Warum die American Burger Lounge in Schwerte wieder geschlossen hat

dzRestaurants in Schwerte

Die glorreichen Disko-Zeiten sind lange vorbei. Auch der Versuch, den Musicpub in Wandhofen als Burger-Lokal zu beleben, dauerte nicht mal ein Jahr. Das sagen Vermieter und Gastronom.

Wandhofen

, 13.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Schon wieder dunkel sind die Fenster des früheren Musicpubs: Der Versuch, den traditionsreichen Treffpunkt an der Wandhofener Straße als Edel-Burger-Restaurant wiederzubeleben, ist nach nicht einmal einem Jahr gescheitert. Ende Mai habe die American Burger Lounge die Pforten ihrer Filiale in Wandhofen geschlossen, sagt Vermieter Frank Goll und fügt hinzu: „Aber nur hier. In Unna läuft der Betrieb weiter.“

Warum die American Burger Lounge in Schwerte wieder geschlossen hat

Verwaist ist auch der Biergarten mit den markanten Ölfässern. © Reinhard Schmitz

„Ich finde es schade, weil das Konzept gepasst hat wie die Faust aufs Auge“, erklärt Goll. Über die Küche der Burger Lounge habe er niemals Beschwerden gehört: „Aber die Frequenz war nicht so, dass der Geschäftsbetrieb sich nachhaltig gelohnt hätte.“ Das Nachlassen der Gästezahlen habe sich schon Anfang des Jahres abgezeichnet. Um zu sehen, ob es sich vielleicht nur um eine saisonale Erscheinung handelte, habe man damals vereinbart, noch die Entwicklung des Frühjahrs abzuwarten: „Aber es ist keine nachhaltige Erholung eingetreten.“ Deshalb habe man den Mietvertrag „einvernehmlich auslaufen“ lassen. „Mir tat´s am meisten Leid“, sagt Goll.

Burger-Bräter will sich auf Sitz in Unna konzentrieren

Der bisherige Betreiber, der namentlich in diesem Zusammenhang nicht mehr genannt werden will, spricht von der schwierigen Heizsituation in dem historischen Gemäuer. Vor allem aber habe Personalmangel zu seinem Beschluss geführt, die Filiale in Wandhofen zu schließen. „Ich kann mich nicht teilen“, sagt er. Deshalb wolle er sich konzentrieren auf den Stammsitz seiner American Burger Lounge an der Soccerhalle in Unna: „Gäste aus Schwerte sind hier willkommen.“ Dieses Angebot werde auch genutzt.

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Derweil rätselt Vermieter Goll, warum der Versuch in Wandhofen scheiterte. „Vielleicht ist es dort zu klein,“ sagt er: „Zu abgelegen kann es nicht sein.“ Direkt am Kreisel der vielbefahrenen Hagener Straße, wo die Autofahrer abbremsen müssen und aufmerksam werden auf das Restaurant. Aber vielleicht hätten sich die Zeiten und das Ausgehverhalten geändert, sodass sich die jungen Leute mehr nach Dortmund orientierten. Andererseits kennt Goll auch „Schwerter Ausnahme-Gastronomien“ wie die Keule an der Wilhelmstraße oder das neueröffnete Carlos-Restaurant in Schwerte-Ost, die Gäste ganz gezielt anfahren.

Auch der Musicpub sei doch lange Jahre erfolgreich bewirtschaftet worden und ein Treffpunkt gewesen, erinnert sich der Vermieter. Vor rund 40 Jahren wurde das historische Gebäude, dessen Bruchsteinwände zwischen 1860 und 1880 hochgezogen worden waren, zu einer Gaststätte umgebaut. Eigentlich hieß sie „Schulte am Bruch“, in den Sprachgebrauch bürgerte sich aber ihr Untertitel „Musicpub“ ein. Wechselnde Pächter betrieben sie später unter dem Namen „Kuhstall“ und „Glockenschlach“, lockten Besucher bis aus dem nahen Sauerland. Damit war 2006 Schluss, als die letzte Diskonacht stieg.

Gebäude ist auch für Einzelhandel nutzbar

Für fünf Jahre zog anschließend ein Weinhandel in die 270 Quadratmeter großen Räume mit ihrem einmaligen Flair ein, das von Einbauten aus Fachwerk, schmiedeeisernen Gittern und Sprossenfenstern geprägt ist. Wieder zurückzukehren zu einer Nutzung für den Einzelhandel, wäre für Goll vielleicht eine Überlegung wert. Andererseits sieht er, wie in der Nachbarschaft gerade mit der Erschließung des großen Gewerbegebiets Wandhofener Bruch begonnen wird: „Das könnte eine Chance für die Gaststätte sein, wenn die entsprechende Frequenz kommt.“ Die Beschäftigten und Lieferanten müssten ordentlich Hunger und Durst mitbringen. Die Zufahrt zu ihren Arbeitsplätzen wird sie jedenfalls direkt an der bisherigen „American Burger Lounge“ vorbeiführen. Entschieden ist aber bislang nichts. „Ich habe erstmal keinen Plan B“, bekennt der Vermieter: „Ich bin noch ein bisschen ratlos.“

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