Lars Kessebrock und Sabine Tesch von der Volksbank Schwerte beim Jahrespressegespräch 2020. Die Pressekonferenz 2021 fiel Corona zum Opfer. © Heiko Mühlbauer
Jahresbilanz

Volksbank plant Negativ-Zinsen für Privatkunden

Die Volksbank vermeldet Rekordwachstumsraten bei Geschäftsvolumen, Krediten und Kundeneinlagen: Letzteres sorgt allerdings für eine unpopuläre Maßnahme: Negativ-Zinsen für Privatkunden.

Eigentlich könnte man bei der Volksbank in diesem schweren Zeiten zufrieden sein. Das Geschäftsvolumen der Volksbank Schwerte wuchs 2020 um 56,4 Millionen Euro. Das entspricht einem Wachstum von 8,1 Prozent. Die Kundeneinlagen stiegen dabei um 50 Millionen Euro – also um 12 Prozent.

Mehr Kredite vergeben

Bei den Kundenkrediten gab es ein Wachstum von 16,4 Millionen Euro beziehungsweise 2,1 Prozent. Insgesamt konnten rund 42,6 Millionen Euro neuer Kredite im heimischen Marktgebiet vergeben werden. Und auch die Zahl der Mitglieder stieg erneut: 290 neue Genossenschaftler konnte man begrüßen.

Alles ist also gut, aber Horizont zeichnen sich düstere Schatten ab. Denn die Kundeneinlagen steigen und steigen. Zu den Einlagen von klassischen Sparern, die es in Deutschland noch überproportional viele gibt, kam noch jenes Geld, das in der Corona-Krise nicht ausgegeben werden konnte. Und das sorgt bei der Volksbank für Unbehagen.

Vorstandschef kündigt Negativ-Zinsen an

„Was vor zehn Jahren noch zu einem Begeisterungssturm geführt hätte, treibt uns heute allerdings erhebliche Sorgenfalten auf die Stirn. Von unseren 7 Milliarden Euro Kundeneinlagen liegen circa 60 Prozent auf Kontokorrentkonten unserer Geschäfts- und Privatkunden. Mit diesen Einlagen ist es kaum möglich zu arbeiten, weil sie täglich abverfügt werden könnten. Ganz im Gegenteil: Hierfür zahlen wir 0,5 Prozent Negativzinsen bei der Bundesbank, und das kostet uns erhebliches Geld“, berichtete der Vorstandsvorsitzende der Volksbank Dortmund, Martin Eul.

Er kündigte in einer Pressemitteilung an, dass man diese Negativzinsen bald auch an private Kunden weitergeben werde.

Da die Schwerter Volksbank zur Dortmunder gehört, fragten wir beim Schwerter Volksbankchef, Lars Kessebrock, nach. Ganz so weit sei man aber noch nicht, erklärte der. Im Haus beschäftigen sich einige Leute mit dem Thema. Eine endgültige Entscheidung darüber, wie man das umsetzen wolle, sei noch nicht gefallen. Fest stehe aber: Es werde einen Freibetrag geben. „Die Kleinsparer wird das nicht treffen“, so Kessebrock.

Außerdem könne man davon ausgehen, dass alle Kunden im Vorfeld beraten würden. Es gebe auch risikolose Anlageformen, um mit seinem Geld noch Rendite zu erwirtschaften. Wer es einfach auf dem Konto lasse, müsse ja schon jetzt Verluste durch die Inflation hinnehmen. Allerdings: Wer kurzfristig große Summen liquide haben will, der müsste halt in den sauren Apfel beißen.

Sparer von anderen Banken durch Zinsverzicht angelockt

Ein Teil des Problems bestehe auch darin, dass man bislang auf Negativzinsen verzichtet habe. Das habe Kunden von anderen Banken, die diese Zinsen schon eingeführt haben, angelockt. „Deshalb müssen wir uns leider sehr ernsthaft damit befassen, auch für privates Geld Negativzinsen einzuführen. Wir wissen, dass es hierfür keinen Schönheitspreis zu gewinnen gibt, sehen aber keinen anderen Ausweg, diese wahre Einlagenflut zu stoppen“, so Vorstandvorsitzender Eul in seiner Presseerklärung am Mittwochvormittag.

2 Prozent Dividende auf Genossenschaftsanteile

Gleich geblieben ist das Engagement der Volksbank in der Region. „In Schwerte haben wir Einrichtungen aus Kunst, Kultur, Wissenschaft und Sport im Jahr 2020 mit insgesamt 30.000 Euro gefördert“, erläuterte Kessebrock.

Ach ja, dann gibt es natürlich noch die Dividende für die Anteile der Genossenschaftsmitglieder. Die soll in diesem Jahr immerhin noch zwei Prozent betragen. Hierzu wurde ergänzend das Kontingent an Anteilen, die erworben werden können, von fünf auf 50 pro Mitglied erhöht. Das entspricht 8.000 Euro.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Ist mit Überzeugung Lokaljournalist. Denn wirklich wichtige Geschichten beginnen mit den Menschen vor Ort und enden auch dort. Seit 2007 leitet er die Redaktion in Schwerte.
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Heiko Mühlbauer

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