Reporter Daniel Claeßen kommentiert als "Fretful Father" das Familienleben. © Foto Kristina Schröder Photography / Montage Klose
The Fretful Father

Warum man sich nicht auf Normalität freuen kann – es aber versuchen sollte

Für Familien ist es ein Silberstreif am Horizont: Die Rückkehr der Kinder in die Schulen scheint möglich. Die Hoffnung hat zwar etwas Trügerisches - unser Autor freut sich trotzdem.

Hurra, die Schulen öffnen wieder. Also bald. Irgendwie. Vorerst. Aber egal, ich finde die Entscheidung, Präsenzunterricht wieder zu ermöglichen, richtig. Und zwar nicht nur, weil mir das Homeschooling auf den Keks geht (obwohl es bei uns eigentlich reibungslos läuft) und das Haus bei seinem Verwohnungsgrad drei Jahre weiter ist als unser Familienkalender. Sondern auch, weil endlich, endlich wieder die Chance auf einen strukturierten Alltag außerhalb der eigenen vier Wände besteht.

Schon klar, das Problem bleibt: Schicken wir die Kinder wieder zur Schule und in die Kita, steigt das Infektionsrisiko. Aber wie ich an dieser Stelle schon einmal schrieb, nehme ich dieses Risiko mittlerweile gerne in Kauf, um das restliche Familienleben und ales, was dazu gehört, zu retten.

Und während die Politik mehrere Monate gebraucht hat, um zu erkennen, dass Familien in der Pandemie einem besonders starken Druck ausgesetzt sind, hat es wiederum nur einige Woche gedauert, bis man auf die Idee gekommen ist, Lehrer und Erzieher vielleicht doch etwas früher zu impfen. Es gibt also Hoffnung, dass irgendwann das Offensichtliche auch in Berlin und Düsseldorf erkannt wird. Tendenz steigend.

Also haben wir in Nordrhein-Westfalen ab dem 22. Februar wieder etwas mehr Normalität. Knapp eine Woche später können wir vielleicht schon wieder zum Friseur. Und nochmal 14 Tage später ist möglicherweise sogar ein Einkaufsbummel mit abendlichem Candle-Light-Dinner beim Lieblingsitaliener drin. Klingt fast ein bisschen wie das Paradies, oder?

Dummerweise wissen wir, was uns erwartet

Problem: So wirklich freuen kann man sich darauf nicht. Weil selbst die Kinder schon sagen: „Mal sehen, ob das wirklich klappt.“ Viel wahrscheinlicher erscheint vielen die Variante, dass spätestens in zwei Wochen die Mutation dazwischen grätscht und wir exakt ein Jahr nach dem Beginn der Pandemie wieder bei Null anfangen. Dummerweise wissen wir genau, was dann auf uns zukommt.

Und dieses Wissen führt aktuell dazu, dass Pessimismus und Lethargie in vielen Familien die Oberhand gewonnen haben. Was möglicherweise am Ende gefährlicher ist als das Virus selbst.

Welche Hoffnungen bleiben also? Impfungen, klar. Allerdings wurden Familien bei den Prioritäten-Gruppen so weit ich weiß gar nicht berücksichtigt. Warum auch. Und eben: Lockerungen. Denn auch das liebevoll in der Restaurantküche zubereitete und anschließend gelieferte Valentinstagsdinner kann kein Date ersetzen – allein schon weil man ständig befürchten muss, dass der Nachwuchs hereinplatzt. Wir müssen also lernen, uns wieder auf die nächsten Wochen zu freuen – und gleichzeitig hoffen, dass alles gut geht. Ein Teufelskreis.

ZWISCHEN BESORGT UND VERÄRGERT

In seiner Kolumne „The Fretful Father“ schreibt Reporter Daniel Claeßen über Dinge, die ihn als Familienvater bewegen. Und auch wenn er die Probleme seiner Kinder stets ernst nimmt, ist hier nicht immer alles ernst gemeint. Der Titel der Kolumne ist angelehnt an das „Fretful Mother Magazine“ aus der Serie „Die Simpsons“. Womit auch klar ist, dass hier immer mal wieder das Kind im Manne durchkommt. Außerdem kann „fretful“ nicht nur „besorgt“, sondern auch „quengelig“, „weinerlich“ und „verärgert“ bedeuten – womit die Gefühlsspanne unseres Autors ziemlich gut abgebildet wird.

Über den Autor
Redaktion Lünen
Journalist, Vater, Ehemann. Möglicherweise sogar in dieser Reihenfolge. Eigentlich Chefreporter für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen. Trotzdem behält er auch gerne das Geschehen hinter den jeweiligen Ortsausgangsschildern im Blick - falls der Wahnsinn doch mal um sich greifen sollte.
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Daniel Claeßen

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