Verkaufsanzeige im Internet: Was ist los mit „Fritten Karl“ am Schwerter Bahnhof?

dzKult-Pommesbude

Erst seit knapp vier Monaten betreibt Konstantinos Papas den Bahnhofsgrill, den er in Athen Grill umbenannt hat. Nach Rückschlägen denkt über einen Verkauf nach. Aber das ist nur Plan B.

Schwerte

, 18.07.2019, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Koch weg, Lieferfahrer weg, Helferin weg. Tag für Tag steht Konstantinos Papas allein zwischen Fritteuse und Hähnchengrill. Viele Rückschläge musste er wegstecken, seit er Schwertes Kult-Pommesbude „Fritten Karl“ am Schwerter Bahnhof im März als „Athen Grill“ übernommen hat. Jetzt taucht der „voll ausgestattete Imbiss“ bei Ebay-Kleinanzeigen im Internet auf. Für 30.000 Euro steht das Interieur zum Verkauf. Das ist für den Inhaber aber eigentlich nur Plan B.

„Ich will nicht aufhören“, sagt der 73-Jährige: „Wenn ich eine Frau mit Führerschein finde, mache ich weiter.“ Nur von nachmittags bis abends brauche er diese Hilfe, die auch mal Bestellungen zu den Kunden bringen könne.

Mitarbeiter hat Jägersoße mit Currypulver verdorben

Denn pausenlos als Alleinkämpfer von 10 bis 22 Uhr zu schuften, muss auf irgendwann auf Kosten der Gesundheit gehen. „Die Arbeit frisst den Chef, sagen die Griechen“, zitiert Papas ein Sprichwort aus seiner Heimat. Vom Salate Zubereiten über das Souflaki Machen bis zum Putzen und Desinfizieren - alles muss er selbst erledigen.

Eigentlich wollte er sich den Job ja mit einem Kumpel teilen - aber mit dem sei alles schief gelaufen: „Der hat mir nur Katastrophen gemacht.“ Bei Bestellungen habe er die Pommes vergessen, die Jägersoße mit Currypulver verdorben „Die Kunden, die er damit bedienen wollte, kommen nicht wieder“, schimpft der Imbiss-Inhaber. Nach der Kritik sei der Mann nicht mehr erschienen. Pech habe er auch mit einer Nachfolgerin gehabt. Die sei zwar nett und sauber gewesen, habe aber ständig Vorschuss haben wollen.

Verkaufsanzeige im Internet: Was ist los mit „Fritten Karl“ am Schwerter Bahnhof?

Erst bei der Übernahme durch Konstantinos Papas zum 1. März 2019 wurde aus dem Bahnhofsgrill der Athen Grill. © Reinhard Schmitz

Also blieb nichts, als das ganze Angebot von Wurst bis Gyros, von Überbackenem bis zu Pizza alleine zuzubereiten. Papas fühlt sich trotzdem wohl hinter seinem Tresen. „Zu Hause bleiben, das ist nicht mein Leben“, sagt er: „Da fühle ich mich langweilig.“ Er muss unter Menschen sein. So, wie es vorher in 33 Jahren im Imbissgeschäft gewohnt war. Danach war ihm bei einer zweieinhalbjährigen Pause die Decke auf den Kopf gefallen.

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Deshalb setzte er sich über die Ablehnung der Kinder hinweg und eröffnete in Schwerte noch einmal im Bahnhofsgrill, den eigentlich alle nur als „Fritten Karl“ kennen. So hieß der legendäre Angestellte mit dem weißen Kittel, der jahrzehntelang die Pommesschälchen in dem Imbiss füllte, den Klara Stemmer 1966 an der Bahnhofstraße eröffnet und 1968 an ihre Tochter Marietta Krusemann weitergegeben hatte.

Als die sich 2006 verabschiedete, übernahmen Franz Schnitzler und Rainer Langner, der nebenan eine Spielhalle betrieb. Sie prägten die nächsten zwölf Jahre, bis gesundheitliche Gründe zum Rückzug zwangen. Darauf folgte ein kurzes Intermezzo unter türkischer Regie. Wie lange bleibt der Imbiss jetzt griechisch?

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