Vergewaltigungs-Prozess: 17-Jährige leidet unter Flashbacks, Angst und Schlaflosigkeit

dzLandgericht Hagen

Es reicht schon der Geruch des Parfüms: Nach einer mutmaßlichen Vergewaltigung leidet eine Schülerin aus Schwerte noch immer unter Flashbacks. Das ist am Montag vor Gericht bekannt geworden.

Schwerte/Hagen

, 29.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Angstzustände, Schlaflosigkeit, Konzentrationsprobleme: Sechs Monate nach einer mutmaßlichen Vergewaltigung leidet eine 17-jährige Schülerin aus Schwerte noch immer unter Flashbacks. Das hat ihre Therapeutin am Montag im Prozess vor dem Hagener Landgericht berichtet.

Die 17-Jährige war rund eine Woche nach dem traumatischen Ereignis erstmals bei der Therapeutin aufgetaucht. „Es war eine Krisensitzung“, sagte die Psychologin den Richtern. „Sie hatte Flashbacks, traute sich nicht mehr alleine auf die Straße, konnte nicht schlafen.“ Außerdem habe sie viel geweint, sei gereizt und niedergeschlagen gewesen.

Der Geruch des Parfüms reicht manchmal schon aus

Manchmal habe es schon gereicht, wenn die Schülerin bei einem anderen Mann das Parfüm ihres angeklagten Ex-Freundes gerochen habe, um die Geschehnisse wieder aufleben zu lassen. Oder wenn sie einer Person begegnet sei, die dem 22-Jährigen ähnlich gesehen habe. Dieser Zustand hat sich inzwischen zwar angeblich gebessert, halte aber nach wie vor an.

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Eine Psychiaterin, die ebenfalls als Sachverständige vor Gericht vernommen worden ist, hatte eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert. Ob sie wirklich auf einer Vergewaltigung basiert, ist allerdings weiter unklar. In die Tiefe ist die Ärztin nicht gegangen – genauso wenig wie die Therapeutin. „Es ging erst einmal darum, die Schülerin psychisch zu stabilisieren“, hieß es dazu im Prozess. Erst wenn die Gerichtsverhandlung vorbei sei, wolle man in der Behandlung auch über die Tat sprechen.

In der Therapie nicht über die Tat gesprochen

Die 17-Jährige soll in den Therapiesitzungen bisher nur angedeutet haben, dass sie Opfer eines sexuellen Übergriffs geworden ist. In einem Auto, an einer abgelegenen Stelle. Außerdem soll von massiver Gewalt die Rede gewesen sein.

Fragen wurden dazu offenbar nicht gestellt. Es ging vielmehr um die Folgen der Tat. Und die hält die Therapeutin auch nicht für ausgedacht. „Das war alles sehr glaubhaft“, sagte sie im Prozess. Die 17-Jährige habe sich in den Gesprächen nicht stringent an einem roten Faden entlanggehangelt, sondern verschiedene Ereignisse und Situationen miteinander verknüpft.

Ob die Flashbacks tatsächlich auf einer Vergewaltigung oder ausschließlich auf einer brutalen Körperverletzung beruhen, könne aufgrund der bislang nicht stattgefundenen Konfrontation mit der Tat aber nicht gesagt werden.

Diese Unterscheidung ist für die Verteidiger allerdings wichtig. Dass der Angeklagte die 17-Jährige geschlagen hat, soll offenbar nicht bestritten werden. Die Vergewaltigung dagegen schon.

Der Angeklagte selbst, der weiter in Untersuchungshaft sitzt, macht von seinem Schweigerecht Gebrauch.

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