Dr. Ulrich Franken ist Chefarzt der Inneren im Marienkrankenhaus. © Schnitker
Covid-19

Viele Infizierte, aber nur noch drei Corona-Patienten im Marienkrankenhaus

Die Infektionszahlen steigen. Doch aktuell ist die Lage im Marienkrankenhaus entspannt. Dass die Corona-Patienten zunehmend jünger sind, könnte sich auf Dauer aber auf die Zahl der freien Intensivbetten auswirken, erläutert Chefarzt Dr. Ulrich Franken.

Im Dezember waren die Intensivstationen vieler Krankenhäuser gut ausgebucht. Die zweite Welle der Corona-Pandemie sorgte für belegte Intensivbetten und auch viele Todesfälle. Derzeit sieht das in Schwerte anders aus.

Drei Covid-Patienten werden derzeit an beiden Standorten des Marienkrankenhauses behandelt. „Einer davon auf der Intensivstation“, erläutert Krankenhaussprecher Detlev Schnitker. Insgesamt ist die Lage also entspannt. Im Dezember gab es Tage, an denen 40 Covid-Patienten behandelt wurden.

Kommt der Patientenansturm verzögert?

Woran das liegt? Da gibt es zwei Erklärungsansätze, sagt Chefarzt Dr. Ulrich Franken von der Klinik für Innere Medizin an der Schützenstraße. Entweder sei man erst am Anfang der dritten Welle und der Ansturm an Patienten komme verzögert auf die Krankenhäuser zu.

Es könne aber auch sein, dass es daran liegt, dass nun deutlich jüngere Menschen an Covid erkranken. Das entspricht auch dem Ergebnis der Statistiken: Es stecken sich immer mehr Kinder und junge Menschen an. Die haben zumeist weniger Vorerkrankungen und tragen deshalb ein geringeres Risiko, Intensivpatient zu werden.

Grundsätzlich gebe es auch Menschen, die zuvor weitgehend gesund waren und dann mit einer Corona-Infektion auf der Intensivstation landen, aber die seien die absolute Ausnahme, so Dr. Ulrich Franken. Und auch nicht jeder Corona-Patient landet auf der Intensivstation. Mit Sauerstoff und einer Cortison-Therapie können viele ohne Intensivbett wieder genesen.

Die meisten Todesopfer hatten auch Vorerkrankungen

Sind die Menschen in der Vergangenheit dann mit oder an Covid gestorben? „Das kann man nicht so eindeutig bestimmen“, sagt Dr. Franken. Denn ein 80-Jähriger hat normalerweise schon eine Vorerkrankung, am Herz oder an der Lunge, und dann kommt eben Covid drauf: „Zu sagen, der ist nur an Covid oder nur am Herzen verstorben, ist da nicht möglich, das ist immer eine Mischform.“

Die Entspannung auf den Intensivstationen ist kein Schwerter Phänomen. Auch in den großen Kliniken mit ihren Spezialstationen, wie dem Klinikum Dortmund-Nord und dem Johanneshospital, ist die Lage verhältnismäßig entspannt. Das bedeutet auch, dass man die schweren Fälle von Schwerte aus dorthin verlegen kann.

Dass die Corona-Patienten zunehmend jünger sind, kann sich aber auf Dauer auch auf die Zahl der freien Intensivbetten auswirken. Denn während ein hochbetagter Patient nach wenigen Wochen auf der Intensivstation entweder gesund wird oder stirbt, bleiben jüngere, die besonders schwer erkranken, oft lange in intensivmedizinischer Behandlung und belegen damit einen Intensivplatz.

Bei Luftnot sofort zum Arzt

Man könne die meisten Menschen gut ambulant behandeln. Aber wenn sie über Luftnot klagen, dann wird es Zeit. Oft merken die Patienten das erst sehr spät. Doch wer hechelt oder auch so Probleme hat, ausreichend Luft zu bekommen, sollte sich auf jeden Fall beim Arzt melden. Der kann schnell entscheiden, ob der Patient ins Krankenhaus gehört. „Wer zu lange wartet, für den wird es schnell kritisch“, sagt Dr. Franken.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Ist mit Überzeugung Lokaljournalist. Denn wirklich wichtige Geschichten beginnen mit den Menschen vor Ort und enden auch dort. Seit 2007 leitet er die Redaktion in Schwerte.
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Heiko Mühlbauer

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