Warum ist es für die Stadt so schwer, gute Mitarbeiter zu bekommen?

dzKommunale Verwaltung

Die Kämmerin geht nach Lünen. Auch weil die Nachbarstadt bessere Karrieremöglichkeiten bietet. Doch der Kampf um Mitarbeiter für Städte und Gemeinden findet auch auf anderen Ebenen statt.

Schwerte

, 13.07.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im September verlässt Kämmerin Bettina Brennenstuhl die Stadt Schwerte. Sie wird in Lünen zwar ebenfalls das Ressort Finanzen der Stadt leiten, dafür aber Erste Beigeordnete der Stadt werden - ein Karrieresprung. Eine höher bewertete Aufgabe in einer größeren Stadt, das bedeutet auch einen Gehaltssprung: Von der Besoldungsgruppe B2 geht es in Lünen in die Gruppe B4.

Oder in Zahlen: (Musterrechnung/verheiratet, ohne Kinder/ laut Besoldungstabelle) ein Sprung von 95.921,88 auf 107.190,12 Euro Jahresgehalt.

Die unterschiedliche Bezahlung oft auch vergleichbarer Jobs macht es den kleinen Kommunen zunehmend schwieriger, an Personal zu kommen.

Freie Wirtschaft und größere Gemeinden zahlen besser

„Ja, wir stehen sozusagen in doppelter Konkurrenz, nämlich zur freien Wirtschaft und zu größeren Gemeinden, die ganz andere Möglichkeiten der Bezahlung haben“, bestätigt Bürgermeister Dimitrios Axourgos. „Das betrifft nicht nur das Gehalt unserer Spitzenbeamten, sondern zieht sich auch über die Ebenen darunter. Ich bin aber sehr froh, dass es uns trotzdem bis jetzt immer gelungen ist, unsere Stellen adäquat und qualifiziert zu besetzen“.

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Anders als in Schwerte, das mit seinen 48.000 Einwohnern im mittleren Bereich liegt, werden in größeren Gemeinden die Aufgaben anders zusammengestellt, sodass sie höher bewertet werden können. Der Effekt: Die jungen Leute zieht es in die umliegenden Großstädte.

Ein Phänomen, das auch Landrat Michael Makiolla kennt, obwohl der Kreis ja deutlich größer ist. Auch hier muss man in vielen Bereichen mit anderen Kommunen um die qualifizierten Mitarbeiter kämpfen.

Weniger Bewerber in bestimmten Bereichen

Wie dramatisch sich die Lage zuspitzt, das zeigen Zahlen, die der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) im Juli 2019 veröffentlicht hat. Gemeinsam mit einer Unternehmensberatung fragte er die personelle Lage in fast 500 Rathäusern ab und verglich die Ergebnisse mit denen einer ähnlichen Erhebung aus dem Jahr 2012.

Vor allem bei IT-Fachkräften, Absolventen von Ingenieur-Studiengängen, Erziehern, Technikern sowie Meistern in technischen Berufen wird ein Rückgang der Bewerberzahlen beklagt.

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Amt der Kämmerin kann höher besoldet werden

Natürlich gibt es für die Kommunen auch kleine Spielräume. Das regelt Absatz 5 im Paragraphen 2 der Eingruppierungsverordnung des Landes NRW. Dort heißt es: „Ohne die Voraussetzungen des Absatzes 4 können Gemeinden mit mehr als 20.000 Einwohnern das Amt der Kämmerin ... in die Höchstbesoldungsgruppe eingruppieren, die für die sonstigen Beigeordneten vorgesehen ist.“

Dieser Absatz kann angewendet werden, wenn besagte Voraussetzungen in Absatz 4 nicht gegeben sind, eine Stadt wie Schwerte also mehr als 50.000 Einwohner hat oder die Wahlbeamtin ihre ganze Amtszeit von acht Jahren abgeleistet hat.

Der Rat folgte im Juli 2018 dem Vorschlag der Verwaltung.

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