer bekam Artur Kubik mehrere „Portionen“ 100-prozentigen Sauerstoff. Bei dieser Therapie atmet ein Patient für einen definierten Zeitraum reinen Sauerstoff ein, während er sich in einer Kammer befindet, deren Druck höher ist als in der natürlichen Umgebung.

Der rote Blutfarbstoff Hämoglobin verbindet sich rund 300-mal fester mit Kohlenmonoxid als mit Sauerstoff. Dadurch ist die Versorgung des Körpers mit Sauerstoff bei einer Rauchvergiftung stark eingeschränkt. In der Überdruckkammer sättigen sich Blut und Körperflüssigkeit mit Sauerstoff. Bei Artur Kubik ging das relativ schnell, sodass er am Donnerstag schon wieder nach Hause konnte.

Wobei sein Zuhause erst einmal die Wohnung der Eltern ist, wo ihm jetzt die Folgen des Brandes, dessen Ursache noch nicht bekannt ist, mehr und mehr bewusst werden. „Er steht mit nichts da“, sagt seine Schwester mit Tränen in den Augen. Er hofft, dass er bald mal in den Keller des Hauses gehen kann, um dort ein paar Sachen rauszuholen.

Wer ist der Mann, der Artur Kubik aus seiner brennenden Wohnung rettete?

Schon am frühen Morgen war die Feuerwehr an der Graf-Adolfstraße im Einsatz, um den Brand in der Dachgeschosswohnung zu löschen. © Reinhard Schmitz

Unter anderem sein Fahrrad, mit dem er ab Montag wieder zur Arbeit bei dem metallverarbeitenden Betrieb SMT am Klusenweg fahren will. „Auf dem Wohnzimmertisch lagen Papiere und mein Portemonnaie“, erinnert sich Artur Kubik. „Vielleicht sind sie ja von Flammen und Löschwasser verschont geblieben. Und vielleicht sind ja auch andere Dinge noch zu retten.“

Artur Kubik steht jetzt ohne Wohnung und Besitz da

Wann und ob er seine Wohnung wieder betreten darf, steht noch nicht fest. Dass sie vorerst nicht bewohnbar sein wird, allerdings schon.

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In die Sorgen, wie es nun weitergeht und wer für den entstandenen Schaden aufkommt, mischt sich bei Artur Kubik und seiner Schwester immer wieder Erleichterung darüber, dass es ihm gut geht. „Hätte ich wie üblich im Schlafzimmer geschlafen“, sinniert er über mehrere glückliche Zufälle nach, „würde ich womöglich nicht mehr leben.“

Hätte er sich in dieser Woche nicht beim Arbeitgeber krankmelden müssen, wäre er wohl früh schlafen gegangen und hätte sich einen langen Fernsehabend verkniffen.

Und wäre nicht der aufmerksame Retter gewesen, dem Artur Kubik und seine Familie unbedingt persönlich danken möchten. Sie bitten ihn, sich in der Ruhr- Nachrichten-Redaktion unter Tel. (02304) 91 02 43 zu melden. Die Redaktion stellt dann den Kontakt zu Sonja Siefke her. Denn Artur Kubiks Handy liegt ebenfalls noch im Wohnzimmer seiner Dachgeschosswohnung. In welchem Zustand? Er weiß es noch nicht - wie so vieles, was sein Leben nach dem Brand betrifft.

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