Ein Sofa im Flur zeugt noch von den Mietern im Erd- und im Kellergeschoss. © Heiko Mühlbauer
Hagener Straße

Vermieter kündigt Proberäume, in denen „Corona-Partys“ stattfanden

Erst eine Corona-Party mit Polizeieinsatz, dann Drogenfunde und eine angebliche Friseur-Party – der Besitzer des Gebäudes in Schwerte hat seinen Mietern gekündigt. Grund ist aber auch etwas anderes.

Der Raum mit dem Schallschutz ist besenrein. Ein bisschen Leergut und zwei Sofas, die im Hof und im Treppenhaus stehen, zeugen von den früheren Mietern. Michael Müller, Geschäftsführer von Biotrans, hat den Pachtvertrag für sein Musikhaus gekündigt.

Noch vor zwei Wochen hatten Rap-Musiker in den Räumen geprobt und vor allem auch gefeiert. Und das war eines der Probleme. Gleich zweimal war der Raum bundesweit in die Schlagzeilen geraten, weil hier „Corona-Partys“ stattgefunden haben.

Ob es tatsächlich Corona-Partys waren oder, wie im letzten Fall, eine Friseur-Party, ist nicht ganz geklärt. Auf jeden Fall aber gab es zwei größere Polizeieinsätze und jedes Mal trafen die Beamten auf Drogen und auf Jugendliche, die sich nicht an die Corona-Schutzbestimmungen gehalten haben.

In diesem Haus an der Hagener Straße in Westhofen befanden sich bislang 25 Proberäume für Musiker.
In diesem Haus an der Hagener Straße in Westhofen befanden sich bislang 25 Proberäume für Musiker. © Heiko Mühlbauer © Heiko Mühlbauer

Im Sommer hatte es eine etwas größere Feier vor dem Gebäude gegeben. „Doch damals waren die Schutzbestimmungen nicht so streng“, erzählt Müller.

Seit 15 Jahren verpachtet er das Haus an einen Mann, der es seinerseits an Bands weiter vermietet. 25 Proberäume gibt es in dem Gebäude, in dem einst die Sozialräume und die Lehrwerkstatt des Waggonherstellers Brüninghaus untergebracht waren.

Eine gewisse Hierarchie herrscht auch hier vor: Oben proben meist ältere Musiker und Bands, im Keller residierte die Hip-Hop-Szene. Doch die Keller-Mieter sind bereits ausgezogen. Andere Bands sollen folgen, aber nicht alle. Im Obergeschoss bleiben die Proberäume erhalten, nur dass Müller sie künftig selbst vermietet.

Besenrein ist der Proberaum, in dem die Rapper geprobt und auch gefeiert haben. © Heiko Mühlbauer © Heiko Mühlbauer

Passanten waren von einem Einbruch ausgegangen

Auch wenn ihn die Polizeieinsätze ärgern, grundsätzlich hatte er nichts gegen die Jugendlichen. „Die haben uns ja nicht gestört.“ Allerdings ist auch sein Recyclingunternehmen nicht ganz leise.

Der Polizeieinsatz vor 14 Tagen war übrigens nicht durch Lärm ausgelöst worden. Vielmehr hatten Passanten nachts Licht in den Kellerräumen beobachtet und waren von einem Einbruch ausgegangen. Das Pech der Musiker: Sie hatten für ihre Feier auch den Versorgungsraum genutzt, und der hat Fenster zur Hagener Straße.

Die Kündigung sei schon vor dem Polizeieinsatz bei der angeblichen Friseurparty beschlossene Sache gewesen. Die Stadt hatte nämlich nach einer Brandschutzbegehung in der Firma auch einen Blick auf das Musikhaus geworfen. Und da gab es einiges anzumerken, vor allem was Keller und Erdgeschoss betraf.

Ein Versuch, sich mit dem Pächter auf einen Umbau zu einigen, sei gescheitert. Daraufhin beschloss Müller, das Haus wieder selbst zu übernehmen und Keller und Erdgeschoss als Lagerräume zu nutzen. Einen Bauantrag bei der Stadt habe er bereits gestellt. Ein Teil der Proberäume soll aber erhalten bleiben und wenn alles gut geht, wird vielleicht noch aufgestockt für weitere Räume.

Gebäude wurde 1950 gebaut

Das Gebäude, das direkt an der Hagener Straße liegt, wurde 1950 gebaut. Damals war das Areal dort noch das Werk 2 von Brüninghaus. 1986 kaufte eine Spedition das Areal. Deren Inhaber gründete gemeinsam mit Müller damals Biotrans. Mit dem Firmengelände wurde auch das Gebäude übernommen. Anfang der 90er-Jahre verkaufte man das Haus an die Stadt, die dort lange Jahre Flüchtlinge untergebracht hatte.

Vor 15 Jahren kaufte Müller dann das Haus zurück, renovierte es und verpachtete es weiter an den Proberaumbetreiber. Seitdem nennt er es selbst das Musikhaus.

Die Rapper aus dem Untergeschoss sind übrigens nicht heimatlos. Sein einstiger Pächter habe ein ehemaliges Bordell in Dortmund übernommen und dort nun Proberäume eingerichtet, so Müller.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Ist mit Überzeugung Lokaljournalist. Denn wirklich wichtige Geschichten beginnen mit den Menschen vor Ort und enden auch dort. Seit 2007 leitet er die Redaktion in Schwerte.
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Heiko Mühlbauer

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