An die fünf Meter misst der Baumteller der mächtigen Buche, die Sturm Wibke in einem Bachtal in der Nähe des Mutter-Möller-Wegs im Schwerter Wald wie ein Streichholz umgekippt hat. Stadtförster Christoph Jendrusch kann den Baum liegen lassen, da die Natur sich in diesem Gebiet ungestört entwickeln soll. Er rät zur Vorsicht bei Spaziergängen im Wald. © Reinhard Schmitz
Schwerter Wald

Vorsicht im Wald: Sturm kann ganze Wurzelteller aus matschigem Waldboden reißen

Die stärksten Stürme kommen erst noch im Februar. Davon ist der Schwerter Stadtförster Christoph Jendrusch überzeugt. Eine zusätzliche Gefahr ist der aufgeweichte Boden. Wurzeln finden wenig Halt.

Fast zwei Stockwerke hoch ragt der Wurzelteller der alten Buche senkrecht in die Luft. Stadtförster Christoph Jendrusch wirkt ein wenig verloren vor der Erdplatte, die in einem Bachtal unweit des Mutter-Möller-Wegs einfach aus dem Waldboden gerissen und hochgeklappt ist.

Sie gibt selbst dem Laien eine Ahnung davon, welche enormen Kräfte im Spiel gewesen sind, als Windböen den mächtigen Baum umgekippt haben.

Die Buche im Schwerter Wald ist ein Flachwurzler

„Ein paar Tonnen hängen an dem Wurzelteller bei so einem alten Baum“, erklärt Christoph Jendrusch. Das bedeutet eine riesige Hebelwirkung, die durch den schwankenden Stamm ausgeübt wird. Zumal die Buche, die 60 Prozent des Schwerter Waldes bedeckt, ein Flachwurzler ist.

Er gräbt seine Triebe nicht wie einen Pfahl tief in die Erde hinein. Das macht ihn angreifbarer für den Sturm. Wenn dann noch der Stamm durch Pilze angegriffen wird, sodass Teile der Wurzeln unbemerkt verfaulen können, verliert er schnell seinen Halt.

Der Wurzelteller nahe des Mutter-Möller-Wegs ist zwar kein Ergebnis des jüngsten Januar-Sturms Goran. Er stammt noch vom Orkan Wiebke, der Ende Februar 1990 über das Ruhrtal hinwegfegte und wird schon von Moos und anderen Gewächsen erobert. Aber der Stadtförster ist überzeugt: „Im Februar bekommen wir noch Stürme – hoffentlich nicht, aber es könnte so kommen.“ Denn der Februar sei nach seinen Erfahrungen der schlimmste Monat.

Goran verschonte den Schwerter Teil des Waldes

Einen Vorgeschmack darauf hat schon Goran gegeben, als er in der Dortmunder Hälfte des Schwerter Waldes eine Buche quer über einen Wanderweg kippte. Auf der Schwerter Seite hat Christoph Jendrusch bei seinen Kontrollen auf den Hauptwegen, die er alle mit seinem Dienstwagen abgefahren hat, glücklicherweise keine größeren Schäden feststellen müssen. „Es war gottseidank alles glimpflich“, sagt er. Lediglich ein paar kleinere Äste aus dem Kronenbereich seien zu Boden gefallen.

Trotzdem mahnt der Experte zur Vorsicht, wenn wie erwartet der nächste Sturm kommt. „Alles über 100 Stundenkilometern ist gefährlich“, sagt er. Ab diesem Wert beginnt für die Meteorologen ein orkanartiger Sturm. Er ist umso gefährlicher, da die Regengüsse und Schneefälle der vergangenen Wochen den Waldboden aufgeweicht haben.

Weil alles so schlammig ist, könne ein ganzer Wurzelteller entwurzelt werden. Eine weitere Gefahr sei Astbruch, wenn der Baum sogenannte Taschen oder Elefantenohren gebildet hat, in denen Feuchtigkeit und Fäulnis leichtes Spiel haben.

Förster: Betreten des Waldes geschieht auf eigene Verantwortung

„Grundsätzlich ist bei Sturm und großen Windstärken im Wald Vorsicht geboten“, sagt der Stadtförster. Das Betreten geschehe auf eigene Verantwortung: „Man muss mit den typischen Waldgefahren rechnen.“

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Redaktion Schwerte
Reinhard Schmitz, in Schwerte geboren, schrieb und fotografierte schon während des Studiums für die Ruhr Nachrichten. Seit 1991 ist er als Redakteur in seiner Heimatstadt im Einsatz und begeistert, dass es dort immer noch Neues zu entdecken gibt.
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