Vergewaltigungs-Prozess: 17-Jährige korrigiert ihre Aussage

dzLandgericht

Überraschung im Vergewaltigungs-Prozess gegen einen 22-jährigen Schwerter: Die Ex-Freundin des Angeklagten hat ihre Aussage korrigiert. Jetzt steht ihre Glaubwürdigkeit auf dem Spiel.

Lichtendorf

, 12.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Der dritte Verhandlungstag hatte noch nicht begonnen, da saß die Schülerin aus Schwerte wieder auf dem Zeugenstuhl. Eigentlich war ihre Vernehmung abgeschlossen - doch die 17-Jährige musste ihre Aussage korrigieren.

Rund anderthalb Stunden hatten die Richter am Hagener Landgericht sie am Mittwoch unter Ausschluss der Öffentlichkeit vernommen. Was niemand ahnte: Die 17-Jährige hat nicht die ganze Wahrheit gesagt, als es um intime Details ging.

Details aus Angst vor dem Vater verschwiegen

Sie selbst hat das offenbar schwer belastet, sodass sie sich ihrer Anwältin Arabella Pooth offenbart hat. Am Freitag hat die Schülerin nun die Gelegenheit gesucht, alles richtig zu stellen. Auch diesmal fand ihre Vernehmung hinter verschlossenen Türen statt. Was sie den Richtern zu „beichten“ hatte, kam trotzdem heraus. „Sie hat eingeräumt, dass sie zweimal gelogen hat“, hieß es später auf dem Gerichtsflur von Seiten der Verteidiger. Dabei sei es um heimliche Treffen gegangen, bei denen nicht nur Händchen gehalten wurde.

Wie es heißt, hatte sie aus Angst vor ihrem Vater Details verschwiegen. In ihrer offenbar sehr religiösen Familie werde erwartet, dass auf dem Weg von einer engen Freundschaft zur Ehe nichts weiter passiert. Dem Angeklagten scheint diese Korrektur Oberwasser zu geben. Er konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. „Die Richter haben nun die ganz schwierige Aufgabe, die Glaubwürdigkeit der Zeugin prüfen zu müssen“, sagte Verteidiger Hans-Peter Maas am Rande des Prozesses. Dass der 22-Jährige seine Ex-Freundin geschlagen hat, will er nach Angaben seiner Anwälte nicht bestreiten. Die Vergewaltigung dagegen schon.

Entschuldigungsbrief der Eltern

Unklar ist auch, wie ein Entschuldigungsbrief einzuordnen ist, den die Eltern des Angeklagten an die Eltern der 17-Jährigen geschrieben haben. Darin heißt es unter anderem: „Wir werden nicht genügend Worte haben, um Sie um Verzeihung zu bitten.“ Und: „Wir verneigen uns vor ihrer Tochter, die sich uns – den Sündern – anvertraut hat.“

Dem 22-jährigen Angeklagten wird vorgeworfen, seine Ex-Freundin am 17. Oktober 2018 in einem Mietwagen vergewaltigt, geschlagen und fast erwürgt zu haben. Er war festgenommen worden, nachdem die Schülerin zur Polizei gegangen war. Seine Eltern erfuhren erst nach der Rückkehr aus einem Urlaub, dass ihr Sohn im Gefängnis ist. „Wir waren geschockt“, sagte die Mutter den Richtern am Freitag. „In unserer Gesellschaft werden Frauen sehr verehrt.“

Das Hagener Landgericht hat für den Prozess weitere Verhandlungstage bis in den Juni festgelegt.

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