Warum kein Zaun der Welt die Schwerter Grundschüler vor den Stadtpark-Trinkern schützt

dzKlare Kante

Wie kann man verhindern, dass Grundschüler die Schwerter Stadtpark-Szene sehen? Aktueller Vorschlag: Zaun höher, Plane dran. Was für ein Quatsch! So löst man doch kein Problem!

Schwerte

, 26.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Was macht der Trinker tagsüber? Richtig: Er trinkt. Verliert nach und nach Sprache und Hemmungen, muss auch mal.

Wer sich morgens trifft, um Alkohol zu trinken, tut das entweder, weil er das heute mal möchte. Oder weil er krank ist und eigentlich Hilfe bräuchte.

Gehen Sie doch mal zu einem x-beliebigen Schützenfest und fragen die Beteiligten, was sie von der Stadtpark-Szene unterscheidet. Die würden doch vormittags auch schon die „Kannen“ am Start haben.

Und bevor sich jetzt die Schützen aufregen, wie man so einen fiesen Vergleich ziehen kann: So läuft es doch auch in anderen Vereinen. Fußballer feiern Saisonabschluss auf Malle - und gleich nach dem Aufstehen geht es los. Auch vormittags wird gezapft. Oder man gönnt sich ein Sektchen, um in Schwung zu kommen. Bis in die Kreise hinein, die sich in Galerien und Konzertsälen der Hochkultur hingeben.

Kann man an den anderen 364, 350, 300 Tagen auf Alkohol verzichten?

Der Unterschied: Die meisten können an den anderen 364, 350, 300 Tagen im Jahr auf Alkohol verzichten. Oder sie haben genug Geld oder gesellschaftliches Ansehen, um ihre Alkoholkrankheit zu kaschieren.

Die Stadtpark-Szene kann das nicht. Hier ist deutlich zu sehen, was denn passiert, wenn das Bier zum Alltagsbegleiter wird, wenn der Schnaps, die illegale Droge, von mir aus auch das Methadon den Tag strukturiert. Und wenn all das andere wegbricht: Arbeit, Wohnung, Beziehungen, Familien, Freundschaften.

Ja, das ist schlimm anzusehen. Für Erwachsene schon, aber erst recht für Kinder im Grundschulalter. Wie soll man ihnen erklären, was auf den Bänken passiert, warum die Männer zwischendurch auch mal neben dem Schulhof pinkeln gehen? Wer das kindgerecht erklären will, muss erst einmal erklären, wie wichtig der Rausch in der gesamten Gesellschaft ist. Und warum der Trinker im Stadtpark bäh ist, aber der Papi beim Frühschoppen nicht.

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10.000 Euro - so billig kann eine Lösung doch auf Dauer nicht sein

Rund 10.000 Euro kosten Zaun und Plane sowie das Verrücken der Bänke im Stadtpark. Nur wo könnten die Bänke überhaupt idealerweise stehen? Noch näher an der Bahnhofstraße, neben Bushaltestelle und Einkaufstreiben? Oder auf der anderen Seite, im Seniorenheim am Stadtpark, wo sich viele Bewohner schon jetzt eingeschüchtert und unwohl fühlen, wenn sie auf die Szene treffen?

Ja, es ist schon praktisch, soziale Probleme einfach aus den Innenstädten und damit aus dem Bewusstsein der Menschen zu vertreiben. Damit der Bettler nicht mehr vor dem Einkaufszentrum nervt. Damit Drogenabhängige das Bild einer sauberen Innenstadt nicht stören.

Zaun und Plane sind auch so eine Lösung. Klingt nach „Nimby“. So bezeichnet man auf Englisch Leute, die sagen: „NIMB - not in my backyard“, also „nicht in meinem Hinterhof“. Soll das Unangenehme doch anderswo sein. Die Umgehungsstraße, das Neubaugebiet, der Feuerwehr-Neubau samt Sirene.

Es ist ja richtig, die Grundschüler zu schützen, aber...

In diesem Fall ist das ja sogar einmal richtig. Niemand wird ernsthaft bezweifeln, dass es besser ist, wenn Grundschüler und Trinker und Junkies und Wildpinkler nicht aufeinandertreffen.

Wenn man das aber erreichen will, muss man kreativer sein oder mehr Geld ausgeben. Wie wär‘s denn mit einer öffentlichen Toilette? Wie wäre es denn, sich mal ernsthaft damit zu befassen, ob sich die Szene anderswo treffen könnte? Und vor allem auch will. Mit den Betroffenen sprechen, mit ihnen entscheiden statt über sie - das wäre eine erwachsene Entscheidung.

Aber die Stadtpark-Trinker einfach weiter auszugrenzen? Das - Pardon - ist eine kindische Entscheidung auf Grundschüler-Niveau.

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