Vermeintliche Unitymedia-Mitarbeiter verlangten Zugang zur Wohnung einer Schwerterin

Mögliche Betrüger

Vermeintliche Unitymedia-Mitarbeiter verhielten sich an der Tür einer Seniorin sehr dominant. Sie verlangten Zutritt zu Wohnung und Keller. Ob sie „echt“ waren oder nicht, ist unklar.

Schwerte

, 16.04.2019 / Lesedauer: 3 min
Vermeintliche Unitymedia-Mitarbeiter verlangten Zugang zur Wohnung einer Schwerterin

Angebliche Unitymedia-Mitarbeiter verunsicherten am Montag eine Schwerter Seniorin. © picture alliance / dpa

Um kurz vor 16 Uhr am Montag klingelte es bei Annette und Günther E. (Name der Redaktion bekannt) an der Wohnungstür. Das Ehepaar wohnt in einem Sechs-Familien-Haus an der Kleppingstraße. Vor der Tür standen zwei Männer, die sich als Unitymedia-Mitarbeiter ausgaben, erzählt die Rentnerin. Beide trugen schwarze Hosen und taubenblaue Jacken mit dem Schriftzug Unitymedia auf dem Rücken - das Logo stand nicht drauf. Auf einem Laptop zeigten sie den Namen ihres Mannes auf schwarzem Grund - mehr habe da nicht gestanden. Ob denn ihr Fernseher einwandfrei funktioniere. Annette E. kam das komisch vor. Sie fragte die Männer, ob sie sich ausweisen könnten. „Sie hielten mir einen verwischten Plastikausweis kurz unter die Nase - ich konnte gar nichts sehen.“ Dann hätten die Männer Zugang zur Wohnung verlangt, da sie die Fernseh-Anlage ansehen müssten. Sie seien sehr dominant aufgetreten.

Alle Lampen im Keller angeschaltet

Annette E. sagte ihnen, dass die Anlage sich im Keller befindet. Einer der Männer ging vor ihr in den Keller, der andere blieb an ihrer Wohnungstür stehen. Annette E. schloss ihre Wohnungstür ab und ging in den Keller. „Ohne zu wissen, wo der Mann hinmusste, hatte er, als ich unten ankam, bereits in den Kellerräumen aller sechs Wohnparteien das Licht angeschaltet.“ Annette E. war sofort alarmiert und verwies die Männer lautstark des Hauses. Zügigen Schrittes entfernten sich die Männer dann Richtung Hüsingstraße. Anschließend informierte Annette E. die Polizei.

Die Kreispolizei bestätigte die Meldung. Ähnliche Fälle seien aus dem Stadtgebiet oder Umfeld derzeit nicht bekannt. Ob die Männer eventuelle Betrüger gewesen seien, könne man nach erstem Erkenntnisstand nicht sagen.

Annette E. hatte sich auch umgehend im Unitymedia-Shop auf der Hüsingstraße erkundigt. „Dort sagte man mir, dass ihre Mitarbeiter nicht unangekündigt vor der Tür stehen würden.“

Unitymedia arbeitet mit freien Vertretern

Das Unternehmen selbst konnte am Dienstag nicht verifizieren, ob es sich um Mitarbeiter gehandelt habe. Seitens der Pressestelle aus der Kölner Zentrale hieß es dazu: „Wir arbeiten mit freien Handelsvertretern zusammen, die ihren Tag selbst planen. Unsere Medienberater tragen in der Regel hellblaue Jacken mit einem größeren Emblem auf dem Rücken und nutzen kleine Kunststoffkarten zur Verifizierung.“ Insofern seien es vermutlich Medienberater gewesen, die sich im Keller die dort verbauten Übergabepunkte näher angesehen haben, um beispielsweise zu prüfen, ob diese aktiv geschaltet sind. Es handele sich aber nicht um „Kontrolleure“.

Die Medienberater sprechen Mieter von Immobilien an, in denen ein Kabelanschluss technisch verfügbar ist, die aber noch kein Vertragsverhältnis mit Unitymedia haben. Im Rahmen dieser Gespräche könne es passieren, dass Medienberater und Mieter die hausinterne Verteilanlage aufsuchen, um Unklarheiten zu beseitigen, die im Verlauf des Gesprächs aufgetreten sind. „Das sollte dann aber natürlich in Abstimmung passieren“, so Pressesprecher Helge Buchheister.

Zugang zur Wohnung ist nicht notwendig

Ein Zugang zu Wohnräumen sei allgemein aber nicht notwendig, betont er. Hin und wieder komme es jedoch vor, dass Techniker von Unitymedia ohne Voranmeldung Zugang zu Wohn- oder Kellerräumen benötigen, um Störungen zu beheben, die Dritte beeinträchtigen. Er empfiehlt, einen Nachbarn hinzuziehen oder den Besucher zu einem späteren Termin zu bestellen, wenn eine Vertrauensperson anwesend ist. Sollte es zu Verfehlungen im Verhalten der Mitarbeiter kommen, prüfe Unitymedia diese.

Die Polizei rät, grundsätzlich keine Unbekannten ins Haus zu lassen. Fremde sollte man vor der Tür warten lassen und telefonisch nachfragen, ob alles seine Richtigkeit habe. Im Notfall und wenn man glaubt, Opfer eines Verbrechens geworden zu sein, sollte man die Polizei über 110 informieren.

Annette E. beschreibt die Männer wie folgt: schwarze Haare, etwa 1,70 Meter groß, sie sprachen akzentfreies Deutsch.

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