Wer hinter den gelben Briefen in Schwerter Briefkästen steckt - und was er will

dz„Gelbe Westen Schwerte“

Die Gelben Westen Schwerte meldeten sich erstmals zu Wort. Dicke Thesen-Pakete in Klarsichthüllen verteilten sie am Wochenende an rund 1500 Haushalte in der Innenstadt. Wer hat sie gedruckt?

Schwerte

, 03.06.2019, 17:12 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gelb leuchteten die Thesen-Pakete aus den Klarsichtfolien, die am Wochenende in vielen Hundert Briefkästen und Zeitungsröhren in der Innenstadt aufgetaucht sind. Die Farbe ist Programm. Die „Gelben Westen Schwerte“ melden sich erstmals zu Wort. Doch wer steckt hinter dem Aufruf für einen wohlgemerkt gewaltfreien Kampf auch in der Ruhrstadt?

Die Adresse, die am Kopf der zweiten Seite vermerkt ist, führt zu einem Altbau an der Hagener Straße in Schwerte. In der Erdgeschoss-Wohnung, ein schmaler Schlauch, unterzieht der 78-jährige Lothar Haßler seinen Computerdrucker einem Dauertest. Hinter dem Titel mit der Aufschrift „So dreist werden Rentner abgezockt“ wollen jeweils 14 weitere Seiten mit Kritikpunkten am politischen System gedruckt, sortiert und in Klarsichtfolien gesteckt werden.

Aus Ärger über Gerhard Schröder aus SPD ausgetreten

„Am Samstag und Sonntag haben wir zu zweit 1500 Stück verteilt“, sagt der Organisator, der 28 Jahre lang das Parteibuch der SPD besaß - bis Gerhard Schröder an die Macht kam: „Er hat die Vermögensteuer abgeschafft. Die, die genug haben, kriegen’s noch in den Hals gesteckt.“ Das ist nur einer der Kritikpunkte, die Lothar Haßler nicht ruhen lassen. In seinem Programm geht es um Armut und Gerechtigkeit, Klimaschutz und Mietnomaden, Niedrigrenten und Arbeitslosigkeit. „Es ärgert mich, dass die Lobbyisten die Politik beherrschen“, erklärt der Schwerter. Mit dem Grundgesetz habe das nichts mehr zu tun. Sein komplettes Programm hat er selbst verfasst, bewusst ohne Fremdworte, klar und verständlich: „Und ich könnte bestimmt 50 bis 60 Seiten schreiben, was in Deutschland alles falsch läuft.“

Papier und Tinte aus eigener Tasche bezahlt

Doch auch seine jetzt verteilten 15 Seiten sind schon ein geballtes Paket an Systemkritik. Auf dem Tisch vor der Schrankwand in Eiche-rustikal stapeln sich schon die nächsten Exemplare: „Ich schätze, für ganz Schwerte brauchen wir 7000 bis 8000 oder vielleicht auch 10.000.“ Für seine Überzeugung greift Haßler tief in die eigene Tasche. Kartonweise schleppt er das Druckerpapier aus einem nahegelegenen Büroshop. Und 800 Euro allein habe er dort schon für die Farbpatronen gelassen: „Meinen letzten Cent gebe ich dafür, dass es gerecht wird in Deutschland.“ Das beseitige auch das Problem mit den Rechtspopulisten: „Wenn man die Leute zufriedenstellt, sind die ganz schnell weg.“

Wenn in etwa vier Wochen alle Haushalte der Stadt bedient sind, soll ein Aufruf zur friedlichen Demonstration in Schwerte folgen. „Wir sind nicht in Frankreich“, betont Haßler. Er will vorher das Gespräch mit Bürgermeister Dimitrios Axourgos suchen: „Man muss ja eine Genehmigung haben.“

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