Adrian Plaza hat sich im November 2019 mit der Firma Vliesmo in Schwerte selbständig gemacht. © Carina Strauß
Unternehmer in Schwerte

Vom Hilfsarbeiter zum Chef – Adrian Plaza bringt frische Luft in die Industrie

Im November 2019 gründete Adrian Plaza die Firma Vliesmo in Schwerte. Der Unternehmer hatte sich lange darauf vorbereitet. Den Anstoß zur Karriere gab eine Lehrerin einer Schwerter Schule.

Adrian Plaza hat sich im November 2019 selbstständig gemacht. Er gründete die Firma Vliesmo in Schwerte. Dabei hat er den Standort Schwerte ganz bewusst gewählt. Seit er mit 11 Jahren mit seiner Familie aus Polen nach Deutschland kam, lebte er immer hier in Schwerte. „Man hört immer das Unternehmen abwandern, ihren Sitz im Ausland haben und hier keine Steuern zahlen. Und das wollte ich vermeiden. Wir sagen: Wir sind hier, wir sind umweltbewusst, wir sind kundenorientiert, wir zahlen unsere Steuern auch hier. Schließlich verdienen wir unser Geld auch hier. Und die Kundennähe ist auch eine ganz andere.”

Firma hat zwei Standbeine

Doch was macht Vliesmo eigentlich? „Wir verkaufen Filter: Hydraulikfilter, Luftfilter, alles, was mit der Filtration von Luft oder anderen Medien (zum Beispiel Sägespäne) zu tun hat. Das andere Standbein sind komplette Filteranlagen für die Farbindustrie. Zum Beispiel wenn Kartonagen hergestellt und bedruckt werden, werden auch verschiedene Filteranlagen benötigt, die die Farbe aus dem Wasser ziehen.”

Produziert werden die Filter in Polen. „Wir produzieren hier in Europa, das war mir persönlich auch wichtig. Das wir die Produkte nicht zum Beispiel von China nach Europa transportieren müssen. Das wäre nicht der Umweltgedanke, der dahinter stehen soll.”

Corona-Pandemie brachte Sorgen

Plaza hat die Firma kurz vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie gegründet. Ein Problem? „Es hat uns nicht hart getroffen. Man könnte wahrscheinlich noch stärker wachsen und sich weiterentwickeln.” Natürlich habe er sich Sorgen gemacht. Aber im Nachhinein betrachtet, habe sich das Unternehmen ganz gut entwickelt. Dadurch das Vliesmo verstärkt auf Online-Shop und Co. gesetzt habe, sei man gut durch die Krise gekommen.

Lehrerin hat den Weg geebnet

Der Weg dorthin war lang. Alles begann mit dem Umzug nach Deutschland. „Es war schon schwierig, dort wegzugehen und hier nach Deutschland zu kommen, ohne ein Wort Deutsch zu können”, so Plaza. Er kam damals in die Hauptschule in Schwerte und wusste noch gar nicht wirklich, was er später mit seinem Leben anfangen sollte. Den Anstoß in die zukünftige Richtung gab eine Lehrerin: „Ich hatte eine Lehrerin, die einen guten Weitblick hatte. Und die sagte ‘Volkswirtschaft, das kannst du eigentlich ganz gut. In die Richtung solltest du mal gehen.'” Das hat er beherzigt und ging später zur Handelsschule.

Schrittweise zum Unternehmer

Mit 17 hat Adrian Plaza angefangen, mit dem Gedanken zu spielen, mal eine eigene Firma zu gründen. Doch er wusste, dass er dazu noch einiges lernen musste. Zunächst wollte er eine Ausbildung zum Speditionskaufmann machen. Trotz guter Vorstellungsgespräche und Einstellungstests hat das nicht geklappt. Also fing er als Hilfsarbeiter im Lager an und arbeitete sich zum Lagerleiter hoch. „Irgendwann hatte ich genug Berufserfahrung, um dann mit dem Logistikmeister anzufangen”, so Plaza.

Im gleichen Zug ist er in den Bereich Maschinenbau gewechselt. Dort lernte er die Bereiche Einkauf, Leitung der Logistik und Arbeitsvorbereitung kennen. Danach fing er den technischen Betriebswirt an. „Ich dachte, es kann ja nicht das Ende sein. Ich wollte immer was neues lernen”, so Plaza. Er betont: „Wir leben in einer Welt, in der Wissen für alle zugängig ist. Jeder kann lernen, was er möchte. Das ist wirklich ein Luxus.”

Im nächsten Schritt wurde Adrian Plaza Vertriebsleiter im technischen Großhandel. „Ich habe mir gedacht, was du jetzt nicht kannst, das lernst du schon beim Machen.” Danach hatte er das Gefühl, die Fähigkeiten, die ein Unternehmer braucht, zu haben und wagte den nächsten Schritt: Er machte sich mit Vliesmo selbstständig.

Wie aus Vliesmotion Vliesmo wurde

Vliesmo sollte übrigens ursprünglich mal Vliesmotion heißen. Doch der Computer hatte die bessere Idee: „Ich habe das getippt und der Computer ist bei Vliesmo stehen geblieben. Das passte irgendwie noch viel besser.”

Für das Marketing seiner Firma braucht es Kreativität. „Filter sind jetzt kein so spannendes Produkt, da muss man beim Marketing einige Hebel in Bewegung setzen.” Und das tut er. Neben der selbst gebauten Homepage und dem Online-Shop betreibt Plaza auch einen Youtube-Kanal, auf den er Videos stellt, in denen er Filter erklärt. Auch ein Blog gehört zu der Homepage von Vliesmo dazu.

Das alles macht er in Eigenregie. „Ich habe mir zuhause ein kleines Studio mit einer grünen Wand aufgebaut. Mit einem Videoprogramm wird anschließend der Hintergrund ausgetauscht. Damit das am Ende auch professionell aussieht.”

Verwunderung über günstige Preise

Viele würden sich wundern, warum Vliesmo die Produkte so günstig an den Markt bringen kann. „Wir besuchen unsere Produktionsstätte sehr oft. Wir gucken, dass die Leute vernünftige Arbeitsbedingungen haben, dass sie gut bezahlt werden. Eine Fluktuation in dem Produktionswerk ist fast nicht vorhanden”, so Plaza. Natürlich könne man die Preise erhöhen. „Aber wenn Geld die einzige Motivation ist, um ein Unternehmen zu gründen, dann denke ich, ist man als Unternehmer nicht unbedingt an der richtigen Stelle.”

Plaza mache dagegen das Drumherum am meisten Spaß. Die Entwicklung des Blogs, der Website, des Shops, das sei das, was richtig Spaß macht. „Natürlich muss man auch von irgendwas leben. Aber die Arbeit fühlt sich für mich nicht wie Arbeit an.”

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