Obwohl die Familie gar nicht Corona-positiv war, erhielt sie die Anordnung zur Quarantäne mit einem amtlichen Brief. © privat
Corona in Schwerte

Viele positive Schnelltests falsch: Familie unschuldig in Quarantäne

Mir nichts, dir nichts in Quarantäne landen, ohne Corona zu haben. Das kann ganz schnell gehen. Und ist absolut kein Einzelfall. Eine Familie aus Schwerte musste die böse Erfahrung machen.

Dass es ein Spiel mit dem Risiko war, hatte die junge Familie aus Schwerte vorher nicht geahnt. Sie wollte vor dem Osterbesuch bei der Oma in Köln nur auf Nummer sicher gehen und buchte einen Termin in einem Corona-Schnelltestzentrum. Mit dem Ergebnis von Angst, Eingesperrtsein und Arbeitsausfall – und das alles völlig unnötig. Ein Fall, der gar nicht so selten vorkommt, wie vom Kreis Unna zu erfahren ist.

Die Oma sollte endlich mal wieder ihre kleine Enkelin sehen

Doch der Reihe nach. Schon lange hatte die Oma ihre Enkelin nicht mehr im Arm gehalten. Zuletzt an Weihnachten 2019, vor der Corona-Krise – da war die Kleine gerade mal sechs Wochen alt gewesen. Zu Ostern wollte man es endlich mal wieder wagen. Nur mit zwei Haushalten in der Wohnung und Verzicht auf den Spaziergang am Rhein, wo sich die Menschen drubbeln. Alles natürlich mit einem frischen Schnelltest.

Nach dem Test wurde die Mutter als „leicht positiv“ bezeichnet

Also wurde ein Testtermin für den Ostersamstag (3.4.) im Internet gebucht und wahrgenommen. Kurz darauf erhielt die Schwerterin schon den Schockanruf am Handy. Gemeldet habe sich eine Mitarbeiterin des Zentrums: „Ich muss Ihnen mitteilen, dass Ihr Test leicht positiv ausgefallen ist.“ Sie müsse sich in häusliche Quarantäne begeben und einen PCR-Test machen lassen. Ehemann und Tochter – so habe es auf Nachfrage geheißen – seien aber negativ.

Kehrtwende: Auf einmal sollte stattdessen die Tochter positiv sein

Wieder zurück zu Hause sollte das Verwirrspiel komplett werden. Per E-Mail habe es auf einmal geheißen: „Sie sind negativ.“ Stattdessen wäre aber jetzt die Tochter positiv. Die Sorge wuchs, aber am Samstag vor Ostern waren weder Hausarzt noch Gesundheitsamt zu erreichen. Erst am Ostersonntag morgens meldete sich eine freundliche und souveräne Mitarbeiterin der Behörde am Telefon. „Wir waren total erleichtert, dass sich jemand kümmert“, sagt die Schwerterin. Sie sollte alle Kontaktpersonen der Tochter informieren.

Nach einem PCR-Test war die ganze Familie gesund

Für den Dienstag nach Ostern (6.4.) gab es auch einen PCR-Testtermin im Testzentrum in Unna, dessen Ergebnis 24 Stunden später vorlag: Alle drei Familienmitglieder waren negativ. „Und wir sind da 1000 Tode gestorben über Ostern“, sagt die Mutter. Doch ausgestanden war die Sache längst noch nicht. Nachdem die Maschinerie einmal ins Rollen geraten war, erhielt die Schwerterin am Donnerstag (8.4.) im gelben Zustellungs-Kuvert die Anordnung der häuslichen Quarantäne. Dass gleichzeitig schon der Bescheid über die Aufhebung dieser Maßnahme unterwegs war, erfuhr sie erst am nächsten Tag telefonisch vom Gesundheitsamt. Die Briefe überschnitten sich.

„Das war eine Katastrophenwoche“, sagt die Schwerterin, die natürlich auch ihren Chef informieren musste und nicht zur Arbeit gehen konnte. Und sie fragt sich: „Wie viele falsch positive Ergebnisse haben wir denn?“

Mal schnell in einem Testzentrum eine Negativ-Bescheinigung abholen - dieser Plan kann auch schnell nach hinten losgehen.
Mal schnell in einem Testzentrum eine Negativ-Bescheinigung abholen – dieser Plan kann auch schnell nach hinten losgehen. © dpa © dpa

Kreis: 25 bis 30 Prozent der positiven Tests sind falsch

Die Antwort des Kreises Unna zeigt erschreckende Zahlen. Es gebe zwar keine Statistik über die „Trefferquoten“, wenn positive Schnelltests durch einen PCR-Test überprüft werden, sagt Pressestellen-Leiter Volker Meier: „Aufgrund der vorliegenden (unvollständigen) Zahlen gehen wir von einer Bestätigungsquote positiver Ergebnisse von rund 70 bis 75 Prozent aus. Das ist allerdings keine offizielle Zahl.“ Jedoch bedeutet sie im Umkehrschluss: 25 bis 30 Prozent der positiven Tests sind falsch, also jeder dritte bis vierte.

Schnelltests werden aber bei den Inzidenzzahlen nicht mitgezählt

Für die eigentlich Gesunden zieht das falsche Ergebnis harte Konsequenzen nach sich. Denn: „Alle positiv Getesteten müssen sich unverzüglich in Selbstisolation begeben und spätestens am nächsten Werktag einen PCR-Test durchführen lassen“, erklärt der Kreissprecher. In der Inzidenz-Statistik würden aber nur dessen Positiv-Ergebnisse gezählt: „Die Schnelltests gehen nicht in die Inzidenzstatistik ein.“ Sie treiben also dort die Werte nicht fälschlicherweise in die Höhe.

Wegen des nötigen Schnelltests gibt´s jetzt keinen Frisörbesuch

Die Schwerterin traut den Schnelltests nicht mehr. Nachdem man die neuerdings auch für einen Frisörbesuch braucht, verzichtet sie dort auf den geplanten Termin: „Jetzt muss mir mein Mann die Haare färben.“

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Reinhard Schmitz, in Schwerte geboren, schrieb und fotografierte schon während des Studiums für die Ruhr Nachrichten. Seit 1991 ist er als Redakteur in seiner Heimatstadt im Einsatz und begeistert, dass es dort immer noch Neues zu entdecken gibt.
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Reinhard Schmitz
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